Spieglein, Spieglein...

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„Hidden Champion“ - in der Wirtschaftswelt ist dieser Begriff bestens bekannt: Meister ihres Fachs oder ihrer Branche, die im Verborgenen wirken. Wenn es jemanden gibt, auf den diese Definition zutrifft, dann ist es wohl Jens Konieczny. In einer kleinen Seitenstraße in Baukau hat er seine Lackiererei. Das ist an sich nicht außergewöhnlich. Ziemlich einzigartig wird es, wenn man Koniecznys Spezialität betrachtet. Er verleiht Autos Lackierungen mit einem unglaublichen Tiefenglanz. Man kann es auch so beschreiben: Spiegel würden neidisch. Der 44-Jährige hat eben nicht nur den Meisterbrief, er ist auch ein Meister seines Fachs, den man in ganz Deutschland wohl kaum ein zweites Mal findet.

Das offenbart sich bei einem Blick auf - oder besser - in sein Demonstrationsobjekt: eine schwarz lackierte Motorhaube. Darin schaut man tatsächlich in ein makelloses Spiegelbild, auch die Umgebung ist perfekt in allen Details. „So eine Lackierung bekommt man nicht serienmäßig“, sagt Konieczny. Auch nicht bei den Herstellern von Luxusautos.

Devise: Keine Kompromisse

Vor mehr als 20 Jahren begann Koniecznys Spezialisierung auf die spiegelglatten Oberflächen - durch einen Auftrag seines damaligen Chefs. Seitdem verfeinert er seine Technik. Seine Formel ist so bekannt wie simpel: Keine Kompromisse. Er verwende nur die besten Materialien, sei es beim Schleifpapier - das aus Japan kommt - oder beim Klebeband. Auch beim Werkzeug benutzt er nur erste Wahl. „Ich habe natürlich auch ein paar Geheimnisse, die ich nicht preisgeben werde“, sagt er. Obwohl manche von ihnen für andere Lackierer banal erscheinen würden.

Neben seinem „Brot-und-Butter-Geschäft“ für Autohäuser empfängt er immer wieder zahlungskräftige Autoliebhaber aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch aus dem Ausland, die etwas ausgefallenere Wünsche haben. Eins seiner letzten Projekte war ein Jaguar XK 120 Coupé aus dem Jahr 1952, den er für das private Dortmunder Automuseum in ein schwarzes Schmuckstück verwandelte. Dabei handelte es sich um einen extrem arbeitsaufwendigen Auftrag. Immer wieder schleifen, mehrere Schichten Klarlack auftragen, am Ende auf Hochglanz polieren. Konieczny schätzt, dass der Jaguar rund 300 Arbeitsstunden verschlungen hat. An dieser Zahl kann man in etwa ablesen, dass es seinen Preis hat, um sich im eigenen Auto spiegeln zu können.

Zurück zu Koniecznys Motorhaube: Die Bezeichnung „perfekt“ würde er selbst nie durchgehen lassen. Er habe schon wieder ein paar Fehler entdeckt, sagt er beim Ortstermin mit der WAZ. Deshalb arbeitet er unermüdlich an seiner Technik, um irgendwann doch das Stadium der Perfektion zu erreichen.