Spender für Familie aus Herne fühlen sich betrogen

Das Schicksal der Familie Vogel-Schaf aus Herne bewegt die Leser. Im Bild Simon (vorn) mit seinen Brüdern.
Das Schicksal der Familie Vogel-Schaf aus Herne bewegt die Leser. Im Bild Simon (vorn) mit seinen Brüdern.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Spender fühlen sich betrogen: Eine Essenerin, so der Vorwurf, gab über Facebook gesammeltes Geld für schwer kranken Simon (4) aus Herne nicht weiter.

Herne..  Der WAZ-Bericht über das Schicksal der Familie Vogel-Schaaf und deren schwer erkrankten Sohn Simon hat ein großes Echo ausgelöst: Viele Leser boten ihre Hilfe an. Höchst unerfreulich sind für die Familie dagegen die Folgen eines Spendenaufrufs, den eine Essenerin über Facebook bereits vor der Berichterstattung gestartet hatte: Etwa 35 Menschen bangen um Geld, dass sie für die Vogel-Schaafs gespendet haben.

Eine der Familie unbekannte Essenerin rief wegen Simons Krebserkrankung über Facebook zu Spenden auf. Aufmerksam geworden war sie auf den Fall durch eine von Jenny Vogel ins Leben gerufene Facebook-Gruppe. „Ich dachte, die meint es gut, lass sie mal machen“, sagt Jenny Vogel. Die Essenerin erklärte damals, sie wolle Geld für einen Tunesienurlaub für die Familie und deren fünf Kinder sammeln.

Knapp 2000 Euro sind nach Angaben einer Hamburger Spenderin bis heute an Spenden zusammengekommen. Der Urlaub habe jedoch nie stattgefunden. Und auch Geld sei bei der Familie nie angekommen.

Eine Woche nach Tunesien – das war der Plan. Im Oktober sollte die Reise stattfinden. Kurz vor Reiseantritt sei die Essenerin plötzlich von der Bildfläche verschwunden. Die Reise-Tickets hat Familie Vogel-Schaaf nie gesehen, der Urlaub fällt aus. Die Spendensammlerin erklärte damals der Familie, sie sei krank gewesen, hätte sich nicht mehr kümmern können. Außerdem sei nicht genügend Geld zusammengekommen. Sie habe ihn auf 2015 umbuchen können.

Nach Diagnose der HLH-Erkrankung bei Simon im November kommt ein Urlaub ins weit entfernte Tunesien für die Familie allerdings nicht mehr infrage. Die Essenerin sammelte jetzt nicht mehr für die Reise, sondern – so schrieb sie es bei Facebook – für „Krankenhausaufenthalte, Fahrtkosten und Rehabilitation“. „Dabei habe ich nie gesagt, dass ich Geld haben möchte“, sagt Jenny Vogel.

Die Hamburger Spenderin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist wütend. 430 Euro hat sie mit gutem Gewissen überwiesen. „Bis ich irgendwann festgestellt habe, dass die Gelder gar nicht bei der Familie ankommen“, sagt die 54-jährige Polizeibeamtin. Alle Versuche, etwas bei der Spendensammlerin zu erreichen, seien fehlgeschlagen. „Das wurde von ihr abgeblockt. Dabei hatte ich anfangs den Eindruck, dass die Familie einen guten Kontakt zu ihr hat.“

Die Familie soll das Geld bekommen

Tatsächlich hat Familie Vogel-Schaaf die Essenerin nur einmal getroffen. Mitte Dezember brachte sie einen Kinderwagen für Simon vorbei. Andere Geld- oder Sachspenden sind bei der Familie nie angekommen. Die 35 Spender haben sich jetzt zusammengetan und wollen Anzeige wegen Betrugs gegen die Essenerin erstatten.

Diese ist sich im Gespräch mit der Redaktion keiner Schuld bewusst. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Die Familie bekommt das übrige Geld.“ Wegen der nicht angetretenen Reise müssten allerdings auch noch Stornokosten in Höhe von 1339 Euro gedeckt werden – von den Spendengeldern.

„Ich werden die Angelegenheit jetzt meinem Anwalt übergeben. Mit der ganzen Sache möchte ich nichts mehr zu tun haben“, sagt die Essenerin, die ihre Facebook-Seite mittlerweile gelöscht hat. Außerdem werde sie Anzeige wegen übler Nachrede erstatten.

Viele Leser wollen der Familie helfen

Das schwere Schicksal der siebenköpfigen Familie Vogel-Schaf rückte die WAZ in der Heiligabend-Ausgabe in den Fokus. Nach einer überstandenen Krebserkrankung kämpft der vierjährige Simon wieder um sein Leben. Im November 2014 bekommt er plötzlich hohes Fieber, kann nicht mehr sprechen, nur schwankend laufen.

Im Krankenhaus diagnostizieren die Ärzte die Erbkrankheit HLH (Hämophagozytische Lymphohistiozytose), die Entzündungen im Gehirn und Organschäden verursacht. Auch Noel (8) trägt das kranke Gen in sich. Sein verstorbener Bruder Jeremy litt vermutlich auch an der Krankheit. Die Familie wartet auf eine Stammzellenspende für Simon und Noel. Nur so kann die Krankheit besiegt werden. Ob Simons Gehirn wieder normal funktionieren wird, ist nicht klar. Nach dem Bericht haben sich viele bei der WAZ gemeldet. Der Familie wurden unter anderem eine Erdgeschosswohnung und ein Fahrdienst zu Simon in die Klinik nach Datteln angeboten.