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"Sonntagsjäger" sind zum Feiern geboren

09.02.2010 | 15:44 Uhr
"Sonntagsjäger" sind zum Feiern geboren

Herne. Der Kegelclub „Die Sonntagsjäger” feiert seinen 50. Geburtstag. Und da sind die Frauen ausnahmsweise mal geduldet.

Draußen ist's kalt und dunkel, drinnen, im muckeligen Schankraum, sitzt Hans-Georg Ernst an einem der Holztische und erzählt von früher. Im Hintergrund stehen die Anderen und geiern, wie man im Revier sagt. Hier, im gemütlichen Wanner Kolpinghaus, fühlen sie sich wohl – seit 50 Jahren schon, denn seit 1960 wirft der Kegelclub „Die Sonntagsjäger” hier manchmal alle Neune, manchmal eine Ratte. Hernes vielleicht ältester Kegelklub hat Geburtstag.

Herr Ernst ist ganz schön lustig. „Lieber Feste feiern als feste arbeiten”, sagt er, und damit bringt er das Motto der Sonntagsjäger auf den Punkt: Sport soll Spaß machen, und fast alles, was Spaß bringt, gibt es im Kolpinghaus – eine Kegelbahn, kühle Getränke und an diesem Abend sogar Frauen. Das ist untypisch, denn die Sonntagsjäger sind ein Herrenzirkel, die Gattinnen bleiben meist zu Hause.

Nur wenn groß gefeiert wird, etwa der Fünfzigste, sind sie dabei. „Unsere Frauen sind froh, wenn sie ab und zu mal ihre Ruhe vor uns haben”, sagt der Hans-Georg Ernst. Er ist übrigens eines der Urgesteine des Klubs, 69 Jahre alt und seit 1963 im Verein. Die Kegler sind seitdem geschrumpft, zahlenmäßig. Ein paar sind weggezogen, drei schon tot. Aktuell sind sie zu fünft. Und immer haben sie sich im Kolpinghaus getroffen. „Vier Wirte haben wir bislang überlebt”, berichtet Ernst. Das Gesellige war ihnen stets wichtig, wichtiger als die Frage, wer Jahresbester wird. Inzwischen feiern sie „nicht mehr so übertrieben wie früher. Da hatten unsere Frauen doch was gegen.”

Der Herner Kegelclub "Die Sonntagsjäger" feiert sein 50-jähriges Bestehen im Kolpinghaus in Wanne-Eickel. Vorne im Bild zeigt Hans-Georg Ernst die Jubiläumstafel, die die Ehefrauen haben anfertigen lassen. Im Hintergrund seine Kegelbrüder und die Gastwirte des Kolpinghauses. Foto: Ute Gabriel

Die überreichen nun ein Geschenk, eine Tafel anlässlich des 50-Jährigen. Hinten, wo die Bahn ist, hängt bereits so eine Plakette an der Wand. Die hatten die Damen ihren Kegler-Kerlen zum 40. Geburtstag zukommen lassen. Ein Platz für das neue Stück ist schnell gefunden, aus der Tapete ragt schon ein Nagel, ein willkommener Zufall. Zurück in den Schankraum. Der Besuch von der Zeitung verabschiedet sich, zurück bleiben die fidelen Kegler. Wie sie den Abend zu Ende bringen? Nochmal der Ernst: „Wir sind zum Feiern geboren.”

Jonas Erlenkämper

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