Sollbach und Hagen kraulen die Seele
07.12.2011 | 19:55 Uhr 2011-12-07T19:55:00+0100
Wanne-Eickel.Musik kann allerlei Funktionen haben – anregen, aufregen, unterhalten, fröhlich oder nachdenklich machen, entspannen, erinnern, vergessen lassen. Unter diesem Aspekt kann ich der aktuellen CD von Zink „Colours of Silence“ nur attestieren: diese Musik funktioniert. Auf dem Weg mit dem Auto von Eickel in die Redaktion habe ich die CD mit der „Ambient Lounge Music“ von Norbert Sollbach (55) und Patrick Hagen (42) eingelegt. Auf der Holsterhauser Straße in Höhe des Café del Sol hupte mich mein Hintermann an. Im Rückspiegel sah ich ihn wild gestikulieren, der Blick nach vorn aufs Tacho offenbarte, dass ich statt der erlaubten 50 km/h nur 30 fuhr. Das passiert mir eher selten.
„Wir wollen anspruchsvolle Entspannungsmusik machen. Nicht etwa altersbedingt ruhig gestellt – sondern wir schaffen zeitgenössische Klangbilder“, erläutert Norbert Sollbach. Der Gitarrist ist ein alter Recke der Wanne-Eickeler Musikszene mit rockigen Wurzeln in den wilden 70ern. Mit Pöhl-Musik machte er einst in New York Schlagzeilen. Heute frönt er nicht nur mit Honey and the Hotshots dem guten, alten Rock’n’Roll.
Mit Zink ist er ganz anders unterwegs. Sphärisch, mit viel Hall geht es bei „Colors of Silence“ auf eine musikalische Reise wie durch Raum und Zeit. Sollbachs Gitarre und die Klarinette von Patrick Hagen nehmen einen mit, ob man nun will oder nicht. Durchaus angenehm eingelullt folgt man den warmen Tönen, die Hagen seinem Instrument entlockt, wird kurz geweckt, wenn er jazzig tiriliert, um sich Sekunden später wieder willig fallen zu lassen. Die Zuversicht, moll aufgefangen zu werden, enttäuscht keines der zwölf Stücke der CD. Das vierte, „Mexican Passion“, kommt mit Beat-Box und ein paar Brocken Sprechgesang leicht flotter daher als der Rest. Aber ein echter Weckruf ist es auch nicht, soll’s ja auch nicht.
Ob man die Ambient Lounge Musik von Zink nun mag oder nicht – brillante Musiker sind am Werk. Wenn man intensiv hinhört, können Hall, Synthesizer und überhaupt zu viel Effekt zuweilen nerven. Also: den Farben der Stille besser nebenbei lauschen, sich kraulen lassen, nicht denken, entspannen und vor allem nicht Auto fahren.
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