So war das Herner Kulturfestival 2015

Laut und cool: Bei der Bandfusion präsentierten sich Samstag elf Gruppen bis Mitternacht im Schnelldurchgang. Hier: Crazy Black Sunday.
Laut und cool: Bei der Bandfusion präsentierten sich Samstag elf Gruppen bis Mitternacht im Schnelldurchgang. Hier: Crazy Black Sunday.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Zwei Tage Kultur am Schloss. Zu sehen gab es einen Querschnitt des Herner Alltagslebens: ambitionierte Bands, internationales Essen und bildende Kunst.

Kreolisch-französische Töne und rhythmisches Trommeln – die Gruppe Kan’nida aus Guadeloupe beschallte den Schlosspark Strünkede und entführte am Samstag die Besucher des Kulturfestivals auf eine Reise in die Karibik. Die Musiker sind Vertreter der „Gwo Ka Tradition“, der Begriff steht für große Boula-Trommeln, und die haben sie auch auf der Europa-Tour im Gepäck. „Die Gesänge, Tänze und Lieder sind geprägt von Gelassenheit“, kündigte Petra Stach-Wittekind vom „Eine Welt Zentrum Herne“ den Gig an.

Das ganze Wochenende gab es vielfältige Tanz- und Musikaufführungen auf zwei Bühnen im Schlossbereich. Ein Höhepunkt war die große Open-Air-Bandfusion am Samstag. Bis Mitternacht rockten elf Bands für jeweils 15 Minuten die Bühne. „So viele Bands in vier Stunden auf einer Bühne – das ist jede Menge Spaß und zeigt die musikalische Vielfalt. Und genau darin liegt der Erfolg des Konzepts“, erklärte Mathias Exner vom Verein Rockbüro, der sich gemeinsam mit Patrick Praschma von RoomService e.V. dafür verantwortlich zeigte.

„Kennenlernen und Mitmachen“ lautete das Credo des inzwischen etablierten Festivals, organisiert durch das Kulturbüro Herne. „Es ist ein großartiges Programm – und hier präsentiert sich ein enormer interkultureller Bereich“, erklärte Projektleiterin Claudia Stipp. Sie freute sich über die friedfertige Stimmung und Vielfältigkeit des Festivals. Das spiegelte sich auch an den Ständen im Park wider. „Hier kommen viele Kulturen zusammen, man lernt neue kennen, das ist das Besondere“, erläuterte Fidan Pacal vom alevitischen Kulturverein. Die 31-jährige ist jedes Jahr mit ihrer Gemeinde auf dem Kulturfestival vertreten, um interessierte Besucher über die Kultur der Aleviten aufzuklären: „Um es kurz zu fassen: Wir sind lockere Muslime ganz ohne Kopftuchzwang.“

40 Kilo Mehl – Lahmacunals kulinarischer Selbstläufer

Gegenüber, am Stand des Vereins „Schefkat“, ging es ebenfalls um den Dialog zwischen den Kulturen und den Abbau von Vorurteilen. Es duftete nach Lahmacun, beim Backen der Teigware trug Fathma Akkus trotz der samstäglichen Wärme ein Kopftuch. „Wir verarbeiten heute rund 40 Kilogramm Mehl, das ist Arbeit am Akkord, aber es macht sehr viel Spaß.“ Freude pur gab es auch bei den Kindern. Mit dem „Circus Schnick-Schnack“, Mal-Aktionen und Rodeo auf einer Janosch-Tigerente kamen auch die Kleinen auf ihre Kosten. Zudem stellten Herner Künstler Aquarelle, Zeichnungen und Fotos aus. Das zauberhafte Ambiente im Innenbereich des im 16. und 17. Jahrhundert entstandenen Schlosses lernten vor allem neue Besucher kennen, die sich bei jazzigen Klängen der Herner Musikschule entspannten.