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So ernst und doch so fröhlich

17.04.2008 | 19:46 Uhr

"Zabibi und Muzalifa" erhalten in den Flottmann-Hallen tosenden Applaus

WAZ-KRITIKZabibi und Muzalifa lernen sich in einem Flüchtlingslager in Pakistan kennen. Zabibi kommt aus Kabul, Muzalifa aus einem kleinen Dorf irgendwo in der afghanischen Wüste. So unterschiedlich ihre Herkunft und ihre Leben bisher waren - die beiden Mädchen haben eins gemeinsam: Sie mussten wegen des Taliban-Regimes Afghanistan verlassen und haben vor und während ihrer Flucht viel Schreckliches erlebt. Beide haben auf tragische Weise die Eltern und ihr Zuhause verloren, obwohl sie kaum 14 Jahre sind. Nur ihre Träume sind ihnen geblieben.

Das neue Stück des Theater Kohlenpott beschäftigt sich mit einem schwierigen Thema und kommt doch so leicht und mitunter fröhlich daher, dass es uneingeschränkt Spaß macht, Janin Roeder (Zabibi) und Adriana Kocijan (Muzalifa) bei ihrem Spiel zuzusehen. Das Premierenpublikum in den Flottmann-Hallen jedenfalls war am Mittwochabend begeistert von der rührenden Geschichte um Freundschaft, Familie, die erste Liebe und die Schrecken eines Krieges. Sie spendeten den beiden Hauptdarstellerinnen und Ahmet Bektas, der sie während des ganzen Stückes auf der Ud, einer Kurzhalslaute, begleitete, lange tosenden Applaus.

Die beiden Essener Schauspielerinnen und das Team vom Theater Kohlenpott hatten es verdient. Mit "Zabibi und Muzalifa" von Bente Jonker hat das Theater Kohlenpott ein wundervolles Jugendstück ausgesucht. Eine rührende Geschichte um zwei Freundinnen, die in ihrem jungen Leben schon so viel erlebt haben, dass die Kurzgeschichte ihrer Leben 70 Minuten Theaterstück füllt.

Ein pädagogisch wertvolles Stück, möchte man sagen. Die Jugendlichen werden davon im ersten Moment kaum etwas merken. Denn wenn Zabibi ihre Liebesgeschichte mit Cousin Ahmed kurz unterbricht, um eine Szene aus "Titanic" im Eiltempo zu spielen, ist das einfach nur witzig. Die Tragik des Ganzen, nämlich, dass Ahmed aus dem Krieg gegen die Taliban später nicht zurückkehrt, wird erst nach längerem Nachdenken bewusst. So schwankt das Stück zwischen Komik und Tragik und wird hoffentlich viele junge Theaterbesucher begeistern und zum Nachdenken bewegen.

Drei der bisher sechs geplanten Schulaufführungen sind jedenfalls ausverkauft.

Von Julia Seifert

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