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Therapie

„Snoezelen-Wagen“ soll in Herne Demenzpatienten helfen

11.02.2016 | 18:03 Uhr
„Snoezelen-Wagen“ soll in Herne Demenzpatienten helfen
Optische Reize und Musik aus dem „Snoezelen-Wagen“ sollen DemenzpatientenFoto: Jürgen Theobald/ FUNKE Foto Services

Herne.  Sehen, schmecken, riechen: Beim „Snoezelen“ werden alle Sinne angesprochen. In Herne ist die Therapie nun Teil eines Pflege-Konzeptes Demenzpatienten.

Patienten mit Demenz sind immer häufiger Gast im Evangelischen Krankenhaus (EvK) in Herne. Damit diesen Menschen der Klinikalltag erleichtert wird, hat das EvK ein besonderes Konzept erarbeitet: Großflächige Hinweisschilder zur Orientierung, spezielle Demenzkost, Schulungen für das gesamte Pflegepersonal und ein „Snoezelen-Wagen“ helfen Betroffenen bereits seit drei Monaten im Klinikleben. Zudem wurde mit einem Betreuungsassistenten eine Stelle geschaffen, die sich individuell um die Bedürfnisse der Patienten kümmert und zur Unterstützung von allen Station angefordert werden kann.

828 desorientierte Patienten hat das EvK im vergangenen Jahr behandelt. Beate Schlüter-Rickert, Pflegedirektorin des Hauses, geht davon aus, dass es in den kommenden Jahren deutlich mehr sein werden. „Eine Demenzstation einzurichten hätte nicht ausgereicht. Deshalb haben wir all unsere Pflegekräfte im gezielten Umgang mit der Erkrankung geschult.“

Außerdem wurden Kleinigkeiten im Klinikalltag verändert: Die Wahl des richtigen Zimmers - nahe am Büro der Pflegekräfte - und weniger Verlegungen kosten das Krankenhaus dabei wenig, farbige Becher, die die Patienten besser wahrnehmen können und der Snoezelen-Wagen nicht viel. Diese Therapieform kommt aus den Niederlanden und setzt sich aus den Begriffen snuffelen - schnüffel und doezelen - dösen zusammen.

Demenzschulungen sollen helfen

Schlüter-Rickert: „Bislang wird diese bei Kindern und Menschen mit Behinderung angewendet. Wir sind die erste Klinik in der Region, die es bei Demenzpatienten einsetzt.“ Aus dem unscheinbaren Büroschreibtisch auf Rädern flackern optische Reize und es erklingt Musik, die der Entspannung dienen soll. Auch Nase und Hände werden beansprucht, durch allerlei Förmchen und Düften, mit denen die Betroffenen interagieren sollen. Das hilft: „Die Menschen sind unruhig, schreien oder sind manchmal überhaupt nicht ansprechbar“, erklärt Kerstin Ponsa aus ihrem Alltag als Betreuungsassistentin. Die Ablenkung hilft den Patienten auch bei Routinemaßnahmen wie etwa Blutabnehmen.

Weil die Zeit der Pflegekräfte im Krankenhaus begrenzt ist, sollen Demenzschulungen helfen, besser mit den Betroffenen umzugehen. „Ein orientierungsloser Patient etwa wird nicht durch Fragen zu seiner aktuellen Situation erreicht. Vielmehr muss durch Fragen zur Vergangenheit eine Vertrauensbasis geschaffen werden“, weiß Daniela Kastilan, Demenzbeauftragte des EvK. Mit diesen Hintergrund-Infos können die Pflegekräfte schnell reagieren - ganz ohne die übrigen Patienten zu vernachlässigen.

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