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Aus der Band-Szene

Sinnlosigkeit gehört zum Konzept

23.02.2010 | 19:03 Uhr

Susanne Blech machen Elektro-Punk mit Nonsens-Texten. Am Freitag (26.) spielt die Band in Marl.

Susanne Blech sind nicht so wie die anderen Bands. Auf der Bühne sind sie zu sechst, im Studio zu zweit. Auf Fotos sind Susanne Blech auf einmal gar keine Band mehr, sondern nur der männliche (!) Künstler Susanne Blech. „Susanne Blech ist eine acht Meter dicke Oberfläche mit nichts dahinter”, definiert Susanne Blech sich selbst. Klingt verwirrend? Auch das sind Susanne Blech.

Der Sänger der Herner Band Susanne Blech, der seinen bürgerlichen Namen nicht verraten will. Foto: privat

Im Gespräch sind Susanne Blech zu zweit. Der umtriebige Herner Produzent und Musiker Sebastian Maier und der Sänger der Band, Pseudonym: Susanne Blech. Ein junger Mann, blonde, kurze Haare, volles Gesicht. Schätzungsweise Ende 20, vielleicht Anfang 30. Seinen bürgerlichen Namen will er nicht preisgeben, Begründung: „Mein bürgerliches Ich hat nichts mit diesem Projekt zu tun, außerdem trägt doch neunzig Prozent der zeitgenössischen Kunst den Titel ‚untitled'.” Als unbenannte, zeitgenössische Kunst begreift der Mann sich und seine Band also, mehr nicht. Fest steht, Susanne Blech machen elektronische Musik mit Punk-Einschlag zu deutschem Sprechgesang. Dumpfe Beats treffen da auf schnelle Rhythmen, Sebastian Maier sorgt für die richtigen Klänge, der namenlose Künstler für Texte und Gesang. Fest steht auch, Susanne Blech nehmen sich selber nicht zu ernst und sind einer der derzeit erfolgreichsten Musikexporte mit Herner Beteiligung.

„Susanne Blech gibt es schon seit zirka 2001”, erinnert sich Sebastian Maier, „den ersten veröffentlichten Song gab es 2003.” Der Produzent und gegenwärtige Jan Delay-Manager Matthias Arfmann bat Maier damals um ein paar (Hör-)Proben seines Schaffens, Susanne Blech gefielen dem Hamburger, prompt landete das Duo Maier/Blech in seinem Hamburger Studio und wenig später mit dem Song „Neuzeit (du gehst auf den Strich und ich darunter zugrunde)” auf einer seiner Veröffentlichungen.

Seitdem hat sich bei der Band nicht viel verändert, schon gar nicht bei Anspruch und Niveau. „Das ist das schlimmste, wenn Bands etwas über die Welt sagen wollen. Dabei gibt es nichts zu sagen”, sagt der Künstler Blech. Diese Geisteshaltung schlug sich auch auf dem 2008 erschienenen Debüt-Album „Deutsche Renaissance - ein Kanon” nieder. „Komm mit uns nach San Francisco, wer von euch hat Bock auf Disco”, wird da mal völlig sinnentleert gefragt, an anderer Stelle wird geschlagene vier Minuten „Nimm den Andi mit, lass den Andi rein” gefordert. Wohin, worein, keiner weiß es. Nicht mal der Texter selbst: „Ich habe keine Ahnung, was das alles bedeutet. Das soll ein riesiges, unlösbares Rätsel sein, auch für mich." Fünf Minuten schreibe er an seinen Texten, grundsätzlich nur unmittelbar vor den Aufnahmen. „Zuhause kann man sich Susanne Blech ja kaum anhören”, gibt sich der Sänger dann auch selbstkritisch.

Das meist textsichere Publikum auf den Konzerten der Band beweist das Gegenteil. Ob in Marburg, Hamburg, Wiesbaden oder Bochum, die Klubs sind voll, spielen Susanne Blech auf. Dass dabei inhaltlich nicht viel rüberkommt, die Zuhörer scheint es nicht zu stören, die Band eh nicht. Denn am Ende wird die perfektionierte Sinnlosigkeit zum Konzept – und so letztendlich auch wieder zum Statement. Blech: „Wir sind 'ne coole Band, mehr nicht.”

Susanne Blech live, am Freitag (26.) in Marl, Info und Hörproben: www.myspace.com/susanneblech

Klas Libuda

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