Señor Koslowski will keine Millionen

Horst Koslowski hat angeblich Millionen geerbt.
Horst Koslowski hat angeblich Millionen geerbt.
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Was wir bereits wissen
Der 76-Jährige Horst Koslowski ist auch ohne angebliches Erbe glücklich. Der Rentner bekam eine dubiose E-Mail eines spanischen Rechtsanwalts.

Herne..  „Mein Mandant war ledig und kinderlos“, schreibt der spanische Rechtsanwalt Edwardo Galvez aus dem sonnigen Marbella. Ein bislang unbekannter Verwandter habe Horst Koslowski sagenhafte 14,255 Millionen Euro hinterlassen. Obwohl der ehrenwerte Anwalt versichert, Koslowski könne die Hälfte des Geldes nach Abzug seines eigenen Anteils behalten und das Vermögen habe „keinen kriminellen Ursprung“, will der 76-Jährige auf die Millionen verzichten: „Was soll ich mit soviel Geld. Das bringt nur Ärger. Das sieht man doch beim Hoeneß“, sagt der Rentner.

Es ist die Nachricht, von der die meisten träumen, der reiche Onkel aus der Amerika oder sonstwo, der ein Riesenkonto, aber keine netten Verwandten hat, die das Geld nach seinem Ableben – sagen wir mal – in Obhut nehmen. „Alle meine Bemühnungen meines verstorbenen Mandanten Peter Koslowski waren erfolglos“, schreibt der Mann aus Marbella. Alles sei einwandfrei, legal, beglaubigt und ohne Komplikationen zu bewältigen, versichert Galvez.

Koslowski wendete sich mit seiner tollen Erb-Geschichte an diese Zeitung, die der Sache auf den Grund ging. „La historia es muy interesante“, schrieben wir dem Anwalt auf Spanisch zurück. Wir würden gerne mehr über das Erbe seines Mandanten Señor Koslowski erfahren.

Die Verbraucherzentrale Herne wird regelmäßig mit solchen Fällen konfrontiert und weiß deshalb aus Erfahrung: „Die wollen in der Regel nur mit persönlichen Daten handeln oder sogenannte Verwaltungsgebühren kassieren“, erläutert die Leiterin der Verbraucherberatung, Veronika Zoller. „Man bekommt ja nur ganz selten etwas geschenkt“, warnt sie. Solche Briefe oder Mails kämen sehr häufig aus Spanien, auch die mit angeblichen Lottogewinnen. Sie seien in der Regel unseriös, weshalb man sie ignorieren sollte.

Horst Koslowski lässt sich nicht verunsichern, tritt sein angebliches Erbe auf gar keinen Fall an. Außer natürlich, er kann sich gar nicht dagegen wehren, dass sich plötzlich soviel Geld auf seinem Konto breit macht. „Aber dann würde ich das Geld meiner Tochter oder meiner Enkelin Lisa-Marie schenken, die würde sich bestimmt freuen“, sagt der Taubenzüchter und ehemalige Werksmeister.

Die Recherche und die E-Mail nach Spanien waren am Ende äußerst erfolgreich. Reich werden durch Recherche, sozusagen. Der ehrenwerte Anwalt aus Marbella schickte eine Mail, die allerdings vermuten lässt, dass seine Kanzlei mit den technischen Komponenten ihrer Erben-Vermittlung nur ansatzweise vertraut ist.

Aber das wollen wir mal nicht so genau nehmen. Auch der Autor bekam von Galvez in der Antwort-mail 14,255 Millionen Euro vererbt, ebenfalls von einem Erbonkel namens Peter. Die Sekretärin hat schon mal den Sekt kalt gestellt.