Selbsthilfezentrum wirbt für sich auf Türkisch

„Selbsthilfe baut Brücken": vli. Dr. Katrin Linthortst, Gürkan Ucan und Gabriele Lau-Lüdke stellen die neuen DVD’s  vor.
„Selbsthilfe baut Brücken": vli. Dr. Katrin Linthortst, Gürkan Ucan und Gabriele Lau-Lüdke stellen die neuen DVD’s vor.
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Das BÜZ produzierte 100 DVDs für Migranten. Einwanderer klagen wegen Einsamkeit und Armut über wachsende psychische Probleme.

Herne..  Arbeitslosigkeit, Armut und Einsamkeit schaffen verstärkt psychische Probleme bei Einwanderern. Das stellte das Bürger-Selbsthilfe-Zentrum (BÜZ) im Wanner Rathaus fest. Selbsthilfegruppen seien neben ärztlicher Behandlung wichtig in diesem Bereich, immer bedeutsamer für Migranten, die vom gesamten Spektrum chronischer Erkrankungen betroffen sind. Das BÜZ wirbt jetzt verstärkt unter dieser Bevölkerungsgruppe, sogar eine DVD auf türkisch soll entsprechenden Migranten zeigen, dass sie im BÜZ und all seinen Ablegern im gesamtem Stadtgebiet willkommen sind.

„Selbsthilfe baut Brücken“ heißt das Projekt, bei dem die DVD in 200-facher Ausfertigung entstand. Bürger türkischer Herkunft können sich jetzt in ihrer Muttersprache sachkundig machen, wenn sie Probleme haben, sehen, welche Beratungsschwerpunkte sich in der Stadt dazu anbieten. Rund 100 Selbsthilfegruppen gibt es in Herne – von der ADHS- bis zur Wachkomagruppe, von Aids- über die Allergie- und Burnout- bis zur Singlegruppe.

„Wir wollen Menschen für die Selbsthilfe sensibilisieren und neue Zielgruppen sensibilisieren“, erläuterte Katrin Linthorst, Leiterin der Abteilung Gesundheitsförderung im Fachbereich Gesundheit der Stadtverwaltung. In der Türkei gebe es keine Selbsthilfegruppen wie in Deutschland, erläuterte Gürkan Ucan vom Kommunalen Integrationszentrum. „Dort tauscht man sich mit Verwandten, Freunden oder in den Moscheegemeinden aus, wenn man Probleme hat.“

Zukunftsängste durch Armut

Ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Selbsthilfegruppe mit Migranten sei die Väter-Gruppe. Hier werden Väter – wissenschaftlich formiert – „in ihren Erziehungskompetenzen gestärkt.“

Einfach gesagt heißt das: „Am vergangenen Wochenende haben wir einen Kanu-Tag auf dem Rhein organisiert. Hierdurch sollte sich das Vater-Kind-Verhältnis verbessern“, erläuterte Ucan.

Dass vor allem die Zahl der Migranten mit Depressionen zunehmen und hier ein ganz besonderer Bedarf an Selbsthilfe herrsche, erläuterte Gabriele Lau-Lüdke vom BÜZ wie folgt: „Da, wo es Mangel gibt, wird das Leben nicht einfacher, dort nehmen die Zukunftsängste zu.“