„Selbsthilfegruppen geben Halt und Mut“

Katrin Linthorst, Leiterin der Abteilung Gesundheitsförderung im städtischen Fachbereich Gesundheit,
Katrin Linthorst, Leiterin der Abteilung Gesundheitsförderung im städtischen Fachbereich Gesundheit,
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Bürger-Selbsthilfe-Zentrum unterstützt sie mit Information, Aufklärung und Beratung, erläutert Katrin Linthorst im Samstagsinterview.

Herne..  Die WAZ wird in den kommenden Wochen in loser Folge Selbsthilfegruppen in Herne vorstellen. Es gibt eine ganze Reihe dieser Einrichtungen, in den meisten Fällen arbeiten sie im Verborgenen. Zum Auftakt sprach WAZ-Mitarbeiterin Heidi Hagemann mit Katrin Linthorst, Leiterin der Abteilung Gesundheitsförderung der Stadt. Die Gesundheits- und Sozialwissenschaftlerin ist seit zwei Jahren für das Bürger-Selbsthilfe-Zentrum (BüZ) verantwortlich.

Was erfordert die Arbeit in einer Selbsthilfegruppe im Allgemeinen?

Katrin Linthorst: Das Arbeiten in einer Selbsthilfegruppe erfordert starkes Engagement, eine hohe Frustrationstoleranz, und man sollte viel Freude bei der Arbeit und im Austausch mit Menschen haben.

Welche Schwierigkeiten oder Frustmomente könnten dabei auftreten?

In einer Selbsthilfegruppe treten gruppendynamische Prozesse auf. Diese rufen auch mögliche Konflikte hervor. Aufgrund der thematischen Problemlage haben die Menschen generell eine hohe Belastung, die zwar verbindet, aber individuell sehr verschieden sein können.

Welche Fähigkeiten sollte man mitbringen, wenn man eine Selbsthilfegruppe gründet?

Man benötigt ein hohes Maß an Selbstorganisation. Zudem befindet man sich in einer verantwortlichen Rolle und sollte also entsprechend kommunikationsgewandt sein. Andererseits muss man sich auch zurücknehmen können. Das hängt von den unterschiedlichen Charakteren in einer Selbsthilfegruppe ab. Es gibt beispielsweise die Vielredner oder solche, die man eher aus der Reserve locken muss.

Wie viele Selbsthilfegruppen gibt es in Herne?

Es gibt etwa 100 Selbsthilfegruppen, die sich mit den Themen Gesundheit, Krankheit, Sucht und Lebenslagen beschäftigen.

Wie sieht denn die Arbeit einer Selbsthilfegruppe ganz konkret aus?

Grundsätzlich steht der positive Mehrwert, der sich durch den Austausch in einer Gruppe ergibt, im Vordergrund. Konkret kann dieser Austausch Halt geben, Mut machen und den eigenen Handlungsspielraum erweitern. Netzwerken ist eine weitere, sehr wichtige Aufgabe. Als verantwortliche Person für eine Gruppe sollte man zudem bürokratische Hürden nehmen können, um zum Beispiel Anträge auszufüllen.

Worin sehen Sie die Aufgaben des Bürger-Selbsthilfe-Zentrums?

Information, Aufklärung und Beratung sind in jeglicher Hinsicht zentrale Aufgaben des Bürger-Selbsthilfe-Zentrums. Zum Beispiel organisatorisch durch ein hohes Maß an Öffentlichkeitsarbeit für die Selbsthilfe als Ganzes, aber auch durch die Unterstützung für einzelne Gruppen. Oder die Vermittlung von Gruppenräumen und das Stellen einer Infrastruktur wie Büro, Computer oder Kopierer. Bei uns sind alle Gruppe in Herne gelistet, so dass wir für alle Herner Bürgerinnen und Bürger Ansprechpartnerin sind.

Welche Aufgaben haben Sie noch?

Außerdem leisten wir Hilfe, durch Konfliktberatung, in Gruppenkrisen etwa. Ganz wichtig: Wir sehen die Aufgabe darin, unsere Gruppen zu stützen und die nötige Infrastruktur zu vermitteln. Hierzu gehört auch der Austausch im monatlich stattfindenden offenen Plenum oder das Angebot spezifischer Fortbildungsmaßnahmen. Ein anderes wichtiges Thema für uns ist die Vernetzung. Das evangelische Krankenhaus Herne beispielsweise ist zertifiziert als selbsthilfefreundliches Krankenhaus, in diesen Prozess sind wir stark involviert. Auch der Austausch mit anderen Akteuren im Gesundheits- und Sozialwesen ist für uns wesentlich.