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Gangsta-Rapper Decino

Sein Revier ist das Revier

13.10.2009 | 18:28 Uhr

Klischees sind natürlich nicht unproblematisch, aber trotzdem: So hätte man sich das Zuhause eines Gangsta-Rappers nicht vorgestellt.

Bickern, eine Zechensiedlung. Im Flur vor seiner Wohnungstür steht – eine rote Plastikpflanze. Decino ist ein guter Gastgeber, bietet Cola und Zigarette an. Nun sitzt dieser Mann mit im Fitness-Studio aufgepumpten Armen und zuweilen bösem Blick in seinem studentisch-schmucklosen Wohnzimmer und sagt Sätze wie: „So einen wie mich gibt's in Deutschland kein zweites Mal.” Oder: „Ich bin der Einzige, der auch danach aussieht, als könnte er jemandem wirklich das Gesicht brechen.”

Info
Snaga, Pillath, Manuellsen und Decino

Snaga (Gladbeck), Pillath (Gelsenkirchen), Manuellsen (Mülheim) und Decino – sie sind die bekanntesten Vertreter des Ruhrpott-Rap. Warum sie dennoch kaum einer kennt? HipHop sei stigmatisiert, sagt Decino.

„Es ist schwierig für mich, bei der breiten Masse anzukommen”, wobei ihn sein selbstgewähltes Image nicht eben zum Sympathieträger prädestiniert. „Die Musik trennt stärker als Religion”, so Decino. Nur vier, fünf Kollegen gebe es, die in TV und Radio gespielt werden. „Weil Bushido oder Sido keine echten Gangsta-Rapper sind. Die machen Popmusik.”

Decino, 29, ist ein Star, ohne von der breiten Öffentlichkeit beachtet zu werden. Ein Rapper, der mit Sido auf Tour war und mit Samy Deluxe Stücke aufgenommen hat. Wenn er, wie er sagt, „McFit geht” oder Aldi, dann wird er von 16-Jährigen erkannt, doch wer nie HipHop hört, kennt auch Decino nicht. Im Winter soll sein neues Album erscheinen. „iPott” wird es heißen und eine Konstante im Leben Decinos fortsetzen: Das Revier ist sein Revier, und das Leben in hiesigen Brennpunkten beschreibt er auch in seinen Texten. Da heißt es dann: „Auch wenn ich viel Geld mache – ich bleib auf dieser Straße – ich liebe sie, auch wenn ich die Welt hasse.”

Oder er singt von seinem eigentlichen Beruf im „Security-Bereich”: „Hast Du ein Problem? Meld Dich, für Geld lös ich es – Schlagen, würgen, hinterm Wagen schlürfen – mein Job, das Leben eines harten Türken”.

Mit 14 fing Decino an, der eigentlich Fuat heißt und in Eickel aufwuchs, Raptexte zu verfassen. Seit 18 arbeitet er als Bodyguard. Millionäre hat er beschützt und Wirtschaftsgrößen, hat in schicken Hotels übernachtet und in ausgezeichneten Restaurants gespeist. „Da bin ich in Bereiche reingekommen, zu denen ich normalerweise gar keinen Zutritt hätte.” Trotzdem, wichtiger waren ihm Jobs bei Sido, Fler und anderen etablierten Rappern. Auf Konzerten lernte er Produzenten kennen, die erkannten Talent und Vermarktbarkeit des Deutsch-Türken. Zusammen mit dem Mülheimer Hip-Hopper Manuellsen drehte er ein Video, da war alles drin: dicke Autos und Machogehabe und viel Geld und natürlich nackte Frauen – wie man's auf MTV zuweilen sieht. Wie viel davon Fuat war und wie viel Decino? Er pflege sein Schläger-Image, das gibt er zu. „Aber ich habe das Video mit meinen Freunden gedreht. Die Leute kenne ich wirklich, die Autos gehören wirklich uns, und die Frauen habe ich wirklich alle . . .”

Obwohl es also gut läuft für Decino, obwohl ihn große Clubs buchen und kleine Jungs Autogramme wollen, trotz all dem wohnt er in einem Bickeraner Mietshaus. Die Musikindustrie kriselt, und der HipHop hat's besonders schwer. Die überwiegend minderjährigen Fans kaufen keine CDs, sie ziehen alles aus dem Internet. Geld ist so nicht zu machen, die Künstler müssen sich anders finanzieren. Durch Konzerte etwa oder den Verkauf von Fan-T-Shirts. Wohl auch deswegen hat Decino schon zwei Tourneen gespielt. Nächstes Jahr wird es wieder eine geben. „Die Bühne und der Applaus sind Suchtfaktoren”, sagt Decino. Sollte er dennoch nie in die allererste Rapper-Liga aufsteigen, es brächte ihn nicht um. „Ich brauche die Musik nicht zum Leben”, sagt er ein wenig trotzig. „Für einen, der aus Wanne-Eickel kommt, habe ich verdammt viel erreicht.”

Jonas Erlenkämper

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Kommentare
14.10.2009
23:49
Blockierter Kommentar.
von | #8

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

14.10.2009
16:48
Sein Revier ist das Revier
von Fiegeplöpp | #7

Schön, und was gibt`s sonst noch ?

14.10.2009
13:37
Sein Revier ist das Revier
von K.L. | #6

Leben und leben lassen ;-).

14.10.2009
12:59
Sein Revier ist das Revier
von Ruhrpott_Pitbull | #5

JA ENDLICH IST ER MAL DRIN!!! WEITER SO!!!

14.10.2009
09:26
Sein Revier ist das Revier
von kugelfisch71 | #4

....auch wenn ich die Welt hasse Oh armer Kleingeist !

14.10.2009
06:52
Sein Revier ist das Revier
von Polizeibulle | #3

Bist Du des Landes letzter Depp
da bleibt Dir nur der Gangsta-Rap

13.10.2009
19:00
Sein Revier ist das Revier
von knutmithut | #2

Und wenn schon ein Bericht über HopHop sein muß, wieso dann nicht über die weitaus bekanntere Ruhrpott AG mit Herrn Karsten Stieneke (Aphroe), einem Herner und zudem Urgestein der HipHop-Szene?

13.10.2009
18:55
Sein Revier ist das Revier
von knutmithut | #1

Ach du Scheiße! Gangsta-Rap!? :D
Abgesehen davon, dass HipHop seit einigen Jahren tot ist, benebeln diese so genannten Gangster-Rapper gerade mal noch die 5.-10.-klässrigen Hauptschüler - und das nicht im Guten!
Unsere Gangsta-Rapper sollten sich mal besser in den USA umschauen, um zu wissen, dass das was sie dort besingen hier nicht mal ansatzweise zutrifft und mehr als realitätsfremd ist.

Schade. Das was Anarchist Academy, Fresh Family und einige andere in den 80ern so schön und tiefgründig begonnen haben, endet letztendlich in der Gosse des künstlerischen Ausdrucks!
Machotum, Fitnesswahn & Sexismus galore!
Nur schade um die kleinen Kids, die den Scheiß auch noch glauben!

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