Sebastian Wolniczak aus Herne hat die „Sonne“ fotografiert

Fotografie-Student Sebastian Roman Wolniczak hat die Kult-Gaststätte „Sonne" in Herne fotografiert. Im Bild die handgefertigte Theke mit Schägel und Eisen  (hinten Mitte).
Fotografie-Student Sebastian Roman Wolniczak hat die Kult-Gaststätte „Sonne" in Herne fotografiert. Im Bild die handgefertigte Theke mit Schägel und Eisen (hinten Mitte).
Foto: Sebastian Roman Wolniczak
Was wir bereits wissen
Der Fotografiestudent und Kneipenmitarbeiter hat sich die letzten vier Monate um eine fotografische Bestandsaufnahme der Szenekneipe gekümmert.

Herne..  Acht Jahre lang jobbt Sebastian Wolniczak (32) schon in der „Sonne“. Lange genug, um jedes Plakat, jeden Aufkleber und jede Postkarte zu kennen, die irgendein Kollege irgendwann mal an die holzvertäfelte Wand der Kneipe gepappt hat. Die wuchtige Theke und die Garderobe mit den vergessenen Schirmen, Tische und Stühle - vertraute Gegenstände, die demnächst verschwinden werden, wenn die Szenekneipe im Februar dicht macht.

Bevor die Container alles schlucken, ist Sebastian Wolniczak in der „Sonne“ noch einmal für vier Monate in Klausur gegangen und hat das Interieur fotografiert, tagsüber und an Ruhetagen. Heraus gekommen ist eine sehenswerte Fotoserie in Schwarz-Weiß, die der Fotografiestudent an der Fachhochschule Dortmund als Semesterarbeit vorlegt. 15 der Aufnahmen werden unter dem Titel „Schlägel, Eisen und Altbierbowle“ schon bei der Abschiedsparty (siehe Kasten) in der „Sonne“ zu sehen sein.

Moden mehrerer Jahrzehnte

„Die rustikale Inneneinrichtung, das gemischte und zum Teil in Mitleidenschaft gezogene Mobiliar zeugen von ihrer langen Benutzung und spiegeln die Moden mehrerer Jahrzehnte wider“, schreibt Sebastian Wolniczak in einem Text zu seiner Arbeit. Er studiert - nach einer Industriemechaniker-Ausbildung und einem abgebrochenen Maschinenbaustudium inzwischen im neunten Semester an der FH. „Irgendwo zwischen Jugendstil, Gelsenkirchener Barock und charmanter Stillosigkeit“, so der Fotograf weiter, berichteten die Dinge von einer Zeit, als die „Sonne“ noch eine Bergarbeiterkneipe namens „Haus Biermann“ war, gleichzeitig hätten die Besucher der letzten Jahre ihre Spuren hinterlassen. Die Welt scheint stehen geblieben zu sein, das suggeriert auch das Schwarz-Weiß, und doch ist etwas passiert.

Letzte Bestandsaufnahme

Seine Fotoserie versteht der gebürtige Herner als „letzte Bestandsaufnahme und Schaffung eines visuellen Gedächtnisses an diesen besonderen Ort, seine Macher und seine Besucher“. Was auf den Bildern wie zufällig aussieht, die Position der Stühle etwa, ist doch mit Bedacht zurechtgerückt. „Das ist ein schmaler Grat“, sagt der Fotograf, „zwischen Inszenierung und die Dinge lassen wie sie sind“. Er hat sich bestimmte Ecken ausgesucht und lässt sie Geschichten erzählen: die Sitzecke, in der sich die ganz jungen Besucher treffen, die Dart-Ecke, den Tisch der Kartenspieler. Sogar die Toiletten hat er aufgenommen, ein Ort, der auch schon bessere Tage gesehen hat... Kurzum: Die abgebildeten Räume sprechen ihre eigene Sprache - Menschen würden da nur stören.

Dass sich das Ende der Kneipe nähert, fühlt sich auch für Sebastian Wolniczak komisch an, zumal damit auch ein Veranstaltungsort verloren geht: „Ich glaube, so einen Laden bekommen wir nie wieder.“

Am kommenden Samstag, 31. Januar, wird in der „Sonne“ an der Shamrockstraße offiziell Abschied gefeiert.

Der „Abgesang auf eine Kneipe“ beginnt um 20 Uhr.

Es spielen Willi Thomczyk und „die Fertigen“. Angekündigt sind außerdem die Musiker Tom und Hans Heiser.

Ralf Piorr, Herner Historiker, lässt die Geschichte der 1977 gegründeten Kultkneipe Revue passieren.

Am Abend zuvor, 30. Januar, 20 Uhr, tritt noch einmal Michael Völkel auf und präsentiert seine neue CD nebst Comic.