Schwere Zeiten für den Stadtsportbund Herne

Der Herner Stadtsportbund – hier eine Veranstaltung im März – muss zurzeit erhebliche finanzielle Lasten stemmen.
Der Herner Stadtsportbund – hier eine Veranstaltung im März – muss zurzeit erhebliche finanzielle Lasten stemmen.
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Was wir bereits wissen
Schwere Zeiten für den Stadtsportbund Herne: Die finanzielle Situation setzt dem Dachverband der Herner Sportvereine arg zu.

Herne..  Ein Signal des Aufbruchs und des Neuanfangs war im Mai 2014 von der Mitgliederversammlung des Herner Stadtsportbundes (SSB) ausgegangen. Ganz anders am Mittwochabend: Der SSB kämpft ums wirtschaftliche Überleben, so die indirekte Botschaft des seit einem Jahr amtierenden Vorsitzenden Hans Peter Karpinski.

Zwar konnte SSB-Finanzvorstand Werner Jedamzik bei der Versammlung im Bürgersaal der Akademie Mont-Cenis für 2014 ein Jahresergebnis von knapp 6000 Euro verkünden. Doch die lange Liste der bereits eingeleiteten Sparmaßnahmen zeigt, wie hoch der finanzielle Druck in dem Dachverband für 190 Herner Sportvereine mit 33 000 Mitgliedern inzwischen geworden ist.

So hat der SSB beispielsweise aus Kostengründen den mit 1000 Euro dotierten Zukunftspreis im Jahr 2014 nicht vergeben. Die hauptamtlichen SSB-Mitarbeiter – drei Voll-, sechs Teilzeitkräfte – mussten auf eine Gehaltsstufe verzichten, die Beiträge für die Mitglieder wurden erhöht. Die SSB-Zeitung „HSI“ erscheint nicht mehr auf Papier, sondern nur noch im Internet. Bei den Portokosten hat der SSB ebenfalls den Rotstift angesetzt. Und: Das Fahrzeug der Geschäftsstelle wurde erheblich „verkleinert“.

Während der Rest der Welt die Schäden durch „Ela“ beklagte, freute sich der SSB darüber, dass der Pfingststurm zur Absage von kostenträchtigen Veranstaltungen und Maßnahmen führte. „Das hat uns Luft verschafft“, gestand Hans Peter Karpinski. Positiv zu Buche schlug auch das neue Instrument „Fördermitgliedschaft“: Fünf Firmen unterstützen den SSB jährlich mit jeweils 1000 Euro.

Der von Werner Jedamzik vorgestellte Wirtschaftsplan für 2015 schließt zwar mit einem positiven Ergebnis von 12 150 Euro ab. Doch bei einzelnen Posten wie zum Beispiel „Sportjugendhaus“ sprach der Finanzvorstand vom „Prinzip Hoffnung“.

Minus beim Bildungswerk

Finanziell schlecht steht es auch um die dem SSB angeschlossene, aber eigenständige Herner Außenstelle des Bildungswerks des Landessportbundes. Rund 10 400 Euro betrug 2014 das Minus. 2013 hatte es bei „nur“ 2500 Euro gelegen. „Es wird nicht besser“, so die Prognose von Heike Büchel, Mitarbeiterin der Weiterbildungseinrichtung. Mehr Kurse könne man aus personellen Gründen aber nicht anbieten. Heißt: „Wir brauchen mehr Teilnehmer in den Kursen“, so Heike Büchels eindringlicher Appell an die Sportvereine.

Bilanz negativ, Resonanz positiv

Hans Peter Karpinski hat auf der Mitgliederversammlung trotz der Finanzprobleme eine überwiegend positive Bilanz seiner bisherigen Amtszeit gezogen. Viele der 2014 von ihm propagierten Ziele seien umgesetzt bzw. auf den Weg gebracht worden. Der SSB habe es geschafft, wieder politikfähig zu werden, so Karpinski. Die Zusammenarbeit mit Stadt und Politik sei sehr gut, was Sportdezernent Karlheinz Friedrichs und Sportausschussvorsitzender Kai Gera in der Akademie bestätigten.

Die Breitensportangebote für Kinder und Senioren seien ausgebaut worden, so Karpinski. Auch das Thema Inklusion stehe im Fokus. Und: Der SSB sei ein verlässlicher Partner für die Vereine, die Strukturen seien transparenter geworden.

Als negativ bewertete der SSB-Chef die Tatsache, dass am Mittwoch zur einzigen Mitgliederversammlung im Jahr 2014 insgesamt nur 82 Mitglieder gekommen waren. Und: Nur 34 von 130 Vereinen waren in der Akademie vertreten. „Das ist nicht das, was man sich vorstellt“, so Karpinski.

Gewählt wurde auch. Hintergrund: Geschäftsführer und Kassierer waren im September nach nur viermonatiger Amtszeit „aus persönlichen Gründen“ zurückgetreten. Der von Vorstand und Beirat des SSB bereits vor acht Monaten gewählte Geschäftsführer Peter Achilles wurde in der Akademie einstimmig bestätigt. Der 2014 nicht mehr angetretene langjährige Schatzmeister Werner Jedamzik erklärte sich bereit, doch noch einmal anzutreten. Er erhielt eine Gegenstimme. Bis zur Neuwahl des Vorstandes in zwei Jahren wolle man einen Nachfolger aufbauen, so Karpinski. Kandidaten gebe es bisher aber nicht.