Schwatzfahrer besetzen Nische zwischen Comedy und Lesebühne

Die Autoren Sabine Bode, Sascha Thamm und Jörg Degenkolb-Degerli (v.l.) im Kleinen Theater, wo „Schwatzfahrer - die LateNightLiveLeseShow" Premiere hatte.
Die Autoren Sabine Bode, Sascha Thamm und Jörg Degenkolb-Degerli (v.l.) im Kleinen Theater, wo „Schwatzfahrer - die LateNightLiveLeseShow" Premiere hatte.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Bochumer Autorin Sabine Bode und der Wuppertaler Bühnenliterat Jörg Degenkolb-Degerli haben ihre LateNightLeseShow in Herne vorgestellt.

Herne..  Das Verkehrsschild „Achtung Straßenbahn“ auf der Bühne des Kleinen Theaters lässt es erahnen, doch erst die Bahnhofsdurchsage macht es deutlich: Der Schwatzfahrer-Zug ist am Freitagabend nun auch in Herne angekommen.

Die Schwatzfahrer – das sind die Bochumer Autorin Sabine Bode und der Wuppertaler Bühnenliterat Jörg Degenkolb-Degerli. Seit über zwei Jahren bespielen sie mit ihrer LateNightLeseShow die Altstadtschmiede in Recklinghausen und den Bochumer Bahnhof Langendreer. „Wir wollen uns einfach breiter aufstellen und ein größeres Publikum ansprechen“, erklärt Bode. Man habe sich für Herne entschieden, da es hier bereits die NachtSchnittchen gibt. „Da dachten wir: hier passen wir rein“, fügt Degenkolb-Degerli hinzu.

Aktuelle Texte

Mit losen Zungen und ein wenig Selbstironie führen sie die 35 anwesenden Zuschauer durch ihre festen Rubriken wie die Presseschau und andere humorvolle und hintersinnige Texte und Gedichte, die alle selbst geschrieben und aktuell sind. So werden Griechenlands neuer Ministerpräsident, das Dschungelcamp oder Pegida auf die Schippe genommen. Witze über den Ruhrpottcharme fehlen ebenfalls nicht.

Da das Duo an jedem Abend neue Texte präsentiert, lernen sie diese nicht auswendig, sondern lesen sie vom Blatt ab. Trotzdem bleibt viel Platz für Improvisationen und auch das Publikum wird mit einbezogen. So wird beispielsweise der VIP-Zuschauer gekürt und mit Kissen und Naschereien versorgt.

Apropos lesen: Neben den Gastgebern gehört immer auch ein Gast dazu, in diesem Fall Sascha Thamm, der den NDR Comedypreis gewonnen hat und aus seinem Roman „Dynamitfischen in Venedig“ vorliest. Er ist zum dritten Mal Teil der Show und kurzfristig für den verhinderten Björn Jung eingesprungen. Lediglich mit seinem Buch stellt Thamm sich auf die Bühne und nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise durch seine Gedanken, in denen es um vermeintlich harmlose Dinge wie Talsperren, Spechtmasken oder Ostseeimpressionen geht.

Spontan und verdammt witzig – so lässt sich der Abend wohl am besten beschreiben, denn so wirklich einordnen lässt sich die Show nicht.

Den Zuschauern scheint die Mischung aus Poetry Slam, Lesebühne, Comedy und Improtheater aber gefallen zu haben, denn Lachen und Applaus erfüllten das kleine Theater, als sich Bode, Thamm und Degenkolb-Degerli verabschiedeten. Kein Wunder, dass ihr Fazit positiv ausfällt. „Die Leute kannten uns nicht, aber sie haben wirklich gut mitgemacht und unsere Show angenommen“, so Sabine Bode. „Mir hat insbesondere die Atmosphäre gefallen. Es war gemütlich und lauschig“, findet Thamm. Und Degenkolb-Degerli ergänzt: „Herne wird uns wohl nicht zum letzten Mal gesehen haben“.