Schwächt Umweltschutz die Bilanzen?

Die Freifläche „An der Linde“ in Sodingen ist seit Jahren Zankapfel der politischen Parteien der Stadt. Die Grünen befürchten, dass die Grünfläche bebaut wird. Oberbürgermeisterkandidat Frank Dudda (SPD) hingegen macht geltend, dass eine Umwandlung in ein Naturschutzgebiet die städtischen Bilanzen belasten würde. Wir holten eine Einschätzung bei Eberhard Kanski ein. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler NRW.

1 Herr Kanski, kann eine Fläche nicht umgewandelt werden, ohne die Bilanz zu beeinträchtigen?

Eberhard Kanski: Seit dem NKF, dem Neuen Kommunalen Finanzmanagent, müssen alle Flächen und ihr Wert in der Bilanz der Kommunen auftauchen. Wird Bauerwartungsland in ein Schutzgebiet umgewandelt, ist der wirtschaftliche Nutzen der Fläche ja eher gering, diese damit auch weniger wert.

2 Dann kann man also aus rein bilanztechnischen Gründen keine Naturschutzflächen mehr schaffen?

Es gibt ja auch die Sichtweise: Was ist uns Umweltschutz wert und was lassen wir ihn uns kosten?

3 Das geht aber nur bei Städten, die nicht am Hungertuch nagen.

Genau. In Herne würde die Bezirksregierung Arnsberg als Kommunalaufsicht angesichts der schlechten finanziellen Situation sicher nicht mitspielen.