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Schulnoten sind für Personalchefs in Herne nicht so wichtig

17.02.2016 | 08:00 Uhr
Schulnoten sind für Personalchefs in Herne nicht so wichtig
Zu den Nachhilfeinstituten kommen längst nicht mehr nur die schlechten Schüler, um ihre Leistungen zu verbessern.Foto: Franz Luthe

Herne.   Immer häufiger gehen gute Schüler zur Nachhilfe, um bessere Noten zu bekommen. Doch für Herner Unternehmen sind Schulnoten nicht alleine entscheidend.

Nachhilfe ist längst nicht mehr nur das letzte Mittel vor dem Sitzenbleiben. Mehr als jeder dritte Nachhilfeschüler in Deutschland hat Schulnoten zwischen „sehr gut“ und „befriedigend“, besagte erst kürzlich eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Eine ähnliche Erfahrung machen auch die hiesigen Nachhilfeinstitute.

So berichtet Rudi Kraus, Inhaber von Nachhilfe im Studienkreis Herne an der Bahnhofstraße, dass im vergangenen Jahr eine Schülerin dank des Nachhilfeunterrichts auf eine Abiturnote von 1,0 gekommen sei. Dabei wird das Streben nach immer besseren Noten von vielen Personalabteilungen gar nicht befürwortet.

Tutorium statt Nachhilfe

„Wir haben relativ viele Schüler, die ihre Leistungen stabilisieren wollen und durchaus auch Einser als Ziel haben“, berichtet Rudi Kraus, der seit 20 Jahren als Nachhilfelehrer arbeitet. Rund ein Drittel der Schülerinnen und Schüler, die zu ihm an die Bahnhofstraße kommen, lägen mit ihren Noten im Dreier-Bereich oder besser. In solchen Fällen sieht er die gemeinsamen 90 Minuten in Gruppen von drei bis fünf Schülern aber eher als Tutorium denn als Nachhilfe. Manchmal könne ja fast er selbst noch was von den Schülern lernen, sagt er mit einem Lachen.

Der Begriff Nachhilfe sei zu Unrecht negativ behaftet. Die guten Schüler kämen meist freiwillig ein- bis zweimal in der Woche, die Eltern seien nicht die typischen ehrgeizigen, die ihre Kinder drillen, meint Kraus. Der Kostenpunkt bleibt der gleiche: 138 Euro pro Monat in der Gruppe, Einzelunterricht ist deutlich teurer.

Schlechte Note kein Ausschlusskriterium

Dabei ist den Personalchefs häufig die Persönlichkeit viel wichtiger. „Die Durchschnittsnote ist bei der Stadt Herne kein Ausschlusskriterium“, erklärt Stadtsprecher Horst Martens. Beim Auswahlverfahren könne jeder teilnehmen. Bei den Zeugnissen werde vor allem auf die Noten der so genannten Hauptfächer wie Deutsch geachtet. „Gute Noten können sicherlich helfen“, so Martens, „aber schlechte Noten sind kein Ausschlusskriterium.“

Ähnlich hält es die Herner Sparkasse. Bei der Vorauswahl achte die Sparkasse „selbstverständlich auch auf die Schulnoten“, sagt Sprecher Jörg Velling, „allerdings stellt das Kreditinstitut nicht ausschließlich nach Noten ein.“ Die gesamte Schullaufbahn werde betrachtet sowie der persönliche Eindruck im Vorstellungsgespräch zu Rate gezogen. Hier zähle vor allem die soziale Kompetenz, also die Kommunikationsstärke, Teamfähigkeit und die Motivation für den Beruf.

Erst die Schulnoten, später die Referenzen

Als „ein erstes Auswahlkriterium bei der Vorauswahl“, ordnet Brunhild Schmalz, Prokuristin der Evangelischen Krankenhausgemeinschaft Herne/Castrop-Rauxel, die Schulnoten ein – vor allem bei Auszubildenden, die noch keine anderen Referenzen vorzuweisen haben. Darüber hinaus interessierten die Gründe für die Ausbildung sowie das Engagement außerhalb der Schule und der persönliche Eindruck im Vorstellungsgespräch. Der Einfluss der Schulnoten nehme mit zunehmender Berufserfahrung ab, sagt auch Michael Röttger, der die Gesamtleitung Personalwesen bei der St. Elisabeth-Gruppe inne hat. „Besonders gute Schulnoten sind nicht immer ein Hinweis darauf, dass ein Bewerber sich für eine Stelle besonders gut eignet.“

Ehrgeizige Eltern erlebt Nicole Kwasny von der Schülerhilfe an der Gerichtstraße in Wanne-Eickel dennoch zunehmend auch bei kleinen Kindern. „Es kommen vermehrt Grundschüler hierhin“, berichtet sie. „Ab der zweiten Klasse geht es mit der Nachhilfe los.“ Häufig seien die Eltern der deutschen Sprache nicht mächtig und könnten deshalb den Kindern nicht helfen. Es gebe aber auch immer wieder Eltern, die mit Druck daran gehen, damit ihre Kinder eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen, so ihre Erfahrung.

Der Mensch zählt

Zu ehrgeizige Eltern sind Wolfgang Köster, Personalchef bei der Firma Schwing, ein Graus. „Ich halte nichts von dieser Bestenauswahl“, sagt er. „Die Noten sagen nicht viel aus.“ Eltern sollten doch zufrieden sein, wenn ihr Kind eine Drei hat, sagt er. Ein Schulabschluss sei wichtig, ja, aber ansonsten zähle für ihn bei der Einstellung vor allem der Mensch, der dahinter steckt. Und er geht sogar noch einen Schritt weiter: „Einser-Schüler haben bei uns keinerlei Vorteile“, sagt der Personalchef. „Wir können ja nicht nur Häuptlinge gebrauchen, sondern Leute, die anpacken können.“

Kathrin Meinke

Kommentare
18.02.2016
12:35
Schulnoten sind für Personalchefs in Herne nicht so wichtig
von OmarSouleyman | #3

Noten sind praktisch nichtssagend, aber wenn die Noten nicht stimmen wird man nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen.

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2016-02-17 08:00
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