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Schriftstellerin aus Herne schrieb Gedichtband mit Todeskandidaten

26.03.2013 | 15:34 Uhr
Schriftstellerin aus Herne schrieb Gedichtband mit Todeskandidaten
Gemeinsam mit Eric Cathey, der in Texas/USA in einer Todeszelle einsitzt, hat die Herner Autorin Astrid Pfister einen Gedichtband herausgegeben: „The Seven Chambers of our Expressions“Foto: Thomas Schild

Herne.   Die Herner Schriftstellerin Astrid Pfister veröffentlichte mit dem texanischen Todeskandidaten Eric Cathey einen Gedichtband: „The Seven Chambers of our Expressions". Cathey soll Anführer einer Gang gewesen sein, die eine Frau erschoss. Die Erlöse aus dem Buch sollen in einen Hilfsfonds für den Verurteilten fließen.

„Der Briefkontakt kam durch eine deutsche Initiative gegen die Todesstrafe zustande“, erklärt Astrid Pfister (32), Autorin elf veröffentlichter Kinder- und Horrorromane und mehrerer Kurzgeschichten. Im Laufe der Korrespondenz vertraute Cathey – in einem Ghetto aufgewachsen und aus ärmlichen Verhältnissen stammend – Pfister seinen Wunsch zu Schreiben an. „Er schrieb, dass er schon immer davon geträumt habe, sein eigenes veröffentlichtes Buch in Händen zu halten“, sagt Pfister. So entstand in einem halben Jahr das Buch „The Seven Chambers of our Expressions“.

Seit 17 Jahren in der Todeszelle

Cathey ist 41 Jahre alt und sitzt seit 17 Jahren in der Todeszelle. Ihm wird vorgeworfen, der Anführer einer Gang gewesen zu sein, die eine Frau erschoss. Cathey besteht auf seine Unschuld. Im Laufe des Prozesses starb seine Mutter, seine Frau und seine Kinder brachen den Kontakt ab. „Die Häftlinge haben keinen Internetzugang, keinen Fernseher und sind 23 Stunden täglich eingesperrt“, erklärt Pfister, „also schreibt man und sucht sich Brieffreunde.“ Gerade in Texas seien die Auflagen sehr streng.

„Vier bis sechs Wochen im Voraus wird den Häftlingen ihr Todesdatum mitgeteilt“, sagt Pfister, „Eric hat auf diese Weise schon viele Freunde verloren und lebt in dem Bewusstsein, das es beim nächsten Mal ihn treffen kann.“ 2008 war bereits eine Hinrichtung für Eric Cathey angesetzt, die kurz vor der Vollstreckung aufgeschoben wurde. „Es gibt einen Hilfsfonds für Cathey, auch die Erlöse des Buchs sollen da hinein fließen.“ Von dem Geld soll ein Anwalt für Cathey bezahlt werden.

Die Zeit läuft

„Das Buch hat sieben Kapitel“, sagt Pfister. Eines behandelt zum Beispiel die Kindheit im Ghetto, eines die Liebe, den Verlust der Liebe, Glauben und eines natürlich die Todesstrafe. Der Gedichtband enthält auch Zeichnungen von Eric Cathey. Pfister selbst steuerte Gedichte zu allen Kapiteln bis auf das über die Kindheit im Ghetto „Streetflavour“ – (Straßengeschmack) – bei.

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„Es war ungewohnt, in Gedichtform und dann auch noch auf Englisch, aber Cathey bat mich darum“, so Pfister. Der deutsche Verlag unterstützte sie und gab Rabatte, die Illustratorin – Rosalinde Dombach – gestaltete das Cover kostenlos. In den USA wollte man von Gedichten eines Todeskandidaten nichts wissen. Cathey sei sehr aufgeregt, er würde am liebsten noch ein Buch veröffentlichen, ein Roman über die Todesstrafe, aber: „Es bleibt nicht mehr viel Zeit“, sagt Pfister.

Das Buch „The seven chambers of our expression“ ist 142 Seiten stark. Es ist – unter anderem bei Amazon oder beim Verlag „Hary Productions“ – für 7,95 Euro erhältlich. Als Ebook kostet es drei bis vier Euro.

Weitere Informationen zur Autorin Astrid Pfister und ihren Romanen gibt es im Internet unter www.astridpfister.eu.

Henrike Pinkal


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