„Schocktherapie hat nie viel gebracht“

Die Europäische Union möchte den Alkoholmissbrauch bekämpfen. Deshalb plant sie, einen Mindestpreis für Alkohol einzuführen, das Mindestalter für Alkoholkonsum auf 18 Jahre anzuheben und Warnhinweise auf Flaschen zu drucken. Wolfgang Hammelmann von der Suchtberatungsstelle der Diakonie ist skeptisch, ob diese Maßnahmen in die richtige Richtung führen.

1 Ist der Mindestpreis bei Alkohol eine gute Idee?

Ich halte langfristige Konzepte für deutlich sinnvoller. Außerdem ist es fraglich, ob es ein Zusammenhang zwischen Alkoholmissbrauch und günstigen Preisen gibt. Und bei Suchtkranken würden Preiserhöhungen sogar noch in die Verelendung führen. Die brauchen ja ihren Stoff.

2 Was denken Sie über Warnhinweise auf Flaschen?

Das ist im Prinzip das gleiche Problem. Wenn solche Warnhinweise Teil einer Gesamtaussage oder eines großen Projektes wären, dann wäre das vielleicht noch sinnvoll. Aber als einzelne Maßnahme macht das einfach keinen Sinn. Schocktherapien haben doch noch nie etwas gebracht. Das war beim Rauchen ganz genau so.

3 Welche Maßnahmen würden Sie für sinnvoller halten?

Ich denke, dass sich die Gesellschaft insgesamt ändern müsste. Das ist ein Prozess des Umdenkens, der bei uns stattfinden muss. Eine Idee wäre, dass es auf Firmen- oder Kindergartenfesten nicht sofort ausschließlich Alkohol geben muss. Das geht doch auch ohne!