Schnelles Internet kommt langsam

Die Breitband-Avantgarde aus Holthauasen: v.li.: Thomas Paulat, Thomas Hartmann, Harald Beisemann und Dr. Frank Steiner.
Die Breitband-Avantgarde aus Holthauasen: v.li.: Thomas Paulat, Thomas Hartmann, Harald Beisemann und Dr. Frank Steiner.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Harald Beisemann hat jetzt laut Telekom einen Anschluss mit 100 Megabit.Doch er selbst misst oft eine weitaus geringere Geschwindigkeit.

Herne..  Die vier Herren zählen sich eher zu den Skeptikern, und sie werden es wohl immer bleiben. Aber auch Skeptikern kann man bisweilen ein wohlwollendes Wörtchen entlocken. Und so ist das Quartett aus Holthausen derzeit – sagen wir mal – nicht unzufrieden. Das Internet wird schneller auf dem Lande, wenn es auch – selbverständlich – noch zügiger gehen könnte.

Zumindest offiziell kann Harald Beisemann seit vorgestern blitzschnell surfen und Daten transportieren. 100 Megabit hat er bei der Telekom gebucht, die derzeit ganz Herne und demnächst auch Wanne-Eickel mit Glasfaserkabeln ausrüstet und die Kommune damit zu den schnellsten in Deutschland macht, wohl gemerkt, was die Übertragung von Daten anbelangt. Ansonsten stufen die Herren aus Holthausen die Stadt eher als langsam ein, der ehemalige Kinderarzt Frank Steiner bezeichnet die Verwaltung sogar als „lahmarschig“ und unterschreitet damit bewusst das Sprachniveau seiner mit einem Doktortitel gewürdigten akademischen Ausbildung. Es habe ein jahrelanges Hickhack zwischen Telekom und Verwaltung gegeben, was die Ausstattung der exponierteren Regionen Hernes mit akzeptablen Anschlüssen anbelange. Während Steiner, Thomas Paulat und Thomas Hartmann immer noch auf steinzeitlichen Wegen durchs Internet holpern (Paulat: „Ich komme nur auf sechs Megabit“), freut sich Beisemann über sagenhafte 48 Megabit, allerdings nur verhalten, denn: „Ich habe bei der Telekom 100 Megabit gebucht und zahle deshalb fünf Euro mehr im Monat.“ Der Rentner fühlt sich zudem vom Kommunikations-Konzern veräppelt, der immer wieder behaupte, Beisemann sei mit 96 M/bit dabei. Beisemann misst die Geschwindigkeit aber regelmäßig selbst und kommt dabei nur auf Werte zwischen 26 und 48 M/bit. Manchmal ist sein Anschlus allerdings auch superschnell.

Darüber würden sich auch seine Holthauser Breitband-Mitstreiter freuen, Thomas Hartmann beispielsweise, der laut Telekom im Februar „endlich“ – einen VDSL 100-Anschluss, also Glasfaser, bekommen soll mit rein theoretisch 100 M/bit. Bilder verschicken, geschweige denn Musikdateien oder Videos, ist derzeit mit maximal 6 M/bit ein einschläferndes Unterfangen. Aber das Streamen von TV-Sendungen wird zurzeit in Holthausen, Horsthausen und Sodingen-Süd erheblich schneller, weil hier durch das Breitbandnetz von ganz langsam auf ganz schnell umgeschaltet wird.

Zwei Wochen ohne Anschluss

Dazu muss ein neuer Router installiert werden, was Skeptiker Steinert natürlich mit Skepsis betrachtet: „Ich habe früher schon einmal eine Umstellung versucht. Da konnte ich zwei Wochen lang nicht telefonieren. Das war nicht schön – in einer Kinderarztpraxis.“