Schlagzeugschule und Bands sind in Herner Bunker zu Hause

Thomas Fräntzki geht  durch einen Flur im Bunker an der Herner Schulstraße.
Thomas Fräntzki geht durch einen Flur im Bunker an der Herner Schulstraße.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Bochumer Christian Greve hat den Bunker an der Schulstraße 77 im Jahr 2013 gekauft und bei der Renovierung mitgewirkt - aus „Spaß am Werkeln“.

Herne..  Als Christian Greve den Bunker an der Schulstraße vor zwei Jahren kaufte, war ihm klar, dass Arbeit auf ihn wartete. Als Möbellager hatte der 1942 gebaute Hochbunker nach dem Krieg gedient und als Elektrolager. Der neue Besitzer wollte Proberäume für Bands einrichten. Doch Christian Greve (35), von Beruf Orthopäde, hatte sich verschätzt. 40 Container statt der erwarteten zehn wurden voll. „Teilweise war Müll hinter zugemauerten Wänden stehen gelassen worden“, erinnert sich Greve. Kühlschränke, Herde, Möbel, Teppichboden, Bauschutt .... immer mehr Müll fand sich im Inneren des 30 Meter langen, 20 Meter breiten und zwölf Meter hohen Bunkers.

Helle Gänge, saubere Toiletten

Wer ihn heute betritt, ist geblendet vom Weiß der Wände. Keine Spur von Dreck in den langen Fluren, von denen Türen abgehen in die Räume. Die Kelleretage ist bereits fertig. Um die Toiletten würde manche Schule die Mieter beneiden. Einer von ihnen ist Thomas Fräntzki (38), Schlagzeuger aus Bochum bei Godex und anderen Bands. K 4 steht an seiner Tür im Keller. Hier unterrichtet er. „Tommy’s Drum School“, das sind graue Dämmmatten an den Wänden, Teppichboden und auf dem Tisch Kaffee und Schokoriegel. An einem der beiden Schlagzeuge sitzt Ulrike Bergmann, eine Schülerin, die mit Fräntzki seit Februar den 27 Quadratmeter großen Raum mietet, in dem ein Heizlüfter angenehme Wärme verbreitet. 180 Euro zahlen sie.

Ein paar Bands sind schon heimisch geworden im Bunker, einige teilen sich einen Proberaum. Hin und wieder läuft jemand Thomas Fräntzki über den Weg. „Dann tauscht man sich aus“, sagt er, aber „jede Band ist für sich.“ Fräntzki ist es ganz recht, dass es nicht so viele Nachbarn gibt: „Vom Geräuschpegel ist das angenehm.“ Gegenüber seinem früheren Raum im Bunker Overwegstraße habe er sich deutlich verbessert. Ihm gefällt nicht nur die zentralen Lage zwischen Schulstraße, Hermann-Löns-Straße und Eisenbahngleisen:„Hier ist es sauber, auch die sanitären Einrichtungen. Es gibt sogar eine Putzfrau.“

Auch Ulrike Bergmann (62), Herner Architektin, fühlt sich wohl im Bunker. Sie nahm mit Fräntzki Kontakt auf, nachdem sie im Supermarkt einen Aushang entdeckte hatte. Seit September nimmt sie nun Unterricht und ist glücklich damit. Was sie sich noch wünschen würde: „ein Café oder Bistro als Anbau“.

Was erin den Bunker investiert hat, sagt dessen Eigentümer Christian Greve nicht. Allein der Einbau der Lüftungsanlage habe 40 000 Euro gekostet, verrät er dann doch. Elektrik, Brandschutz, Türen, Toiletten und alles andere nicht gerechnet. Er habe gute Kontakte zur Herner Musikszene, erklärt Greve, der in Bochum lebt, sein Engagement, das nicht primär auf Profit ausgerichtet sei. Einer seiner Freunde habe schon mehrere Bunker „hochgezogen“. Was ihn antreibt, nennt er „Bastelleidenschaft“. Er habe Spaß daran, im Bunker „ein bisschen rumzuwerkeln“.

Kontakt zum Bunker: info@kig-herne.de. Kontakt zur Schlagzeugschule: www.tommys-drum-school.de.

Der Bunker an der Schulstraße 77 gehörte früher der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

Noch 2012 hatte diese einen Architektenwettbewerb für den Bunker ausgelobt.

Der Preisträger hatte ein Haus für Jung und Alt entworfen, der Zweitplatzierte eine Öffnung des Bunkers für Kino, Kultur und Café.