Sascha Regmann aus Herne rettet tausende Tiere

Sascha Regmann in seinem Büro. Der Tierschützer lebt und arbeitet an der Straße „Kray“ – mit herrlichem Blick aufs freie Feld.
Sascha Regmann in seinem Büro. Der Tierschützer lebt und arbeitet an der Straße „Kray“ – mit herrlichem Blick aufs freie Feld.
Foto: Ralph Bodemer / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Herner Sascha Regmann ist Tierschützer. Wann immer ein Frachter sinkt und das Meer mit Öl verseucht, kümmert er sich um verschmierte Vögel.

Herne.. Die junge Taube hatte keine Chance. Das Tier saß auf einem Feld, als der Bauer auf seinem Trecker vorbeifuhr und sie mit einem Schwall Gülle vollspritzte. Für die Taube hätte das den sicheren Tod bedeutet: Die Gülle verklebt das Gefieder, verhärtet, zieht eierlegende Fliegen an – am Ende wäre der Vogel bei lebendigem Leib von Maden zerfressen worden. Wenn, ja wenn sich nicht Sascha Regmann um das Tier kümmern würde. Er hat es fachmännisch gereinigt, nun erholt es sich in einer Voliere in Regmanns Garten. In einigen Tagen wird er die Taube freilassen können.

Der 44-Jährige hat schon Tausenden Vögeln das Leben gerettet. Hat, zum Beispiel, von Windrädern verstümmelte Tiere zuhause in Holthausen aufgepäppelt. Vor allem aber kämpft er seit über 15 Jahren für Wildtiere an den europäischen Küsten. In der WAZ spricht er über. .

. . .seine Anfänge als Tierretter

1998 lief vor Amrum das Frachtschiff „Pallas“ auf Grund, Hunderte Tonnen Öl sickerten ins Meer. Regmann, damals Mittzwanziger, machte sich mit einigen Mitstreitern auf den Weg an die Nordsee, wollte den Strand mit der Schüppe vom Öl befreien. Doch die norddeutschen Hilfskräfte brauchten keine Unterstützung, sie zeigten stattdessen auf die verschmierten Vögel, die sich an Land geschleppt hatten: „Wenn ihr helfen wollt, kümmert euch um die.“ So fing es an, zwei Jahre später gründete Regmann das Project Blue Sea, einen Verein, der bei Politikern wie Journalisten anerkannt ist für seine Expertise über Meeresschutz. Wann immer irgendwo in Europa ein Schiff havariert, reisen die Vereinsmitglieder an, um zu helfen. „Am Anfang konnten wir 30 Prozent der Tiere retten. Heute sind es 80 bis 90 Prozent“, so Regmann.

. . .gefühllose Umweltschützer

Verschmierten Tieren das Leben zu retten – was nobel klingt, ist durchaus umstritten. Viele große Naturschutz-Organisationen lehnen Säuberungen ab, das aufgewendete Geld solle lieber in nachhaltigere Maßnahmen gesteckt werden. Eine Haltung, mit der Regmann nichts anfangen kann: „Bei einer Ölpest sind wir Menschen schuld, dass die Tiere in Not geraten. Also haben wir auch die Verantwortung, ihnen zu helfen.“ Mit „Gefühlsduselei“, die ihm immer wieder unterstellt werde, habe das nichts zu tun. „Die Säuberung ist eine tierärztliche Aufgabe. Tiere, die keine Überlebenschance haben, euthanasieren wir. Auch das kann für das Tier eine Hilfe sein.“

. . .den Preis, den er zahlt

Regmann führt ein Leben auf Abruf, er wartet auf die nächste Katastrophe. Durch Spendengelder deckt sein Verein gerade mal die Kosten, „man guckt von Monat zu Monat“. Der gelernte Radio- und Fernmeldetechniker arbeitet nebenher als Hausmeister im Kindergarten, ihm geht es nicht um Karriere. Er weiß aber: „Wenn meine Frau nicht Vollzeit arbeiten würde, könnte ich mir das Engagement nicht erlauben.“