Ruhrpott-Romantik im Herner Drachenboot

Gregor Slembek (r.) erklärt, wie der Drachenkopf am Boot
Gregor Slembek (r.) erklärt, wie der Drachenkopf am Boot
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Canu-Touring-Wanne e.V. bietet während der Ferien Schnupperkurse an. WAZ-Reporterin Laura Konieczny war dabei.

Herne..  Kennen Sie den Unterschied zwischen Kajak, Kanadier und Drachenboot? Ich kannte ihn nicht, bin sogar bei meiner letzten Expedition mit dem Schlauchboot im Kanal beinahe gekentert. Gut für mich, dass die Mitglieder und Trainer des Canu-Touring-Wanne (CTW) gut gelaunt sind, als ich zum Selbstversuch im Drachenboot antrete.

Als ich am Bootshaus an der Hertener Straße ankomme, werde ich herzlich begrüßt. Der Teamgeist der Kanuten ist spürbar groß, ich fühle mich gleich als Teil der Gruppe. Gregor Slembek, Sportwart des Vereins, nimmt drei weitere Neulinge und mich unter seine Fittiche. Nachdem wir mit Schwimmwesten und Paddeln - etwa brusthoch sollten sie sein - ausgestattet sind, weist er uns ein: Der innere Arm soll gestreckt und der Knauf über dem Kopf sein. Die äußere Hand sollen wir möglichst nah am Paddelblatt platzieren. Ein paar Trockenübungen später beschließt Gregor: „Den Rest lernt ihr dann im Boot.“

Gold-glitzerndes Boot

Steuerfrau Ines Slembeck ruft uns just in diesem Moment zum Boot. Alle packen mit an, um den langen Kahn ins Wasser zu tragen. Zur Feier des Pressebesuchs darf ich helfen, den goldenen Drachenkopf und Schwanz anzubringen. „Sonst fahren wir im Training immer ohne Deko“, erklärt mir Ines. Mit Glitzerteilen vorn und hinten macht das Boot ganz schön was her.

Ines weist jedem einen Sitzplatz zu, „damit wir gut austariert sind und nicht umkippen“. Einsteigen - und los geht die Fahrt. „Paddel voraus, Attention, Go!“, lautet das Kommando. „Eins, zwei, drei“, gibt Ines mit einer ungewohnt rauchigen Stimme den Schlagtakt an, die mich an alte Seemannsfilme erinnert. Die Paddler in der ersten Reihe geben den Schlag an, alle anderen passen sich ihnen an. Mehr Harmonie und Teamwork sind kaum möglich.

Auf der Bank hinter mir sitzt ein geistig behinderter junger Mann. Er schlägt sich wacker, ist nach dem Training stolz wie Bolle. „Wir machen aus Inklusion und Integration keine große Sache“, erklärt mir Gregor später. „Jeder wird seinen Stärken und Schwächen entsprechend im Boot eingesetzt und darf mitmachen. Deshalb sind wir ein Familienverein. Punkt.“

Weil jeder mitmachen darf, hat jeder Spaß. Die Stimmung im Drachenboot ist gut, doch diszipliniert. In den Schlagpausen reißt der 62-jährige Gernold einen Witz nach dem anderen. Während Steuerfrau Ines zählt, herrscht wieder konzentrierte Stille. Die Sonne spiegelt sich im Wasser.

Planschen inklusive

Wir fahren vorbei an der im Abendrot beinahe romantisch anmutenden Industriekulisse Wanne-Eickels. Ich kann nicht anders, als während des Paddelns selig zu lächeln. So kitschig kann Sport sein. Nach dem Training - gemeinsames Aufräumen inklusive - geht das Drachenbootteam gemeinsam planschen im Kanal.

Während die Sonne hinter den Halden langsam untergeht, lerne ich den Unterschied zwischen den verschiedenen Bootstypen kennen: Kanu ist der Überbegriff für Paddelboote. Ein Kajak ist geschlossen, ein Kanadier offen. Im Kajak verwendet man Doppel-, im Kanadier Stechpaddel - ebenso im offenen Drachenboot. Letzteres ist also quasi ein Kanadier für zehn, zwanzig oder mehr Personen. Denn zusammen macht alles gleich doppelt so viel Spaß.

Während der Sommerferien (außer am 27. Juli) können Interessierte mittwochs ab 18 Uhr an einem kostenlosen Schnuppertraining teilnehmen. Treffpunkt: Bootshaus an der Hertener Straße 41a. Voranmeldung unter info@ct-wanne.de.