Rote Hochburg Horsthausen
08.06.2009 | 18:51 Uhr 2009-06-08T18:51:00+0200
Die CDU holt in Eickel-Mitte ihr bestes Ergebnis. Stadt korrigiert Angabe zur Wahlbeteiligung auf 37,4 %.
Computertechnik erleichtert vieles, manchmal aber hilft am Ende doch ein prüfender Blick aufs Papier, um festzustellen, dass nicht hinkommt, was der Computer ausgespuckt hat. So geschehen am Sonntag bei der Europawahl, als die Stadt abends eine Wahlbeteiligung von 34,9 % verkündete. Am Montag musste sich das Wahlamt korrigieren: Die Wahlbeteiligung lag mit 37,4 % doch etwas besser als vor fünf Jahren (36,0 %). Eine Petitesse, die nichts an der Erkenntnis ändert: Nur etwas mehr als jeder dritte Bürger der Emscherstadt mochte für Europa seine Stimme geben.
Laut Rainer Overath, dem Leiter das Fachbereichs Stadtentwicklung, Stadtforschung und Wahlen, ist ein Problem mit der neuen ADV-Erfassung Schuld an der falschen Zahl. Nach einem Systemabsturz habe sich die Berechnung der Wahlbeteiligung „aufgehangen”. „Ich muss mich entschuldigen”, so Overath. Im Folgenden nun ein Ritt durch die Statistik:
Wahlbeteiligung nach Altersgruppen: In 18 von 126 Wahlbezirken hat die Stadt repräsentativ Wahlverhalten nach Altersgruppen erfassen lassen. Dabei zeigt sich, dass die Wahlbeteiligung in der Gruppe der 24- bis 34-Jährigen am niedrigsten war (28,8 %), selbst die Jungwähler (18-24) zeigten mit 31,7 % ein stärkeres Interesse. Die größte Beteiligung zeigte die Altersgruppe ab 59 Jahren (42,6 %).
Ungültige Stimmen: Insgesamt wurden in Herne 621 ungültige Stimmen abgegeben, vor fünf Jahren waren es noch 1266. Der Stimmbezirk mit dem höchsten Anteil ungültiger Stimmen hatte sein Wahllokal im Börniger Urbanus-Haus. Dort waren mehr als 3,5 % der abgegebenen Stimmen ungültig. Der Stimmbezirk mit den wenigsten – gewollten und ungewollten – Pannen lag in Holsterhausen. Es war das Wahllokal in der Overbergschule.
Tops und Flops der Parteien nach Kommunalwahlbezirken: Die SPD (37,7 %) erreichte ihr bestes Ergebnis in Horsthausen (46,3 %), am schlechtesten schnitt sie im Bezirk 20 – Haranni-Gymnasium – ab (29,3 %). Die CDU (28,6 %) hat ihre Hochburg in Eickel-Mitte (35,0 %), in Röhlinghausen kam sie nur auf 22,5 %. Zu den Grünen (9,2 %): Ihre Bestmarke erzielten sie im Bezirk „Siepenstraße” (12,5 %), ihren schlechtesten Wert in Horsthausen (5,3 %). Die FDP (7,6 %) schnitt besonders gut ab rund ums Haranni-Gymnasium, wo sie wie nirgends sonst ein zweistelliges Ergebnis einfuhr (10,6 %). Die Linke (7,4 %) hat dieses auch nur einmal geschafft – und zwar im Bezirk Wanne-Stadtgarten (10,3 %). Die FDP hat ihren magersten Anteil in Unser Fritz (5,6 %), die Linke in Sodingen-Nord (5,5 %). Die Rechtsparteien (Republikaner/DVU; 3,4 %) erzielten ihren größten Anteil in Unser Fritz (5,9 %), am schwächsten waren sie in Holsterhausen-Nord (2,0 %).
Die Briefwähler: 7191 gültige Stimmen ergab die Briefwahl. Am stärksten machten diesmal SPD-Wähler von der Briefwahl Gebrauch (2535), vor fünf Jahren waren es mit deutlichem Abstand noch CDU-Wähler gewesen.
Die kleinen Parteien: Wie berichtet, ist keine der 31 angetretenen Parteien und politischen Vereinigungen in Herne leer ausgegangen. Die Ergebnisse der „Kleinen”: Tierschutzpartei (536 Stimmen/ 1,2 %), Piraten (417/1,0 %), Familie (312/0,7 %), Rentner (291/0,7 %), Rentnerinnen und Rentner Partei RRP (156/0,4 %), Frauen (136/0,3 %), DVU (110/0,3 %), Volksabstimmung (102/0,2 %), 50plus (96/0,2 %), Die Grauen (75/0,2 %), Freie Wähler (73/0,2 %), Partei Bibeltreuer Christen PBC (71/0,2 %), AUF – Partei für Arbeit, Umwelt und Familie (70/0,2 %), Violetten (50/0,1 %), Freie Bürger-Initiative FBI (49/0,1 %), Christliche Mitte (45/0,1 %), Gerechtigkeit braucht Bürgerrechte (45/0,1 %), DKP (41/0,1 %), Ökologisch-Demokratische Partei ödp (40/0,1 %), Aufbruch (26/0,1 %), Bayernpartei (22/0,1 %), Newropeans (17), Partei für Soziale Gleichheit PSG (12), Bürgerrechtsbewegung Solidarität (10), Europa – Demokratie – Esperanto EDE (8).
Die Wahl der 18- bis 24-Jährigen: Junge Herner haben übermäßig stark die Grünen (16,8 %) und die FDP (12,3 %) gewählt, wobei die Grünen eher weibliche, die FDP männliche Wähler angesprochen hat. Auffällig beim Wahlverhalten der jüngsten Wählergruppe: Hier erhielten die Rechtsparteien Republikaner und DVU so viele Stimmen wie in keiner anderen Altersgruppe. 9,1 % der 18- bis 24-jährigen Männer wählten rechts, insgesamt kommen die Rechten in der Altersgruppe auf 7,2 %. Die CDU hat in dieser Gruppe ihr schlechtestes Ergebnis (18,0 %). Stärkste Partei ist – wie in allen Altersgruppen – die SPD (28,4 %).
24- bis 34-Jährige: Für diese Altersgruppe gilt – mit leichten Abweichungen – dasselbe Ergebnis wie für die Jüngeren. Ausnahme: Die Rechten haben bei den 24- bis 34-Jährigen nur noch einen Zuspruch von 4,2 %. Generell gilt: Je älter die Wähler, desto weniger wählen sie Rechtsparteien.
34- bis 44-Jährige: Auch hier schneidet die CDU mit 19,9 % weit unter ihrem Gesamtergebnis ab, das „Mittelalter” hat – weiblich wie männlich – eine auffällig starke Bindung zu den Grünen (15,3 %).
44- bis 59-Jährige: Auch hier sind die Grünen stark (15,9 %), vor allem bei den Frauen (17,0 %). Auch die Linke hat hier ihr stärkstes Wählerpotenzial (10,1 %), vor allem bei männlichen Wählern (12,3 %).
59-Jährige und Ältere: Bei den Menschen im letzten Lebensdrittel kommt die CDU fast auf das Ergebnis der SPD. Nur in dieser Gruppe schneidet die Union überdurchschnittlich ab. Sie bindet 38,2 % dieser Wähler an sich (sogar 40,9 % der Frauen), die SPD auch überdurchschnittliche 39,3 % – ein Zeichen für die Treue dieser Altersgruppe zu den alten Volksparteien. Andere Parteien haben hier weniger Chancen, insbesondere die Grünen liegen mit nur 3,7 % weit unter Schnitt.
Männer und Frauen: Abgesehen von den zuvor beschriebenen Erkenntnissen aus den repräsentativen Stimmbezirken zeigt sich, dass die Linke, die FDP und die Rechten ihre Stimmen in deutlich höherem Anteil von Männern bekommen, während CDU und SPD einen leicht höheren Frauenanteil in ihrer Wählerschaft haben. Nahezu ausgeglichen ist das Geschlechterverhältnis bei den Grünen (10,7 % männlich; 11,8 % weiblich).
Auf zur nächsten Wahl
OB Horst Schiereck dankte gestern den Wahlhelfern und Mitarbeitern der Verwaltung für ihren Einsatz. Er brachte auch seinen Wunsch zum Ausdruck, dass sich aufgrund der anstehenden Kommunal- und Bundestagswahl keine Wahlmüdigkeit breitmachen möge. Neue Wahlhelfer für die Kommunalwahl am 30.8. können sich bereits jetzt melden: HER 16 29 48.
13:41
auch die heute jüngeren werden lter und weiser und dann werden auch sie cdu und spd wählen
10:23
Sach ich doch:
Käffken, Tratsch, Kuchen und Rentner.
Der Wandel in Horsthausen wird sich erst in den nächsten Jahren vollziehen, wenn die Betonköppe dort auf natürliche art weggestorben sind.
20% Türken oder türkischstämmige, 15% sonstige, 65% Rentner
Davon leben dort 95% in ehemaligen Siedlungshäusern von der Zechenanlage Friedrich-der-Grosse. 5% Neubauten nach 1970. 30% 1-2 Familienhäuser, der Rest Mehrfamilienhäuser, zum großen Teil noch Erstbesiedlung (vormals Salzgitter) zum Wiederaufbau 1950-1958 oder Bergbausiedlung 1910-1925.
Es wird auch dort Veränderungen geben, denn die den Steuerzahlern dankbaren Zechenkinder leben nicht ewig und durften i.d.R. die dunklen Schächte auf Kosten der Allgemeinheit mit unter 60 Jahren verlassen und konnten dann aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage die ehemaligen Zechenhäuser günstig erwerben.
Die SPD macht das schon in Herne - darauf ist verlass!
06:34
Hei Student,
es gibt statistische Stimmbezirke, wo dann die WählerInnen nach Geschlecht und Altersgruppe gekennzeichnete Stimmzettel erhalten; damit weiß man immer noch nicht, wer genau was gewählt hat, aber das Wahlverhalten an sich finde ich schon interessant. Ansonsten weiß doch zB auch schon jeder im Wahlvorstand, wer bspw NICHT gewählt hat...das wäre ja im Grunde genommen auch schon eine Art Verletzung des Datenschutzes.
Wenn ich mir die Statistiken so ansehe und es so ist, dass viele -wie man ja gerade an älteren Leuten sieht- ihr Wahlverhalten nicht ändern, dann müssen sich einige Parteien warm anziehen, weil deren Wähler weitgehend mit der Älterenquote ausstirbt. Und weil man ja auch nicht nur die Quote, sondern auch die absoluten Zahlen sehen muss. Es gibt sehr viele Alte und weniger Junge;und die große Gruppe derjenigen vor dem Pillenknick (an der Stelle mal einen Insidergruß an selbigen verschicke;-)). Somit dürften vor allem die CDU-Wähler weniger werden und die Ergebnisse der Grünen bspw müssten sich noch wesentlich verbessern lassen.
Es sei denn, man hat da so eine Art Kippschalter und wählt am 60 automatisch CDU;-)
Ich bin gespannt.
04:22
in einer demokratischen wahl dürfte nicht bekannt sein wer wie gewählt hat.
woher wissen die was frauen ung jungs bzw. die 18-24 j,, 25-34 j. etc gewählt haben
19:47
In diesem Fall ist der Lapsus der Technik noch glimpflich, weil es hier lediglich um die Wahlbeteiligung ging. Allerdings zeigt genau dieser kleine Fehler schon wie anfällig Technik und im speziellen dann Wahlcomputer für so eine wichtige Sache wie eine Wahl ist!