Riesenandrang beim Stoffmarkt in Herne

Textilien, so weit das Auge reicht: Die Auswahl beim Stoffmarkt in Herne war groß.Foto:Ralph Bodemer
Textilien, so weit das Auge reicht: Die Auswahl beim Stoffmarkt in Herne war groß.Foto:Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Ein Stoff- & Tuchmarkt lockte Samstag Hobby-Näherinnen nach Herne. Was fasziniert die Leute an dieser Beschäftigung? Die WAZ hat nachgefragt.

Herne..  Über gute 400 Meter erstrecken sich auf der Bahnhofstraße die Ausstellungstische. Darauf Stoffballen in allen Mustern und Farben, Perlen und Schnittmuster, Wolle und Nähmaschinen. „Die Verkaufsfläche beläuft sich auf ungefähr 100 Stände, die Resonanz ist gut“, sagt Marktleiter Frank Körner.

Nähen liegt im Trend. Erstaunlich viele Herner entdecken ihren Spaß an diesem vermeintlichen Oma-Hobby. Sind die alten Klischees noch zeitgemäß? Die WAZ hat sich umgesehen.

Nähen ist was für alte Damen!

Carina Slodowski kennt sich aus. Die Händlerin (28) packt blauen Stoff für eine Kundin ein. „Ich habe angefangen zu nähen, als mein Sohn geboren wurde“, erzählt Slodowski. „Mir hat noch nie gefallen, unter welchen Bedingungen Kleidung zum Beispiel in den Textilfabriken in Bangladesch produziert wird, deshalb habe ich die Kleidung für meinen Sohn komplett selber genäht.“ Nähen sei im Kommen, bestätigt sie. „Die Vorurteile, die viele Leute über das Nähen haben, sind nicht mehr gültig.“ Marktleiter Frank Körner schließt sich an: „Die Zielgruppe hat sich in den letzten Jahren verändert. Es kommen immer mehr junge Leute zu Stoffmärkten.“

Wer näht, hat nichts zu tun!

Wenn die 13-jährige Erja Hansmeier von ihrer Leidenschaft erzählt, dann wird sie gerade von Altersgenossen oft schief angeguckt, denn: Viele finden, Nähen sei etwas für nebenbei – und entspreche erst recht nicht Erjas Altersgruppe. Wenn sie diese Vorurteile hört, muss sie schmunzeln. „In meinem Zimmer habe ich zwei Tische – nur für das Nähen“, plaudert sie aus dem Nähkästchen. Im Übrigen sei Nähen wie jedes andere Hobby auch; ohne Konzentration, Zeitaufwand und Herzblut könne man nichts erreichen. „Ich habe meine eigene Nähmaschine, seit ich zehn Jahre alt bin“, erzählt die Schülerin. „Am Anfang habe ich oft Kissen genäht, mittlerweile mache ich auch Kleidung.“ Und warum macht sie das? Es sei praktisch, das Traumkleid einfach selbst nähen zu können, sagt Erja. „Nähen ist für mich nicht nur irgendeine Beschäftigung zwischendurch, sondern ein vollwertiges Hobby.“ Zusammen mit Freundin Lea Lucas (17) hat sie sogar schon einen Sommernähkurs an der VHS besucht und ihren „Nähmaschinen-Führerschein“ gemacht.

Nähen ist langweilig!

Egal wie unterschiedlich die Kunden auf dem Stoffmarkt auch sind, in einem sind sie sich einig: Nähen kann vieles sein, aber nicht langweilig. „Es ist macht fast schon süchtig“, sagt etwa Nina Wulbrand lachend. „Wenn man sieht, wie jemand ein tolles Kleid auf Facebook gepostet hat, möchte man selber direkt losziehen und sich neue Stoffe holen“, erzählt sie und widmet sich wieder der Suche nach ihrem nächsten Projekt: Ein weißer Jersey-Stoff mit bunten Sternen hat ihre Aufmerksamkeit erregt.