Rewe-Aus in Herne-Baukau trifft vor allem ältere Menschen

Wilfried Kohs (65) lebt seit seiner Geburt in Baukau. Er befürchtet nach dem Rewe-Aus vor allem Probleme für ältere Menschen im Viertel.
Wilfried Kohs (65) lebt seit seiner Geburt in Baukau. Er befürchtet nach dem Rewe-Aus vor allem Probleme für ältere Menschen im Viertel.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das für den 1. Dezember angekündigte Aus für den Rewe-Markt an der Kaiserstraße in Baukau trifft vor allem ältere Menschen.

Herne..  Wen man am Montagmorgen rund um den Rewe-Markt an der Kaiserstraße 97 auch fragt – alle bedauern das Aus für den Baukauer Lebensmittelmarkt zum 1. Dezember 2015 (wir berichteten). „Wo sollen die älteren Menschen denn künftig einkaufen?“, fragt sich nicht nur Anwohnerin Heike Dietterle.

Schlag auf Schlag sei es insbesondere in den vergangenen Jahren gegangen, sagt Wilfried Kohs. Seit seiner Geburt lebt der 65-Jährige in Baukau, zunächst auf der Rottstraße und der La-Roche-Straße, heute auf der Bismarckstraße. Und er zählt auf, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Zwei Bäckereien sowie Kneipen wie der Bürgerhof und die Ritterstuben hätten ebenso geschlossen wie ein Imbiss, die Apotheke und Friseur Ludwig („meine Mutter hat sich hier immer die Haare machen lassen“).

Doch damit nicht genug: Die Hausarztpraxis von Frau Dr. Stuckmann gebe es (zumindest an diesem Standort) auch nicht mehr. Und wenn Rewe Ende des Jahres schließe, werde wohl auch Fischhändler Odermann donnerstags nicht mehr vor dem Supermarkt seinen Stand aufbauen, glaubt der frühere WHE-Betriebsrat und amtierende Grünen-Bezirksverordnete Wilfried Kohs.

„Ich finde es sehr traurig, dass der Rewe-Markt schließt“, sagt Margret Günther. Die 81-jährige wohnt direkt am Lebensmittelmarkt, der vor Beginn der Rewe-Ära 1992 Steiniger hieß. „Ich bin hier groß geworden“, erzählt sie. Sie muss sich nun auf längere Wege einstellen: Bei Toom oder Penny werde sie ab Dezember wohl einkaufen, sagt sie.

Aus auch für die Sparkasse?

Margret Günther sei kein Einzelfall, glaubt Rewe-Kundin Brigitte Söbert. „Hier wohnen sehr viele ältere Menschen“, erzählt die Jung-Rentnerin. Wie zur Bestätigung sitzen 50 Meter weiter zahlreiche Senioren mit Rollator an der Haltestelle und warten auf den Bus. Zu Fuß sei es für die in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen bis zur Forellstraße – dort könnte vielleicht ein neuer Lebensmittelmarkt oder Discounter entstehen (siehe Kasten) – zu weit, sagt Brigitte Söbert.

Dass der Rewe-Markt schließt, kann sie nicht nachvollziehen: „Der Laden brummt doch. Hier ist immer etwas los“, erzählt sie.

Wilfried Kohs geht davon aus, dass es beim Aus für den Lebensmittelmarkt nicht bleiben wird. Er befürchtet – wie auch der direkt gewählte SPD-Stadtverordnete Andreas Nowak – dass auch die benachbarte Sparkassenfiliale sich bald verabschieden wird. „Die Entwicklung ist sehr schade für Baukau“, sagt Kohs.

Stadt spricht mit mehreren Interessenten

Im Bereich Forellstraße/Westring könnte ein neuer Lebensmittelmarkt entstehen.

Mit dem Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans 235 (Dienstleistungspark Schloss Strünkede) sei unter anderem das städtebauliche Ziel formuliert worden, zur langfristigen Sicherung und Verbesserung der Nahversorgung einen leistungsstarken Lebensmittelmarkt anzusiedeln, erklärt Stadtsprecher Horst Martens.

Daher führe die Verwaltung parallel zum Aufstellungsverfahren Gespräche „mit unterschiedlichsten Interessenten“.