Rentnerin aus Castrop-Rauxel wurde unfreiwillig zur Hernerin

An falscher Stelle stand das Herner Ortseingangsschild. Renate Niewel wohnte plötzlich nicht mehr in Castrop-Rauxel
An falscher Stelle stand das Herner Ortseingangsschild. Renate Niewel wohnte plötzlich nicht mehr in Castrop-Rauxel
Foto: Abi Schlehenkamp
Was wir bereits wissen
Renate Niewels Herz schlägt seit ihrer Geburt in und für Castrop-Rauxel. Doch plötzlich wurde das Ortseingangschild versetzt - und sie zur Hernerin.

Herne.. Sie fühlt sich versetzt, ist erzürnt ob dieser bodenlosen Missachtung des Heimatgefühls. Renate Niewel wurde Opfer einer außergewöhnlichen Maßnahme von Heimatklau. In der Nachbarstadt Castrop-Rauxel geboren, zur Schule gegangen und dort immer gelebt, wurde sie plötzlich zur Hernerin umfunktioniert. Bitter fand die 71-Jährige das. Und sie beschwerte sich. Am Ende wurde alles wieder gut.

Es ist die grüne Seite des Ruhrgebiets, die zwischen Herne, Castrop-Rauxel und Bochum liegt und die Renate Niewel liebt. Wiesen und Felder ringsherum und im Hintergrund dieser Idylle die Fördertürme der ehemaligen Zechen Erin und Teutoburgia. Hier, wo es noch einen Bauernhof gibt und den Treffpunkt der Holthauser Schützen, wo sich auch Unbekannte auf der Straße grüßen: „Endlich mal wieder schönes Wetter heute.“ Und von einem Tag auf den anderen wird die Ur-Castrop-Rauxelerin eine Hernerin. Das Ortseingangsschild Herne-Ortsteil Börnig/Holthausen an der Karlstraße/Mont-Cenis-Straße steht plötzlich an der falschen Stelle.

Unachtsamkeit des Tiefbauamtes

Renate Niewel verliert zwar nicht den Boden unter den Füßen, lebt aber völlig unvorbereitet auf falschem Boden. „Sie wollen uns wohl nicht mehr haben in Castrop-Rauxel“, meint die Lokalpatriotin, allerdings nicht ganz ernsthaft, eher augenzwinkernd. Aber Humor hat seine Grenzen, und auf Dauer wollten die Rentnerin und ihre Nachbarn wieder in die Europastadt zurück.

Wie sich am Ende herausstellte, war die Angelegenheit nicht einmal ein Streich, sondern eher eine Unachtsamkeit des Herner Tiefbauamtes. Das hatte an dieser Stelle eine Baustelle eingerichtet und deshalb das Ortseingangsschild entfernen müssen. Ein besonders heimatverbundener Herner muss es dann gestohlen haben. „Das Schild war jedenfalls weg“, berichtet Stadtpressesprecher Christian Matzko.

Also musste eine nagelneue Tafel beschafft werden. Gestern wurde sie endlich aufgestellt – und zwar diesmal an der richtigen Stelle. Und Renate Niewel sagte erleichtert: „Dann ist ja alles in Ordnung.“ Jetzt wohnt sie wieder offiziell in der Stadt, die ihr ans Herz gewachsen ist – wenn auch ganz knapp an der Grenze.