René Steinberg plädiert in Herne für mehr Quatsch im Kopf

Gut gelaunt: René Steinberg mit seinem Programm „Gebt dem Unsinn das Kommando" in den Herner Flottmann-Hallen.
Gut gelaunt: René Steinberg mit seinem Programm „Gebt dem Unsinn das Kommando" in den Herner Flottmann-Hallen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Mülheimer Kabarettist begeisterte in den Herner Flottmann-Hallen sein Publikum mit seinem neuen Programm „Gebt dem Unsinn das Kommando".

Herne..  Dieser Mann hat so gnadenlos gute Laune, dass Schlimmes zu befürchten ist, als er das Publikum in den ausverkauften Flottmann-Hallen gleich umarmt. Wo kommt ihr her? Sind Lehrer da? Das machen die Kabarettisten gerne, um das Eis zu brechen, sagt eine Stimme im Kopf. Sie verstummt im Laufe des Abends. René Steinberg hat es drauf. Ein Profi der Wohlfühl-Unterhaltung, der mit „Gebt dem Unsinn das Kommando“ sogar eine Botschaft transportiert, die unbedingt ernst zu nehmen ist: Mehr Quatsch in den Alltag!

Steinberg kommt aus Mülheim, und er liebt das Ruhrgebiet. Weil hier niemals peinliche Stille entsteht, wenn zwei vor dem Fahrstuhl warten, und wegen Typen wie Grönemeyer. Steinberg ist ein genialer Parodist – was WDR-Hörer wissen - und der Wortequetscher Grönemeyer eines seiner liebsten Opfer. Als neue „Tatort“-Kommissare bringt Steinberg Herbert Knebel („Is tot. Mach dat wech“) und Adolf Tegtmeier („Der is am Totsein dran“) ins Spiel, er imitiert den nuschelnden Til Schweiger und den nöligen Udo Lindenberg. Auch Reiner Calmund hat er drauf, der singt Kinderlieder wie „Alle meine Entchen schwimmen im Püree“.

Geschickt vermittelt der 41-Jährige seinem Publikum: Ich bin einer von euch. Groß geworden in einer analogen Parallelwelt mit Schreibmaschine und Filmen im Fotoapparat. „36 Fotos. Die mach’ ich heute in einer Minute am Kindergeburtstag.“ Ihm gegenüber sitzt eine Generation, die „Dunkel war‘s, der Mond schien helle“ im Schlaf zitiert und „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ mitsingt, mit e und mit ö. Und die von der Werbung so versaut ist, dass sie wie Steinberg den Radetzkymarsch nicht mehr hören kann, ohne an Bonduelle zu denken.

Doch René Steinbergs Gesellschaftskritik bleibt freundlich. Während ein Dieter Nuhr oder Hagen Rether mit gedrechselten Bosheiten zuschlagen, spottet er lieber. Die ungelenke Angela Merkel und der quirlige Sarkozy – für ihn sind sie komische Figuren.

Mehr Spaß also. Mehr wie Pippi sein, „der Strumpf gewordene Ungehorsam“, rät Steinberg. Einfach mal die pubertierende Tochter in Jogginghose und Adiletten in der Disco abholen oder sich Kirschen an die Ohren hängen. „Damit der Wahnsinn von draußen nicht reinkommt.“