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Reizvolle Klassiker

06.05.2008 | 15:00 Uhr

Mensch ärgere dich nicht, Monopoly oder Fang den Hut sind immer noch große Renner.Das sagt der Leiter des Spielezentrums, Peter Janshoff. Vor dem "Spielewahnsinn" sprach die WAZ mit ihm

Foto: WAZ, Archiv Der Leiter des Spielezentrums, Peter Janshoff Foto: Stefan Kuhn, press image

Können Sie sich noch an Ihr erstes Spiel erinnern?

Janshoff: Wir haben zu Hause sehr viel gespielt. Das erste intensive Spiel, an das ich mich erinnere, war der "Schwarze Peter". Ich habe das auf mich bezogen, weil ich immer derjenige war, der Scheiße gebaut hat. Das Kartenspiel von damals habe ich noch zu Hause.

Und welches Spiel spielen Sie heute am liebsten?

Janshoff: Den "Bausack". Es besteht aus einem Sack voller unterschiedlicher Holzstückchen der kuriosesten Formen. Man kann die Stückchen gegen Spielchips ersteigern, um einen möglichst hohen Turm zu bauen. Die Schweinerei dabei ist, dass ich auch Stückchen bei meinem Gegner einbauen und ihm damit das Weiterbauen versauen kann.

Das klingt nach einfachen Regeln. Sind die einfachsten Spiele die besten?

Janshoff: Das ist eine Frage des Anspruchs. Es gibt Leute, die sagen, wenn ein Würfel im Spiel ist, ist es ein schlechtes Spiel. Für mich persönlich gibt es keine guten und schlechten Spiele. Für mich gibt es Spiele, die Spaß machen und keinen Spaß machen. Schlecht ist ein Spiel nur dann, wenn es einfach nicht funktioniert.

Welche Spiele kommen denn beim breiten Publikum am besten an?

Janshoff: Die Klassiker. "Mensch ärgere dich nicht", "Monopoly" oder "Fang den Hut". "Monopoly" zum Beispiel verkauft sich in seinen verschiedenen Varianten 250 000 bis 300 000 Mal jährlich. Oder die "Siedler von Catan". Das Spiel gibt's erst seit 1995. Man kann es also noch nicht als Klassiker bezeichnen. Aber es ist schnurstracks auf dem Weg dahin.

Jährlich erscheinen bis zu 450 neue Spieletitel. Wie viele können beim Spielewahnsinn getestet werden?

Janshoff: Rund 250, die allein seit Januar erschienen sind. Dazu kommen ungefähr noch 400 Spieletitel aus 2007. Viele Verlage schleppen ihre Prototypen mit nach Herne. Aufgrund der hohen Dichte an Vielspielern können sie hier testen, was gut und was schlecht ist an ihrem Spiel.

Ist der Spielewahnsinn nur etwas für Spielefreaks oder auch für Jedermann?

Janshoff: Für Jedermann ist der Spielewahnsinn besonders gut geeignet. Gerade derjenige, der nicht weiß, ob und was er gerne spielt, sollte die Gelegenheit nutzen, ein paar Spiele auszuprobieren, bevor er sie kauft. Die Spiele kosten ja zwischen 30 und 40 Euro.

Welches Brettspiel würden Sie Computer-Spielern empfehlen?

Janshoff: Die würde ich ans Online-Brettspiel-Portal verweisen unter www.brettspielwelt.de. Die Macher setzen Brettspiele eins zu eins für den Computer um. Das ist auch die Adresse für Leute, die keine Spielpartner haben. Dort spielen sie mit und gegen andere Menschen aus aller Welt. Das Internet-Portal war auch ein Austragungsort zur Qualifikation für die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft, deren Finale wir beim Spielewahnsinn austragen.

Gibt es denn einen Typ Mensch, der sich überhaupt nicht für Spiele begeistern lässt?

Janshoff: Eigentlich müsste es jedem möglich sein, Spaß beim Spielen zu haben, der seine Kindheit nicht vergessen hat. Für Kinder ist Spielen Arbeit, auch wenn sie das selbst nicht so empfinden. Sie sollen ja dabei etwas lernen. Mit der Pubertät gibt's eine Phase, in der Spielen als Kinderkram abgetan wird. Weg damit! Alle, die Spielen nicht grundsätzlich negativ entgegenstehen, finden danach wieder zurück. Es gibt aber Leute, die Spielen als eine unnütze Tätigkeit ansehen. Oder als Frauensache.

Spielen Frauen anders als Männer?

Janshoff: Ich habe immer lieber mit Frauen gespielt. Bei Männern steht an erster Stelle das Gewinnen. Für Frauen ist der Spaß, die Unterhaltung die Hauptsache. Männer spielen lieber Strategiespiele, Frauen Spiele mit hohem Glücksanteil. Als "Siedler" herauskaum, haben viele Frauen angefangen, wieder zu spielen, weil es kein reines Strategie-, sondern auch ein Würfelspiel ist.

Was würde Ihnen fehlen, wenn es keine Brettspiele mehr gäbe?

Janshoff: Die Brettspiele. Jedes Spiel ist ein Highlight für sich selbst. Es ist im Prinzip wie ein Buch. Beim Lesen erlebe ich mich in Gedanken. Das Gleiche passiert im Spiel. Ich erlebe und spiele eine Geschichte. Wenn ich einen Pharao in Ägypten spiele, bin ich ein Pharao in Ägypten. Und wenn ich dabei noch mit anderen an einem Tisch sitze und alle haben Spaß . . .

Interview: Katharina Golomb

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