Reinigung Herner Schulen bleibt eine große Baustelle

Der Schulausschuss tagte am Mittwoch in der Grundschule Forellstraße.  Aus gutem Grund: Im März hatten SPD und CDU nach einer Begehung dieser Schule Alarm geschlagen. Anlass: riesige Mängel bei der Reinigung. Die Grundschule Forellstraße ist aber kein Ausnahmefall, so die Politik.
Der Schulausschuss tagte am Mittwoch in der Grundschule Forellstraße. Aus gutem Grund: Im März hatten SPD und CDU nach einer Begehung dieser Schule Alarm geschlagen. Anlass: riesige Mängel bei der Reinigung. Die Grundschule Forellstraße ist aber kein Ausnahmefall, so die Politik.
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Eine Stunde lang hat der Schulausschuss über große Mängel bei der Schulreinigung diskutiert. Eine Lösung für die Probleme zeichnete sich nicht ab.

Herne..  Die Wahl des Tagungsortes war nur konsequent: In der Grundschule Forellstraße hat sich am Mittwoch der Schulausschuss getroffen – in jener Schule also, die in der März-Sitzung dieses Ausschusses in den Fokus gerückt war. SPD und CDU hatten sich damals über katastrophale Mängel bei der Reinigung dieser Einrichtung in Baukau beklagt und das gesamte Thema „Schulreinigung“ auf die Agenda gehoben.

Zurecht, wie sich in der einstündigen Debatte erneut zeigte. Eine Stunde lang diskutierten Politiker, Verwaltung, Schulleiter und das städtische Gebäudemanagement (GMH) am Mittwoch über die immensen Probleme bei der Reinigung der Herner Schulen. Allgemeiner Tenor: Es wird zu wenig geputzt, die Kapazitäten reichen nicht aus. Eine wirkliche Lösung für dieses Problem zeichnete sich jedoch nicht ab.

Rund 300 000 Quadratmeter an Schulflächen müssten die 172 städtischen Reinigungskräfte sowie die beauftragten Fremdfirmen putzen, berichtete GMH-Chef Thomas Bruns im Ausschuss. Für zwei Drittel der Flächen zeichne die Stadt verantwortlich, für ein Drittel von der Stadt beauftragte Fremdfirmen.

Die von Thomas Spengler (SPD) im Vorfeld der Sitzung offensiv angesprochene mögliche Aufstockung der Haushaltsmittel für die Reinigung – sie wurden 2010 von der Politik drastisch gekürzt – wurde in der Diskussion nur noch von Jörg Höhfeld (Grüne) aufgriffen. Bruns begegnet dieser Forderung mit Diplomatie: „Geld ist nicht alles.“ Viele Mängel ließen sich beheben, auch ohne einen Euro mehr auszugeben. Das GMH müsse erst einmal seine „Hausaufgaben“ machen. Vor allem auf organisatorische Änderungen setzt der GMH-Geschäftsführer, der im „Hauptjob“ Chef der städtischen Herner Gesellschaft für Wohnungsbau (HGW) ist.

Klang bei Bruns nur indirekt Kritik an dem vor eineinhalb Jahren auf den Chefsessel von Entsorgung Herne gewechselten Horst Tschöke an, so wurde Michael Musbach (CDU) schon deutlicher: Er sei schockiert darüber, dass es bei GMH bisher kein richtiges Beschwerdemanagement gegeben habe. „Das ist Ihrem Vorgänger anzulasten“, so Musbach zu Bruns.

Bis Anfang 2016 will der aktuelle GMH-Chef ein solches Beschwerdemanagement einführen, bei dem die Meldungen aus den Schulen erfasst und bearbeitet werden sollen. Auch das werde nicht wesentlich zur Lösung der Probleme beitragen, meinte nicht nur Uwe Scholle, Leiter der Realschule Sodingen. „Das Beschwerdemanagement wird überschätzt“, sagte er.

Wie schon im GMH-Betriebsausschuss sprach Thomas Bruns auch im Schulausschuss den hohen Krankenstand bei städtischen Putzkräften an. Die Dimension veranschaulichte er an einem Beispiel: Am 29. April seien von 1140 Arbeitsstunden der städtischen Kräfte 228 Stunden wegen Krankheit „ausgefallen“. Das entspreche einem Krankenstand von 20 Prozent.

Das sei nicht nur eine Momentaufnahme, sondern entspreche dem Trend. Die Quote sei auch auf den recht hohen Altersschnitt der Mitarbeiterinnen zurückzuführen, betonte Bruns. Die körperliche Belastung sei groß. „Das ist nun mal keine Bürotätigkeit.“ Auch hier redete CDU-Mann Musbach Klartext: „Wenn ich einen Krankenstand von 20 Prozent habe, muss ich mir als Arbeitgeber mal Gedanken über das Betriebsklima machen.“

Ist der Reinigungsstandard in jenen Schulen höher, in denen Private putzen? „Das kann ich nicht behaupten“, sagte Andrea Sdun, Leiterin der Grundschule Schillerstraße. Nach ihren zahlreichen Beschwerden über Reinigungsmängel habe das GMH an ihrer Schule städtische Reinigungskräfte durch eine Firma ersetzt - verbunden mit der Prognose, nun werde alles besser. Geändert habe sich aber nichts.

Er habe den direkten Vergleich, sagte Ralf Sagorny, Leiter des Emschertal-Berufskollegs. An seiner (auf mehrere Standorte) verteilte Schule putzten sowohl die Stadt als auch Private. Das von GMH-Kräften gereinigte Gebäude am Westring sei sauberer, so sein subjektiver Eindruck. Wichtiger ist nach Einschätzung von Sagorny und anderen Schulleitern jedoch diese Festellung: Die Vorgaben für die Mitarbeiterinnen seien viel zu hoch: „Das kann man gar nicht schaffen“, so Sagorny.

Wie geht’s weiter? GMH will die Einrichtung des Beschwerdemanagements vorbereiten. Vor 2016 sei dies aber nicht zu realisieren, so Thomas Bruns. Und Thomas Spengler sprach davon, dass nun erst einmal „ein Kompromiss“ her müsse, man den „enormen Handlungsbedarf nicht aus den Augen verlieren darf“ und „die Schulreinigung ein Zukunftsthema“ sei.

GMH-Chef Bruns sprach noch einen anderen Aspekt an. Er verwies auf den großen Sanierungsstau in den Schulen. Der Zustand vieler Gebäude trage zu den aktuellen Problemen bei, denn: Nach aufwendigen Sanierungen, in die vielleicht sogar Schüler einbezogen würden, gebe es weniger Vandalismus und Verunreinigungen, weil die Hemmschwelle höher sei.

Bruns verlieht der Hoffnung Ausdruck, dass es trotz der leeren Kassen durch die geplante Gründung einer städtischen Schulsanierungsgesellschaft und weitere anstehende GMH-Reformen (wir berichteten) zu Verbesserungen auch beim Zustand der Schulgebäude kommen wird.

Übrigens: Die Grundschule Forellstraße machte am Mittwoch einen recht sauberen Eindruck. Seit dem Alarmruf von SPD und CDU im März „bewegt sich etwas“, hatte Isabelle Lenort-Thauern, Leiterin der zurzeit 186 Mädchen und Jungen zählenden Grundschule, zu Beginn der Sitzung erklärt. Was konkret, das wollte die Pädagogin aber nicht verraten.