Reckli stellt erste funktionsfähige Solarbetonwand vor

Wolkig und vereinzelt heiter war der Himmel, als Bernd Trompeter die Solarbetonwand vorstellte. Die Zukunftsaussichten könnten strahlend sein
Wolkig und vereinzelt heiter war der Himmel, als Bernd Trompeter die Solarbetonwand vorstellte. Die Zukunftsaussichten könnten strahlend sein
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Reckli und Heliatek präsentierten am Dienstag Europas erste funktionsfähige Solarbetonwand. Mit ihr können Fassaden Sonnenstrom produzieren.

Herne..  Mit wetterabhängigen Terminen ist das in diesen Breitengraden so eine Sache. Wie gestern: Reckli präsentierte die erste voll funktionsfähige Solarbetonwand in Europa, doch die Sonne ließ sich nur sporadisch blicken. Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass ein Herner Unternehmen entscheidend an der Weiterentwicklung von nachhaltigem Bauen beteiligt ist.

Reckli beschäftigt sich seit rund fünf Jahren mit dem Thema „Grüne Gebäude“, seit drei Jahren kooperiert das Unternehmen mit der Dresdner Heliatek GmbH. Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Kraft der Sonne nicht nur auf dem Dach einzufangen, sondern auch mit der Fassade. Die Partnerschaft ist ideal: Reckli ist weltweit führender Hersteller von architektonisch ansprechenden Betonmatrizen; Heliatek ist weltweiter Technologieführer in organischer Solartechnik. Die Heliatek-Folien enthalten nur organisches Material und halten den Weltrekord in der Zelleffizienz. Ein Hintergrund für die Kooperation: Die Energiestandards für Neubauten werden in der Europäischen Union, aber auch in China immer strenger. Gebäudeintegrierte organische Photovoltaik kann einerseits einen Beitrag zur Stromversorgung leisten, andererseits kann die CO2-Bilanz in Großstädten verbessert werden. Das spielt gerade im smoggeplagten China eine immer größere Rolle.

Die große Herausforderung zu Beginn lag in der Frage, wie die Solarfolien in eine Betonfassade integriert werden können. Die gestern vorgestellte Pilotinstallation offenbart, dass diese Frage weitgehend beantwortet ist. Die Solarbetonwand auf dem Reckli-Betriebsgelände enthält drei Reihen der Solarfolien, die Stromproduktion, so Reckli-Geschäftsführer Bernd Trompeter, laufe problemlos. Ein Teil der Folien ist aufgeklebt, ein anderer Teil mit einer Art Klettverschluss befestigt.

Auch wenn die Anlage funktioniert, „wir haben noch einige Hausaufgaben zu machen“, so Trompeter. Bis zum Jahr 2018 könne das Produkt marktfähig sein. Mit der Pilotinstallation habe sich Reckli ganz klar auf die technische Umsetzung der Kombination von Solarfolien und Betonelementen konzentriert, so Reckli-Vertriebsleiter Peter Henning. Architekten, Bauplanern und Bauherren soll demonstriert werden, wie Solarbeton in der Zukunft aussehen kann.

Thomas Bickl, bei Heliatek verantwortlich für Vertrieb und Produktentwicklung, zeigt sich ebenfalls sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit. Er weist auf den potenziellen Markt hin, der sich öffnen könnte: „Weltweit werden etwa 130 Millionen Quadratmeter an Betonfassade verbaut. Das ist unser Zielmarkt“. Trompeter sieht in erster Linie Südeuropa, aber auch den Mittleren Osten sowie China als Absatzmärkte.