Recherchen zur Feuerwehrgeschichte in Herne tragen Früchte

Reproduktion einer historischen Aufnahme von Hubert Schlüter aus den 1930er Jahren mit einem Festumzug der Freiwilligen Feuerwehr Herne.
Reproduktion einer historischen Aufnahme von Hubert Schlüter aus den 1930er Jahren mit einem Festumzug der Freiwilligen Feuerwehr Herne.
Foto: Stefan Kuhn
Was wir bereits wissen
Fotos, Gegenstände und Zeitungsartikel fügen sich zu einem immer detaillierteren Bild. Der Fotograf und Historiker Stefan Kuhn sammelt weiter.

Herne..  Am Anfang war ein weißes Blatt. Dass die Herner Feuerwehr 1877 gegründet worden war, die Feuerwehr in Eickel sogar schon ein Jahr zuvor, war bekannt, viel mehr nicht. Seit zwei Jahren versucht Stefan Kuhn nun, diese Lücke zu füllen. Der Fotograf, von Haus aus Historiker, arbeitet an einer Geschichte der Herner Feuerwehr, die im Jahr 2026 ihren 150. Geburtstag feiert. Und sein hartnäckiges Stöbern in Archiven und Kellern trägt Früchte. „Ich suche nicht, ich finde“, freut sich Stefan Kuhn, selbst seit vielen Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr in Herne-Mitte aktiv. Sein Anliegen stößt auch in Feuerwehrkreisen auf immer größere Resonanz.

Film aus Eickel zeigt den Stadtteil

Erst kürzlich hat er in Neuss bei einer Fachtagung der Feuerwehren den Film vorgestellt, der zum 50-jährigen Jubiläum der Bürgerfeuerwehr in Eickel 1926 gedreht wurde, eine Rarität, „wahrscheinlich der älteste Feuerwehr-Film in Westfalen-Lippe“, gefunden im Fahnenschrank des Gerätehauses. Was Kuhn besonders gefällt, ist eine Kamerafahrt durch das festlich geschmückte Eickel. Auch eine Feuerwehrübung auf dem Zechengelände Hannover/Hannibal hält der Schwarz-Weiß-Streifen fest, der in digitalisierter Form ins LWL-Filmarchiv in Münster wandert.

Eine andere „herausragende Entdeckung“ ist für Stefan Kuhn ein 1 x 1,50 Meter großes Bild der Bürgerfeuerwehr Holthausen mit 52 Einzelporträts der Feuerwehrleute, eingefasst in einen wuchtigen Holzrahmen, das ihm jemand überließ. Es entstand 1931 zum 25-jährigen Jubiläum und hing Jahrzehnte lang in der Gaststätte Nöthe, deren ehemaliger Wirt Karl Nöthe Feuerwehrmitglied gewesen war. „Das stand auf einem Dachboden“, weiß Stefan Kuhn, „und war mit einer braunen Nikotinschicht überzogen. Ich habe es komplett auseinander genommen und gereinigt.“

Auch dass er endlich auf Spuren der Gründungsväter der Freiwilligen Feuerwehr Herne gestoßen ist, freut Stefan Kuhn. Beim systematischen Durchblättern alter Zeitungen aus Privatbesitz stieß er auf eine Notiz aus dem August 1877. Sie verriet: Der Amtmann, der Metzger, der Wirt, der Bergmann und alle anderen Genannten waren Mitglieder in demselben Turnverein. Dass generell die Feuerwehrgründungen eng mit der Turnerbewegung verbunden waren, wusste Kuhn. Dass aber auch in Herne Turner die Brände löschten, war bis dahin nicht bekannt. „Das ist wie ein Puzzle“, sagt Stefan Kuhn über seine Recherchen. Er freut sich über immer neue Verknüpfungen und hofft bis 2026 die Feuerwehr-Historie „zwischen zwei Buchdeckeln“ und als Ausstellung präsentieren zu können. „Es erfüllt mich mit Stolz und Genugtuung, wenn ich dazu beitragen kann dass wir die Geschichte der Feuerwehr retten und für andere transparent machen können, bevor sie in Vergessenheit gerät.“