Real Madrid gehört zum Leben von Alvaro Cárdenas

WAZ-Praktikant Alvaro Cárdenas kann mit dem Ball umgehen. Klar: Er ist Fan von Real Madrid.
WAZ-Praktikant Alvaro Cárdenas kann mit dem Ball umgehen. Klar: Er ist Fan von Real Madrid.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
WAZ-Praktikant Alvaro Cárdenas fiebert dem Champions-League-Spiel gegen Schalke entgegen. Der Spanier über Fußball-Leidenschaft in den beiden Ländern.

Herne..  Ich komme aus Spanien, die Wirtschaftskrise zwang mich vor zwei Jahren leider dazu, mein Land zu verlassen. Ich kam nach Bochum, kannte niemanden hier – und erst recht keine Fußballmannschaften in dieser Region.

Du lebst also plötzlich nicht mehr in der Metropole Spaniens, in Madrid, sondern zwischen den größten Ruhrgebietsstädten mit ihren international bekannten Fußballmannschaften. Aber du weißt als Real-Fan ganz genau: Häufig, wenn ein spanischer Verein deutschen Boden betritt, wird es schwer für die Spanier (wenn auch nicht im vergangenen Jahr). Umso nervöser werde ich nun von Stunde zu Stunde, wenn ich an das heutige Spiel in Hernes Nachbarstadt denke. Absolute Champions-League-Klasse: Real Madrid gegen FC Schalke 04.

Schalke ins Herz geschlossen

Ich bin sehr gespannt und drücke natürlich meinem Verein die Daumen. Sicher: Ich gönne es auch den Schalkern, denn ehrlich gesagt habe ich diesen Verein in mein Herz geschlossen. Auch wenn ich dafür immer wieder verurteilt werde, weil ich doch in Bochum lebe, in Dortmund am Flughafen arbeite und jetzt gerade als Journalist – diesem Job ging ich auch in Spanien nach – in der Herner WAZ-Redaktion ein Praktikum mache. Ich sage es offen: Ich mag die Schalke-Fans genau deshalb, weil sie einfach nicht so überheblich sind.

Die deutschen Fans ticken anders als die in meiner Heimat. So feierfreudig der Spanier sonst daherkommt – wenn er ins Stadion geht, kehrt er meist nach dem Spiel auch wieder heim. Das ist hier offensichtlich anders. Der Deutsche trifft sich lange vor dem Anpfiff, und nach Abpfiff geht es meist biertrinkenderweise weiter. Die meisten deutschen Fans nehmen das Spiel bitterernst, erleben es mit Leidenschaft. Natürlich ist es auch in Spanien nicht anders, wenn die Fußballriesen FC Barcelona und Real Madrid gegeneinander antreten: Auch dann herrscht wesentlich mehr Rivalität auf dem Platz und auf den Rängen. Doch letztlich sehnt sich Real Madrid am meisten nach einem Pokal: dem der Champions-League.

Mit Freunden vor dem Fernseher

Genau deshalb werde ich heute um 20.45 Uhr daheim gebannt vor dem Fernseher sitzen, mit oder ohne Bier, mal sehen, mit meinen Freunden, alles Spanier, aber nicht alle Real-Madrid-Fans. Gerne wäre ich ins Stadion gegangen. Seit dem Tag der Auslosung des Achtelfinales rufen mich meine Freunde aus Spanien an, wollen wissen, ob ich an Karten kommen kann. Leider konnte ich da nichts machen.

Es wird nicht einfach heute Abend. Ich habe natürlich nicht vergessen, dass Real Madrid im letzten Jahr stolze sechs Tore in Schalke schoss. Real Madrid, der Verein, der für mich und meine Familie zum Leben gehört, ein Teil von uns ist. Der Verein, der zu meinem Umfeld gehört, allein deshalb, weil ich jahrelang in dieser pulsierenden Stadt gelebt habe. Der Verein, der mich zum Lächeln bringt, an Tagen, an denen es nicht so gut geht und ein Sieg dich wieder aufmuntert. Deshalb wünsche ich mir auch heute einen Sieg – weil letztlich doch die Wurzeln zählen.

lvaro Cárdenas, 24, stammt aus Bailén in Andalusien. In Madrid hat er Journalismus studiert. Im Februar macht er ein Praktikum in der WAZ-Lokalredaktion Herne