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Raus aus Hartz IV, rein in die Selbstständigkeit

10.02.2010 | 18:23 Uhr
Raus aus Hartz IV, rein in die Selbstständigkeit

Gordon Burak ist 36 Jahre alt. Drei Jahre lang lebte er von Hartz IV. Dann machte er sich selbstständig. "Das war meine letzte Chance", sagt er.

Vor etwas mehr als einem Jahr hat Gordon Burak eine Entscheidung getroffen: „Jetzt mach ich's, egal was passiert”, habe er zu sich gesagt. Drei Jahre Hartz IV und ein lausig bezahlter Ein-Euro-Job hatten Wirkung hinterlassen: „Davon kann doch kein Mensch vernünftig leben.”

Im Januar 2009 also klopft Burak an die Bürotür seines Sachbearbeiters bei der Arge. „Ich habe gesagt, ich will mich selbstständig machen. Und was hat der gesagt? Nein.” Burak ist gut beraten, er hat Unterstützung vom Arbeitslosenzentrum Zeppelin. „Die kennen sich wirklich gut aus und haben mir erklärt, was ich tun kann. Mein Sachbearbeiter kann doch nicht bestimmen, ob ich Hilfe für eine Existenzgründung bekomme oder nicht.” Irgendwann droht Burak sogar mit Klage, dann bewegt sich was. „Ich bin jetzt 36, das ist meine letzte Chance. Ich hätte schon 16 Jahre eher daran denken sollen”, sagt er.

Burak tut, was er kann. Geschäftskonzept schreiben, Seminare besuchen, Formulare ausfüllen. Es geht hin und her. Nach über fünf Monaten ist die Sache entschieden. Stück für Stück kommen die Dinge voran. Weil das zinslose Existenzgründerdarlehen nur häppchenweise fließt, braucht Burak Wochen, bis Fahrzeug und Maschinen einsatzbereit sind. „Erst im Oktober hatte ich alles zusammen.” Bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft sagt man ihm, er könne sich glücklich schätzen, dass das geklappt habe mit der Selbstständigkeit – es gebe doch so viele Arbeitslose.

Arbeitslos, das war auch Gordon Burak. Dachdecker hat er gelernt, seit einem Unfall aber kann er nicht mehr aufs Dach. Er habe sich so durchgeschlagen, viel Blödsinn gemacht, sagt er. Zuletzt arbeitet Burak in einem Kindergarten an der Turmstraße. „Super Leute”, sie hätten ihn verstanden. Nur das mit dem Geld, das fand er nicht okay. „Wenn man für solche Arbeiten einen Mitarbeiter einstellen würde, dann würde man den auch anständig bezahlen.”

Burak hat jetzt ein halbes Jahr der Selbstständigkeit hinter sich. „Das war eine Achterbahnfahrt.” Begleitet von einem Existenzgründer-Trainer hat er's trotzdem geschafft, einen Fuß in die Tür zu kriegen. „Objektverwalter” nennt er sich. Zu seinem Geschäftsfeld gehören Renovierungen aller Art, Gartenarbeiten, Winter- und Herbstdienste. Schon hat er ein paar Helfer, Mini-Jobber, vermittelt vom Arbeitsamt. „Das ist schon merkwürdig. Als ehemaliger Arbeitsloser arbeite ich jetzt wieder mit Arbeitslosen zusammen.”

Burak kommt über die Runden. Er kämpfe mit billiger Konkurrenz vom Schwarzmarkt, mit unverschämten Kunden, mit kaputten Preisen. Insgesamt aber ist der 36-Jährige zuversichtlich. „Es wird eine Achterbahnfahrt bleiben, das ist mir klar. Wenn ich aber mal ein Tief habe, habe ich zum Glück eine Partnerin und gute Freunde, die mich wieder aufrichten.”

Warum er das macht? Hartz IV sagt er, sei Mist. „Wenn man da zu lange drin ist, denke ich, kommt man nicht mehr so ohne Weiteres heraus.” Er mache das aber auch für seinen Sohn, der jetzt vier Jahre alt ist. Gordon Burak wolle ihm etwas bieten, eine Perspektive. „Was er mal machen wird, wird man sehen. Er wird seinen Weg finden. Wenn er will, kann er das Unternehmen ja mal übernehmen.”

Kai Wiedermann



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