Quartett setzt auf Inklusion
09.02.2012 | 18:19 Uhr 2012-02-09T18:19:00+0100
Herne. Vier weiterführende Herner Schulen werden auch künftig Gemeinsamen Unterricht anbieten. Ob auch die Hauptschule Hölkeskamp erneut Kinder mit Lernbehinderungen aufnehmen wird, ist offen.
Vier weiterführende Schulen haben im vergangenen Herbst erstmals Kinder mit Lernbehinderungen aufgenommen. Jetzt steht fest: Alle vier werden auch im Schuljahr 2012/13 wieder eine Eingangsklasse bilden, die im Sinne der „Inklusion“ arbeitet. Für eine Fortführung des Gemeinsamen Unterrichts (GU) haben sich entschieden: die Gesamtschulen Mont Cenis und Erich Fried, die Realschule Crange und das Gymnasium Eickel. Ob die Hauptschule Hölkeskampring, die schon früher in den GU eingestiegen ist, dabei bleibt, steht noch nicht fest (siehe Kasten).
Mit rund 30 Anmeldungen für das nächste Schuljahr ist die Anzahl der integrativ zu beschulenden Kinder noch einmal gestiegen. Rein rechnerisch erfordert ein Förderkind zweieinhalb sonderpädagogische Lehrerstunden. Und hier fängt das Problem für das Schulamt an. Wie Schulamtsdirektor Reinhard Leben auch dem Schulausschuss kürzlich mitteilte, drängen die Sonderpädagogen nicht gerade in die allgemeinbildenden Schulen.
Aber: „Wir können die Lehrkräfte nicht gegen ihren Willen abordnen.“ Der Personalrat muss einer Abordnung an eine andere Schule zustimmen, was aber nicht geschehe, wenn der Lehrer nicht einverstanden ist. „Die Förderschulen sind jetzt zu 100 Prozent besetzt“, sagt Leben. Zieht er Sonderpädagogen ab, drohe dort eine Unterversorgung. „Wir haben nicht genügend Bewerber.“ In Bochum hätten „die Förderschulen teilweise schon mehr Seiteneinsteiger als Sonderpädagogen“.
Mitte Februar rechnet Leben mit den endgültigen Anmeldezahlen. Dann werden die Kinder mit Förderbedarf, die nach Wunsch ihrer Eltern integrativ unterrichtet werden sollen, den Schulen zugeordnet, „möglichst wohnortnah und zusammen mit den Klassenkameraden ihrer alten Grundschule“. In den allermeisten Fällen habe dieses letztes Jahr geklappt.
Anerkennung verdienen in den Augen des Schulamtsdirektors die „sehr engagierten“ Lehrer der Sekundarstufe I, die sich auf die Inklusion eingelassen und gut eingearbeitet hätten. „Sie gehen mit Ernsthaftigkeit und hoher Motivation in die Arbeit“. Die Unterstützung durch die Sonderpädagogen sei in den Schulen „als wirkliche Hilfe erlebt worden“.
Die Kritik der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) an einer ihrer Ansicht nach konzeptlosen Einführung des GU will Leben gar nicht von der Hand weisen, doch was die GEW verlange, seien „Idealzustände“. Ein achtsemestriges Studium der Sonderpädagogik sei nicht so einfach in einer Fortbildung nachzuholen. Angeboten würden aber u.a. Beratung und ein Austausch über praktische Probleme im Arbeitskreis. Außerdem seien zwei halbe Stellen für Inklusionskoordinatoren eingerichtet worden. Die Stelle mit Schwerpunkt Förderschule ist schon besetzt, gesucht wird jetzt noch jemand mit Sek I-Erfahrungen. Lebens Fazit : „Für ein halbes Jahr GU sind wir auf einem guten Weg.“
Ob die Hauptschule am Hölkeskamp den Gemeinsamen Unterricht im kommenden Schuljahr weiterführen kann, steht noch nicht fest. „Wir haben unser großes Interesse gegenüber dem Schulamt und dem Schulverwaltungsamt bekundet“, sagt Schulleiterin Claudia Aldibas-Könneke. „Eine Zusage hängt davon ab, ob wir genügend, das heißt mindestens 18 Anmeldungen aus dem Pool der Hauptschüler für das kommende 5. Schuljahr bekommen. Erst dann bekommen wir eine Zusage für den GU durch die Schulaufsicht.“ Damit sei vermutlich erst Mitte März zu rechnen.
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