Publikum im „Mondpalast“ feiert „Wat ‘ne herrliche Welt“

„Wat 'ne herrliche Welt“ bei der Premiere am Donnerstag im „Mondpalast“.
„Wat 'ne herrliche Welt“ bei der Premiere am Donnerstag im „Mondpalast“.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Neuinszenierung von Ekki Eumann riss Zuschauer zu Standing Ovations hin. Witziger Streifzug durch die Jahrzehnte mit bekannten Songs.

Herne.. Das Ruhrgebiet feiert sich in Wanne-Eickel mit einer neuen musikalischen Komödie. „Wat’ ne herrliche Welt“ begleitet den vor 60 Jahren verschütteten und plötzlich wieder aufgetauchten Bergmann Fritz bei seiner staunenden Entdeckung der Neuzeit. Und wen sollte es überraschen: Das Publikum riss es bei der Premiere wieder von den Stühlen.

Fans des „Mondpalastes“ wissen, dass die Geschichte keine neue ist. Vor zehn Jahren schon einmal inszeniert, wurde „Wat ne herrliche Welt“ nach kurzer Zeit vom Spielplan genommen. Der technische Aufwand sei zu hoch gewesen , hieß es. Doch das Stück war beliebt, und so wählte es Ekki Eumann, der neue Regisseur, für seinen Einstieg aus. Eine gute Wahl, bietet die von Hausautor Sigi Domke geschriebene und jetzt noch einmal aufpolierte Komödie doch alles, was den heimatverbundenen Zuschauer des Volkstheaters freut: eine verrückte Story und Songs, die jeder kennt, umgetextet „auf Ruhrpott“.

Familien im Clinch

„Wat wir hörn’, is’ alles nur gaga“ schmettert das Ensemble im Halbdunkel zu Queens „Radio Gaga“, als sich der Vorhang öffnet. Drei Männer und drei Frauen in einer Schrebergartenkulisse mit Förderturm, von Mathias Handrick wieder detailfreudig gestaltet. Es sind die Grabowskys und die Spackmanns, verwandt, aber verkracht, seit der Besitzer der Gartens, Onkel Fritz, 1954 Untertage blieb.

Theater Sie verkörpern das alte und das neue Ruhrgebiet, wird schnell klar. Während die Spackmanns (Dirk Emmerich und Susanne Fernkorn) wunderbar prollig daher kommen - sie in Dreiviertel-Hose, er in Ballonseide mit Matte und Pilotenbrille, Tochter Chantal (Pia Pannenbäcker) bauchfrei - hat der andere Zweig der Familie die Zeichen der Zeit erkannt: Vater Peter (Martin Zaik) und Sohn Raimund (Andreas Wunnenberg) tragen weiße Hemden, die strukturgewandelte Gattin und Mutter Lydia (Silke Volkner) Kostümchen. Abgehängt die einen, aufstrebend die anderen, machen sie sich später im Talkingheads-Song „Road to Nowhere“ entweder auf den „Weg nach Nirgends“ oder auf den „Weg nach Morgen“.

Tatsächlich ist die Welt nicht nur so herrlich, wie sie der heimgekehrte Fritz in Anlehnung an Louis Armstrongs „What a wonderful World“ im Titelsong inbrünstig beschwört. Axel Schönnenberg spielt ihn, im zauseligen Look, als einen stillen Naiven, der den Zeitsprung vom Wirtschaftswunderland bis ins Heute erst verdauen muss. Gastarbeiter und freie Liebe hat er verpasst, Zechen voll mit Kultur kennt er ebenso wenig wie kaputte Straßen und leere Kassen. Das ist witzig gemacht, bisweilen durchaus sozialkritisch und sogar erfrischend selbstironisch, wenn in „Satisfaction“ die junge Generation nicht glauben will, dass hier immer noch Tauben gezüchtet werden.

Am Ende beschwört ein wie immer höchst präsentes Ensemble nach der Melodie von Grönemeyers „Bochum“ in „Ruhrpott, wir komm’ aus dir“ noch einmal das Wir-Gefühl. Dafür liebt das Publikum den „Mondpalast“. Großer Applaus.