Protest gegen Pläne für Herner Siedlung Teutoburgia

Die unter Denkmalschutz stehende Siedlung Teutoburiga in Börnig. Ein Vorschlag der Stadt für den Bau von Garagen in den Gärten erhitzt die Gemüter.
Die unter Denkmalschutz stehende Siedlung Teutoburiga in Börnig. Ein Vorschlag der Stadt für den Bau von Garagen in den Gärten erhitzt die Gemüter.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Stadt will den Bau von Garagen und Stellplätzen in Gärten der Siedlung Teutoburgia erlauben. Das löst Protest bei Anwohnern und Politikern aus.

Herne..  Die Stadt will planerisch die Voraussetzungen für den Bau von Garagen und Stellplätzen in Gärten der Teutoburgia-Siedlung in Börnig schaffen (wir berichteten). In der Sitzung des Bezirks sorgte diese Botschaft bei den zahlreich erschienenen Bewohnern der Siedlung für Unverständnis und Protest.

Tenor: Der Bau von Garagen würde nicht nur Gärten zerstören, sondern auch den Charakter der denkmalgeschützten Siedlung.

300 illegale Nebenanlagen

„Wenn schon Denkmalschutz, dann konsequent“, sagte ein Anwohner. Die Gärten seien wichtige Bestandteile der Siedlung, räumte Susan Kowalski von der Unteren Denkmalbehörde ein. Auch sie würde daran nichts ändern, aber: Der Denkmalschutz müsse immer zu Kompromissen bereit sein und die Stadtentwicklung einbeziehen. Stadtplaner Peter Muhss brachte es so auf den Punkt: „Wir wollen kein Museum haben, sondern auch die Bedürfnisse des modernen Wohnens berücksichtigen.“

Die Begründung der Stadt für die angestrebte Änderung des Bebauungsplans, die einher gehen soll mit Anpassungen der Gestaltungs- und der Denkmalbereichs-Satzung, zielt auf Verstöße in der Vergangenheit: In der Siedlung hatten Bewohner über Jahre zahlreiche Nebenanlagen wie Schuppen, Anbauten oder Carports ohne Genehmigung gebaut. Die Stadt hatte den Wildwuchs 2012 durchforstet und dabei insgesamt „300 illegale Nebenanlagen“ ermittelt (wir berichteten). In einigen Fällen kam es zu rechtlichen Auseinandersetzungen. Vor Gericht habe sich aber herausgestellt, so die Stadt, dass es Lücken im Bebauungsplan gebe. Das wolle man nun korrigieren und gleichzeitig „die Qualität der Siedlung langfristig sichern“, so Stadtplaner Muhss.

Aus der Politik regte sich in der Sitzung ebenfalls Widerstand gegen die Verwaltung. „Der Charakter der Siedlung muss erhalten bleiben. Und die Gärten gehören dazu“, sagte der Börniger SPD-Stadtverordnete Jörg Högemeier. Er und einige Anwohner erklärten, dass die Stadt mit ihren Plänen der Annington als Eigentümerin der Siedlung in die Karten spiele. Mit Garagen und Stellplätzen ließen sich die Häuser viel besser veräußern. Derzeit gebe es keine Privatisierungsabsichten, betonte die Stadt. Neben der SPD sprach sich auch Rudolf Fischer (Linke) vehement gegen die Pläne der Stadt aus.

Das letzte Wort ist längst nicht gesprochen: Man sei erst am Anfang des Verfahrens, betonte die Verwaltung mehrfach in der Sitzung. Anwohner können nun zunächst bis Ende Mai Einwände auch schriftlich geltend machen.

Das sagt der Bezirksbürgermeister

„Überrascht“ und „erfreut“ zeigte sich Bezirksbürgermeister Mathias Grunert nach der Teutoburgia-Debatte. Überrascht, weil bisher immer wieder Klagen über Parkplatzprobleme in der Siedlung laut geworden seien. Dass der Denkmalschutz in der Siedlung offenbar einen sehr hohen Stellenwert habe, freue ihn.