Probe-Schnüffeln, zweiter Teil
12.02.2012 | 18:46 Uhr 2012-02-12T18:46:00+0100
Herne. Im Umfeld des Riemker Entsorgers wird noch bis April „geschnüffelt“. Das Unternehmen will den Standort halten.
Seit fast fünf Jahren kämpfen Nachbarn des Riemker Recycling-Unternehmens Kost gegen Geruchsbelästigungen an der Stadtgrenze Herne/Bochum. Sie haben es mit Höflichkeit versucht und auch mit Härte. Sie haben viel Papier beschrieben, Ortstermine wahrgenommen, demons-triert. Und sogar Fotos ausgestellt von Menschen, die sich die Nase zuhalten. Das Ende ihres Kampfes ist weiter offen.
Am 18. Oktober 2011 hat die zuständige Aufsichtsbehörde – die Bezirksregierung in Arnsberg – einen Zwischenbericht des TÜV Nord vorgelegt. Die Prüfer arbeiten bis April an einem zweiten Geruchsgutachten. 52 Mal hatten Probanden bis Ende September an diversen Stellen unweit von Kost ihre Nase in den Wind gehalten, um Gerüche zu dokumentieren: Müll-Gerüche, Grünschnitt-Gerüche, Teer-Gerüche – abgesondert von Kost sowie von der nahe gelegenen Firma Sita, die verunreinigte Böden saniert.
Unterm Strich, so der Zwischenbericht, gab es an der Südstraße noch immer eine Belästigung, die die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte überschritt. Die Situation im übrigen Kost-Umfeld aber habe sich verbessert.
Dass es rund um den Riemker Entsorger nicht mehr so schlimm stinkt wie früher, bestätigen auch Anwohner. „Die Zahl der gemeldeten Belästigungen geht zurück“, sagt Stefan Fleischmann von der Interessengemeinschaft (IG) Gartensiedlung. Diese hatte sich früh an die Spitze der Protestbewegung gestellt. „Es gibt aber weiter Gerüche. Und die haben sich verlagert“, schränkt Fleischmann ein.
Ein erstes Gutachten im Herbst 2009 hatte die von Kost ausgelösten Probleme amtlich bestätigt. Der Staat verordnete dem Entsorger eine Mehr-Schritt-Strategie, um Abhilfe zu schaffen. Grünabfälle mussten in eine Halle verlegt, ein neuer Schornstein für die Verwertungsanlage für Verpackungsmüll aus den Gelben Säcken gebaut werden. Etwa 800 000 Euro hat es Kost gekostet, die Auflagen zu erfüllen. Viel Geld für eine Firma, die dem Vernehmen nach einen Schuldenberg in Millionenhöhe vor sich herschiebt.
Kost, einst Gemeinschaftsunternehmen eines Privatmannes sowie der kommunalen Abfallgesellschaft Ruhr (AGR), hat sich lange Zeit darauf beschränkt, auf die Krise zu reagieren. Nun hat die 1978 gegründete Firma eine neue Besitzerstruktur. Die AGR hat Kost mit seinen 54 Mitarbeitern, Recyclinghof, Containerdienst und Ersatzbrennstoff-Aufbereitung komplett übernommen. Zuvor gehörten ihr nur 51 Prozent. Die AGR, so scheint es, will das Problem nun endgültig abräumen. „Wir wollen aktiv zu einem positiven nachbarschaftlichen Verhältnis mit den Anwohnern beitragen, darum prüfen wir weitere Verbesserungsmöglichkeiten“, erklärte AGR-Sprecher Michael Block bereits Mitte Oktober. Die AGR geht davon aus, „zum Ende der Untersuchung die vorgegebenen Grenzwerte eingehalten beziehungsweise unterschritten zu haben“.
Am Standort Riemke will Kost festhalten. Der Entsorger soll mit einer weiteren AGR-Tochter verschmolzen werden, um Betriebsabläufe zu optimieren und Geld zu sparen. Dem Vernehmen nach sei dabei durchaus denkbar, die problematischen Grünabfälle vom 50 000 Quadratmeter großen Recyclinghof unweit der A 43 gänzlich zu verbannen. AGR-Sprecher Michael Block will das nicht bestätigen. Er sagt: „Wir prüfen alle Stoff-Ströme.“ Ein Verzicht auf die Behandlung von Kompost-Abfällen „würde die Situation natürlich verbessern“, sagt Stefan Fleischmann von der IG Gartensiedlung. Das Geruchs-Problem bei der Aufbereitung des Mülls aus Gelben Säcken aber bliebe bestehen. Der neue Schornstein, so Fleischmann, habe dazu geführt, dass Meldungen Belästigter jetzt auch aus anderen Teilen von Bochum und Herne eingegangen seien. Fleischmann: „Ein Problem zu verschieben heißt nicht, es zu lösen.“
Die Interessengemeinschaft will zunächst das Endergebnis des zweiten Geruchsgutachtens abwarten und dann entscheiden, was zu tun sei. Was das genau heißt, ließ Fleischmann offen.
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