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Positive Erfahrungen mit dem Gemeinsamen Unterricht

06.06.2011 | 18:03 Uhr
Positive Erfahrungen mit dem Gemeinsamen Unterricht
„Zieldifferenter Unterricht“ ist in der 5a der Hauptschule am Hölkeskampring an der Tagesordnung. Im Bild: Die Sonderpädagogin Nicole Illguth (li.) und Jennifer Herber, Hauptschullehrerin, gestalten die Deutschstunde gemeinsam. Foto: Ute Gabriel / WAZ FotoPool

Herne.   Die Hauptschule Hölkeskampring unterrichtet seit dem Anfang des Schuljahres Kinder mit und ohne Lernbehinderung integrativ. Die Erfahrungen sind positiv.Die Hauptschule Hölkeskampring unterrichtet seit dem Anfang des Schuljahres Kinder mit und ohne Lernbehinderung integrativ. Die Erfahrungen sind positiv.

Die ABC-Schlange hat es in sich. Weil „Krokodil“ mit L aufhört, muss das nächste Wort mit diesem Buchstaben beginnen. Aber Hasan fällt kein Wort mit L ein. „Was fällt im Herbst von den Bäumen?“, gibt ihm Nicole Illguth einen Tipp. Die Sonderpädagogin unterrichtet an diesem Dienstag wie üblich mit ihrer Hauptschulkollegin Jennifer Herber zusammen Deutsch in der 5a. Am Ende hilft Laura mit „Laub“. So geht das am Hölkeskampring, wo der Gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Lernschwierigkeiten schon das ist, was er in anderen Schulen in Herne noch werden soll: Normalität.

Die Hauptschule hat den Gemeinsamen Unterricht, kurz GU, nicht erfunden. Aber ihr Kollegium hat Ja gesagt zur integrativen Lerngruppe, als das Schulamt jemanden suchte, der bereit war, die Arbeit der auslaufenden Hauptschulen Jürgens Hof und Königin-Luisen fortzuführen. Und so freundeten sich Lehrer und Schulleiterin mit dem GU an, befragten die Kollegen, die ihn schon praktiziert hatten, stellten ein Konzept auf und legten zu Schuljahresbeginn los.

Sieben Kinder mit „sonderpädagogischem Förderbedarf“ (ein Junge hat zusätzlich eine Körperbehinderung) sitzen in der 5a Stuhl an Stuhl mit zwölf Regelschülern. Die Mischung an den Tischen ist durchdacht, aber wer zu welcher Gruppe gehört, wird nicht an die große Glocke gehängt. Die Klasse bekommt mit: Es gibt verschiedene Aufgaben für verschiedene Kinder.

Beim „Stationenlauf“ zum Beispiel. Jennifer Herber hat jetzt ihre Kollegin abgelöst, sie lässt Laufzettel verteilen mit 14 Aufgaben. Leichtere wie „Wir ordnen die Buchstaben nach dem Alphabet“ und anspruchsvollere Übungen. Falsch geschriebene Wörter („bekahm“) durch die richtige Schreibweise zu ersetzen etwa ist eine Aufgabe für Hauptschüler, die mit dem Ausschneiden und Aufkleben von Buchstaben unterfordert wären und gerade mit dem Wörterbuch umzugehen lernen.

„Ziel ist es, in allen Fächern eine möglichst große Anzahl von Unterrichtssituationen zu schaffen, die das Lernen an einem gemeinsamen Thema mit allen Kindern ermöglicht“, heißt es in dem Konzept der Hauptschule zum GU. Das geht mit dem Lernen an Stationen genauso gut wie im Projektunterricht, funktioniert mit Wochenplanarbeit und „kooperativem Lernen“, das den Austausch der Schüler anregt. Methoden, die jedes Kind nach seinem Potenzial fördern – „Differenzierung“ heißt das pädagogische Zauberwort.

Claudia Aldibas-Könneke, die Schulleiterin, gibt Mathematik in der 5a und sie weiß: Wenn sie den GU-Kindern ein Papierzentimetermaß auf den Tisch legt, „können sie sich das bei der Umrechnung von Zentimetern in Millimeter noch mal angucken. Diese Kinder brauchen Anschauungsmaterial.“ Ein kleiner Etat erlaubt bescheidene Materialkäufe, vieles wird selbst gebastelt.

Dankbar ist die Schule für die Erfahrungen der Sonderpädagogin Nicole Illguth, die mit 14 Stunden in der Woche am Hölkeskampring eingesetzt ist und mit weiteren 14 an der Förderschule Viktor-Reuter-Straße. Auch wenn sie nach nur wenigen Monaten vorsichtig ist mit einem Urteil, sieht sie bei den Förderkindern gute Lernfortschritte und in der integrativen Klasse ein harmonisches Miteinander: „Jeder hat seine Schwachpunkte. Die Kinder wissen: Ich kann dieses besser, der andere das.“

Als positiv und weit weniger kompliziert als erwartet erleben beide Kolleginnen die Teamarbeit. „Das macht Spaß und den Kindern tut es gut“, sagt Jennifer Herber. Absprachen sind selbstverständlich, die Klassenarbeiten vereinfacht die Sonderpädagogin für ihre Gruppe. Noten bekommen die Förderkinder keine, ihre Zeugnisse enthalten Textbeurteilungen statt Zahlen.

„Ich denke, die Förderkinder profitieren vom GU“, ist auch die Schulleiterin Claudia Aldibas-Könneke froh, die Herausforderung angenommen zu haben. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen zudem ihren Eindruck: „Die anderen Schüler haben dadurch keine Nachteile.“

Ute Eickenbusch

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Kommentare
08.06.2011
21:20
Positive Erfahrungen mit dem Gemeinsamen Unterricht
von ergrue | #1

Im Moment ist das alles noch hoch interressant,was ist aber, wenn jedoch bei den guten Schülern die ersten Mängel sichtbar werden in puncto Lernfortschritt ????? ( ich denke an PISA )

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