Peer-Projekt macht in Herne Schule

Spezial-Brillen simulieren einen Alkoholrausch: Selbst das Hinsetzen fällt schwer.  Die Gesamtschüler probierten  die Brille jetzt aus.
Spezial-Brillen simulieren einen Alkoholrausch: Selbst das Hinsetzen fällt schwer. Die Gesamtschüler probierten die Brille jetzt aus.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Kadesch setzt das Peer-Projekt an der Mont-Cenis-Gesamtschule in Herne fort: Mitschüler sind Ansprechpartner in Sachen Drogen und Sucht.

Herne..  Mit Ski- und Schweißerbrillen stolpern sie über einen Parcours in der Mont-Cenis-Gesamtschule in Sodingen und sollen sich vorstellen, wie es ist, wenn man so richtig abgefüllt ist. 13- bis 16-Jährige Schüler müssen schließlich genau Bescheid wissen, denn sie sind Vorbilder – jetzt schon und demnächst erst recht. Denn sie sind so genannte „Peers“, ausgewählt von ihren Lehrern und Mitschülern, weil sie als besonders anerkannt, beliebt und vertrauenswürdig gelten. Das Projekt geht in die nächste Runde, die Peers sollen in Klassen, auf dem Schulhof und auf der Straße Ansprechpartner sein in Sachen Drogen und Suchtverhalten.

Fatima Sardar ist von Anfang an dabei. Die 15-Jährige weiß, dass sie und ihre Mitstreiter nicht einfach nur Aushängeschilder für eine saubere Schule sind, sondern dass sie mit ihrem Einsatz konkret helfen, Mitschülern möglichst vom dauerhaften Drogenkonsum abzuhalten. Dazu kann auch übermäßiges Texten und Telefonieren gehören, aber auch Zocken am Computer und an der Konsole.

Werbung verrät etwas über Konsum

„Ich werde immer wieder von Mitschülern angesprochen, gefragt, was wir in unseren Fortbildungen so gelernt haben“, sagt Fatima. Einmal im Monat bauen die Peers einen Stand über Rausch und Sucht in der Pausenhalle auf, und wenn man sie fragt: Jeder kennt jemanden, der schon einmal Haschisch oder Marihuana geraucht hat – und Alkohol getrunken sowieso. Auch in so jungen Jahren schon.

„Man muss sich nur die aktuelle Alkohol-Werbung anschauen, dann weiß man, was die Jugendlichen konsumieren“, kritisiert Claudia Apel von der Fachstelle Suchtvorbeugung bei der Drogenberatung „Kadesch“. Sie leitet das aktuelle Seminar, zwölf Peers sind turnusgemäß ausgeschieden, neun neue sind hinzugekommen, vier alte machen weiter, darunter Fatima.

Rauchen sei an der Schule zwar verboten, etliche Mitschüler schmökten aber in Verstecken oder spätestens nach Schulschluss, sagt Fatima. Zu Infoabenden kämen regelmäßig verzweifelte Eltern, die den Verdacht haben, dass ihre Söhne oder Töchter kiffen, erklärt Claudia Apel. Aber auch der frühzeitige und übermäßige Alkoholkonsum sei ein Problem, und die Expertin erklärt der Gruppe, wie sich Betrunkene verhalten, um nicht betrunken zu wirken: „Die gehen direkt auf einen zu, ohne nach links und rechts zu gucken und behaupten, sie könnten ja noch geradeaus gehen.“

Erst lustig, dann gefährlich

Das Gefährliche sei, dass Alkohol zunächst lustig mache, dann aber gefährlich sei, spätestens, wenn jemand mit 1,3 Promille Alkohol im Blut aufs Fahrrad steige. Also ist Alkohol grundsätzlich Teufelszeug? „Man muss den richtigen Umgang damit lernen“, machte Claudia Apel deutlich. Bei den jungen Peers konnte man aber auch den Eindruck gewinnen, dass null Alkohol für sie auch eine mögliche Art von Umgang ist.