„Ostermärsche sind eine gute Tradition“

Edith Grams von der Herner Friedensinitiative begüßte die Teilnehmer des Ostermarsches 2014.
Edith Grams von der Herner Friedensinitiative begüßte die Teilnehmer des Ostermarsches 2014.
Foto: Haenisch / waz fotopool
Was wir bereits wissen
Mitorganisatorin Edith Grams gehört seit Ende der 70er-Jahre der Friedensbwegung an.Am Ostermontag ist sie wieder an der Herner Kreuzkirche dabei.

Herne..  Der Ostermarsch kommt in die Jahre. Am kommenden Montag, 6. April, machen Aktivisten der Friedensbewegung wieder an der Herner Kreuzkirche Station. WAZ-Redakteur Martin Tochtrop sprach mit Edith Grams. Die 61-jährige Lehrerin an der Gesamtschule Wanne gehört zum Organisatorenteam.

Frau Grams, Seit wann sind Sie bei den Ostermärschen und der Herner Friedensinitiative dabei?

Edith Grams: Ich bin 1982 nach Herne gekommen, Ostermärsche gibt es ja schon viel länger, sie werden in diesem Jahr 65 Jahre alt. In Herne, das weiß ich aus Erzählungen, gibt es Ostermärsche seit der großen Zeit der Friedensbewegung, als gegen den Nato-Doppelbeschluss demonstriert wurde, Ende der 70er-Jahre. Ich wohnte in Wuppertal und studierte in Bonn. Da war ich natürlich am Puls der Zeit und bei den Friedensdemos im Hofgarten dabei. Zur Herner Friedensinitiative stieß ich mit der Militarisierung Deutschlands beim Serbien-Krieg dazu.

Als sich unser Grüner Außenminister Joschka Fischer für den ersten Kriegseinsatz der Bundeswehr aussprach.

Ja, das war schon schlimm. Ich habe damals mit den Grünen sympathisiert. Und dann kam noch der 11. September 2011 hinzu, spätestens da war die relative Ruhe nach dem Kalten Krieg verschwunden.


Muss man derzeit mehr Angst haben, was die globale politische Situation anbelangt?
Auf jeden Fall. Aber alles, was jetzt passiert, ist eine Konsequenz von Fehlern, die man vorher begangen hat. Alles hat eine Vorgeschichte. Die Amerikaner sind seit langer Zeit die Großmacht Nummer eins und stellen ihre Interessen an die erste Stelle. Der Stärkste sichert seine Interessen am gnadenlosesten, zum Beispiel am Öl in der Golfregion. Mit den Saudis befreundet zu sein, dazu gehört schon einiges.


Eine völlig archaische Welt ohne Demokratie, Pressefreiheit, geschweige denn Frauenrechte.
Genau, aber das wird nicht gerne so gesehen. Auch in Afghanistan hat man uns ja vorgegaukelt, deutsche Soldaten würden dort für Frauenrechte kämpfen und für Bildung und Brunnen für Kinder bauen. In Wahrheit wurden sie dort in den Krieg geschickt. Das Wort Krieg wird ja erst in neuester Zeit für den Einsatz verwendet.


Ostermärsche sind doch wie ein Dinosaurier, der vom Aussterben bedroht ist.
Mag sein, sie sind aber eine gute Tradition, die man schon häufiger totgesagt hat. Es gibt im ganzen Bundesgebiet immer noch 80 dezentrale Ostermärsche. Der Ostermarsch Ruhr ist einer der bekanntesten. Klar, es fehlt uns an Nachwuchs. Es wäre schön, wenn sich mehr junge Leute hier engagieren würden.


Liegt es auch an der etwas altbackenen Form und dem optischen Erscheinungsbild der Ostermärsche?
Neue Formen wären sicherlich erstrebenswert. Wir haben zum Beispiel in vergangenen Jahren bei Veranstaltungen versucht, junge Leute mit entsprechender Musik zu uns zu holen, aber das hat auch nicht viel gebracht. Andererseits gehören Hannes Wader, Franz Josef-Degenhardt und die Bots einfach dazu. Die werden wir dieses Jahr sicherlich auch wieder spielen. Nein, ich glaube, es liegt daran, dass die Menschen in Deutschland sich zurzeit in relativer Sicherheit fühlen. Außerdem haben viele ein Gefühl der Ohnmacht und denken, man kann hier sowieso nichts machen.


Was sind die Forderungen der Organisatoren und Teilnehmer des diesjährigen Ostermarsches Rhein-Ruhr?

Wir demonstrieren diesmal für die vollständige Abschaffung aller Atomwaffen, aber auch von Atomenergieanlagen, gegen jegliche Auslandseinsätze der deutschenBundeswehr und gegen Rüstungsexporte. Denn man kann niemals mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Waffen immer in mutmaßlich guten Händen bleiben.