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Nur keine Hemmungen!

23.05.2008 | 19:06 Uhr

Im Rahmen der WAZ-Serie "Die VHS und ihre Kurse" haben wir mit einem Genießer gesprochen, der Männer das Kochen lehrt. Er muss ihnen beibringen, auch mal mit den Fingern in die Pampe zu greifen

Der Wettbewerbscharakter beim Kochen geht ihm auf den Keks: Peter Krauskopf. Foto: WAZ, Ute Gabriel

IM INTERVIEW PETER KRAUSKOPFHerr Krauskopf, man könnte meinen, Männer haben beim Kochen Angst vor Frauen? Warum müssten Sie diese sonst exklusiv betreuen?

Krauskopf: Das könnte sein, vielleicht. Fest steht für mich, dass es für Männer einfacher ist, Kumpaneien aufzubauen und nicht den Gockel herauszukehren, wenn sie beim Kochen unter sich sind. Sie lernen dann schneller.

Welche Männer belegen Ihre Kurse?

Krauskopf: Ich habe den 70-jährigen Witwer, der lernen will, für sich selbst zu kochen. Ich habe aber auch die 20-jährigen Jungs, die gerade von zu Hause ausgezogen sind. Die meisten Kursteilnehmer sind Anfänger oder haben nur Grundkenntnisse. Manche wissen nicht, was eine Muskatnuss ist, andere setzen Nudeln in kaltem Wasser auf. Und wieder anderen sage ich bloß, ,mache mal Mousse au Chocolat', und sie machen Mousse au Chocolat.

Das klingt nach einer ziemlichen Portion Arbeit für Sie.

Krauskopf: Ich bin froh, Anfänger zu haben und nicht Männer, die mit ihrer tollen Küche angeben wollen. Der größte Bedarf liegt meiner Meinung nach darin, Hemmschwellen zu überwinden. Die meisten Kursteilnehmer haben nie oder selten gekocht. In den meisten Haushalten ist es noch immer so, dass vor allem die Frau kocht.

Und was ist mit den vielen Sterneköchen, denen wir im Fernsehen begegnen?

Krauskopf: Männer kochen in der Gastronomie, Frauen im Haushalt. Frauen kochen im Alltag, Männer als Hobby. Das ist die klassische Rollenverteilung - und ein Dilemma. Viele Frauen lehnen das Kochen zunehmend ab, weil sie sich nicht mehr in der Rolle als Hausfrau sehen. Damit geht leider viel traditionelles Wissen über gute Ernährung verloren, das die Männer sich jetzt aneignen müssen.

Nennen Sie mal eine Hemmschwelle, die Männern das Kochen erschwert.

Krauskopf: Ich muss Männern zum Beispiel beibringen, mit den Händen in die Pampe zu greifen oder einem frischen Kaninchen den Kopf abzutrennen. Sowas will keiner machen.

Wie kommt's?

Krauskopf: Sie haben es nie gemacht. Und sie haben eine seltsame Hygienevorstellung im Nacken. Um das klarzustellen, Hygiene gehört in die Küche, man muss aber beim Kochen auch mal die Finger benutzen. Dass alles mit Löffel und Gabel angerichtet wird, wie man es in den Kochsendungen sehen kann, hat mit dem Leben nichts zu tun. Mir ist es wichtig, auf Ursprünge hinzuweisen. Fische bluten, Kaninchen haben einen Kopf.

Gibt es typisch männliche Gerichte?

Krauskopf: Das glaube ich nicht. Es gibt höchstens eine typische Zuteilung: Der Mann steht am Grill oder isst Fleisch.

Was kochen Sie mit ihren Kursteilnehmern?

Krauskopf: Ich vermittle zum Beispiel Grundlagen bei Nudel- und Kartoffelabenden, oder wir kochen mehrgängige Themen-Menüs wie "Sizilianisch" oder "Pariser Bistro".

Was hat Sie dabei am meisten erstaunt?

Krauskopf: Kochen hat etwas mit Mikrologistik zu tun, wann muss ich die Zwiebeln würfeln, wie viel Öl brauche ich. Aus vielen Rezepten muss man eine logische Abfolge machen. Viele Kursteilnehmer haben das nicht hinbekommen. Das hat mich ziemlich überrascht. Es heißt doch immer, die Männer würden so logisch denken.

Es gibt so viele Pizzabäcker und Pommesbuden, warum sollten Männer überhaupt kochen können?

Krauskopf: Um ihre Familie bekochen zu können, damit das klassische Rollenverständnis aufgebrochen wird. Es ist auch gut, wenn Männer für sich selbst sorgen können, Single-Haushalte sind schließlich auf dem Vormarsch. Kochen ist zudem eine entspannende Freizeitbeschäftigung. Und nicht zuletzt geht Liebe durch den Magen. Es ist imponierender, einer Frau sagen zu können, ich koche uns was Schönes, als zu sagen, ich kenne da ein gutes Restaurant.

Was bedeutet Kochen für Sie persönlich?

Krauskopf: Kochen ist ein kreativer Akt, eine Art Bastelarbeit, die gleichzeitig ein Grundbedürfnis befriedigt. Wenn ich selber koche, weiß ich, was ich esse und arbeite handwerklich. Je mehr man sich mit Kochen und Lebensmitteln beschäftigt, desto mehr tut sich eine ganze Welt auf, die sehr interessant ist. Natürlich spielt auch das Genießen und Schmecken eine große Rolle.

Haben Sie als junger Mann denn auch schon gekocht?

Krauskopf: Weniger. Kochen ist eine Frage des Alters. Das Essen stört Jugendliche in der Regel bei dem, was sie gerade tun. Wird man älter, ändert sich das. Man hat mehr Zeit fürs langsame Essen. Ich finde es großartig, einzukaufen, zu kochen und dann zu essen. Der Wettbewerbscharakter der vielen Kochsendungen geht mir zunehmend auf den Keks. Ich will nicht der beste Koch sein und auch nicht unter Zeitdruck etwas zusammenbrutzeln.

Also, was raten Sie Männern, die ohne Kurs das Kochen anfangen wollen?

Krauskopf: Sie sollten sich ein Kochbuch kaufen, am besten eines mit italienischen Rezepten, weil diese recht unkompliziert sind. Dann ans Rezept halten und draufloskochen. Aber das Beste ist, sie kommen in die Volkshochschule.

Klingt doch ganz einfach.

Krauskopf: Die Männer werden überrascht sein, wie viel sie noch wissen von dem, was sie früher bei Muttern vielleicht mal gesehen haben. Man darf keine Angst haben und sollte Spaß am Einkaufen entwickeln. Anfänger werden schnell merken, dass es gar nicht so schwer ist, etwas zu essen zu machen. Es muss nicht teuer sein, ist gesund und schmeckt grundsätzlich besser als Fertiggerichte.

Das Interview führte Kai Wiedermann

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