NRW-Verkehrsminister Groschek lobt Hernes Lastenräder

Ein Beitrag zum Klimaschutz sollen die Lastenräder sein, die in Herne getestet wurden. Für die Fotografen schwangen sich auch Minister Michael Groschek (l.) und OB Frank Dudda auf den Sattel.
Ein Beitrag zum Klimaschutz sollen die Lastenräder sein, die in Herne getestet wurden. Für die Fotografen schwangen sich auch Minister Michael Groschek (l.) und OB Frank Dudda auf den Sattel.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Sieben Herner Unternehmen testeten die Lastenräder im Alltag. NRW-Verkehrsminister Michael Groschek zeichnete das Projekt nun als Teil der Klima-Expo aus.

Einfach aufsteigen und losfahren, so einfach ist es dann doch nicht. Ein bisschen Übung braucht es schon, um mit „Helfi“ sicher von A nach B zu kommen. Trotzdem fällt die Bilanz zum Forschungsprojekt „Herner Lastenfahrrad Innovation“ durchweg positiv aus. Gestern wurde das Projekt als 139. von 1000 Schritten der Klima-Expo.NRW ausgezeichnet. NRW-Verkehrsminister Michael Groschek übergab die offizielle „Wir sind dabei“-Urkunde.

„Klimafreundlicher Wirtschaftsverkehr in Kommunen als Beitrag zur Energiewende“ lautet der offizielle Titel des Projektes, das im Mai 2015 startete. Das Ziel war es herauszufinden, ob durch den Einsatz von Lastenfahrrädern statt Lieferwagen ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann. Die Idee stammt von der Zeppelin-Universität Bodensee, Kooperationspartner sind die Stadt Herne, die Stadtwerke Herne und die Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft ZEG. Finanzielle Unterstützung gab es von der Mercator-Stiftung. Den Praxistest schließlich führten Herner Unternehmen durch. Ein gutes Dreivierteljahr hatten sie die Lastenräder im Einsatz.

Minister Groschek zitiert anlässlich der Urkundenübergabe den Astronauten Neil Armstrong: „Wenn wir klug mit diesem Projekt umgehen, kann dies ein großer Schritt für unsere Region sein.“ Angesichts der hohen Belastung durch CO2-Emissionen sei das Lastenfahrrad ein erster Schritt in die richtige Richtung. „Eigentlich könnten alle Wege unter fünf Kilometern verkehrsfrei sein“, findet der Minister. „Aber trotzdem fährt man mal eben zum Bäcker.“ Städtebau und Verkehrspolitik müssten enger zusammenarbeiten. „Unsere Region muss selbstbewusster sein und begreifen, dass sie ein großes Potenzial hat.“ Die Innovation City Bottrop sei da ein gutes Beispiel. „Wir sollten uns für ein Innovation Ruhr einsetzen.“

Große Chance für die Region

Auch OB Frank Dudda begreift das Lastenfahrrad als Chance. „Ich hoffe, künftig mehr dieser Räder auf den Straßen zu sehen, nicht nur in Herne, sondern in der ganzen Region.“ Mit dem Erfolg – auch in der Herner Öffentlichkeit – habe er nicht gerechnet. Der Praxistest habe aber gezeigt, wie Logistik mit Innovation verknüpft werden könne. Mitte des Jahres, kündigt er an, soll ein Handlungsleitfaden mit Empfehlungen erscheinen, wie man die Ergebnisse des Projektes auf andere Kommunen übertragen kann.

Klaus Kordowski von der Stiftung Mercator betont die Bedeutung der Städte für die Energiewende. In ihnen gelte es, die Grenzen des typischen Wirtschaftsverkehrs auszuloten. Das Projekt liefere wertvolle Hinweise für Verkehrsplaner: „Die alltägliche Strampelarbeit der Unternehmen ist eine wichtige Grundlage für die Analyse des Projektes.“

Unternehmer ziehen positive Bilanz

In einem sind sich vier der sieben Testfahrer einig: Nach den ersten Kinderkrankheiten – technische Probleme – war das Projekt eine tolle Sache. Georg Wilk, Inhaber der Tischlerei Mohlzahn, und Manfred Lieder, Inhaber von Meister Lieder, sind vom Lastenrad überzeugt – und wollen es behalten. In einem Umkreis bis zu sechs Kilometern sei man genau so schnell oder sogar schneller als mit dem Auto. Bei Mohlzahn legte das Rad in der Zeit gut 750, bei Lieder sogar 850 Kilometer zurück. Lieder konnte sogar ganze drei Wochen auf eines seiner Dienstfahrzeuge verzichten. Er sagt: „Für uns ist das Projekt ein großer Erfolg.“

Eva-Maria Maylahn, Geschäftsführerin des Blumen- und Floristikgeschäfts an der Jauerstraße, und Sabine Pachtmann, Managerin des City-Centers, sind ebenfalls begeistert von der Idee, die Wege per Rad zu bestreiten. „Das Problem ist nur, dass die Räder zu schwer sind“, sagen sie. Man könne halt nicht mal eben damit fahren, sondern müsse erst einmal üben. „Das Konzept ist genial“, findet Pachtmann, die das Rad behalten möchte. Maylahn pflichtet ihr bei. „Ich habe erfahren, dass es auch leichtere Versionen gibt. Vielleicht können wir ja so eine bekommen.“ Zurzeit verhandelt die Stadt mit der Stiftung Mercator über den Verkaufspreis. „Der wird wohl symbolisch ausfallen“, schätzt Thomas Semmelmann vom Fachbereich Umwelt. Die Stadt würde gern selbst eines der Lastenräder einsetzen: für das Projekt „Nachhaltigkeit im Revier“ in Wanne-Süd.