Nostalgische Geburtstagsfeier in Wanne-Eickel

Geburtstagsfeier: Hotte Schröder von der Mondritterschaft, rechts, serviert im Gleiscafé Fritzchen in Herne Getränke für die Familie Schmidt.
Geburtstagsfeier: Hotte Schröder von der Mondritterschaft, rechts, serviert im Gleiscafé Fritzchen in Herne Getränke für die Familie Schmidt.
Foto: FUNKE Foto Services
Die Wanne-Eickeler feierten den 89. Geburtstag ihrer Stadt. Die „Mondritter“ suchten nach Einzelteilen des alten Hohenzollern-Brunnens.

Herne..  Seit einem dreiviertel Jahr verfolgt Hotte Schröder eine Mission. Er will er die Überreste des alten Hohenzollern-Brunnens, der ehemals den Eickeler Markt schmückte, auftreiben. Aus den Einzelteilen könnte der Brunnen wieder zusammengesetzt werden und einen Platz im Heimat- und Naturkundemuseum bekommen, so zumindest hat es sich der „Mondritter“ alias „Graf Hotte“ vorgestellt.

Anlässlich des 89. Geburtstags seiner Heimatstadt Wanne-Eickel wollte er den historischen Brunnen eigentlich schon am Mittwoch präsentieren. Dazu müssten aber erst einmal seine Überreste gefunden werden. „Aus den Dokumenten im Stadtarchiv geht hervor, dass die abgetragenen Teile des Brunnens auf dem Waldfriedhof liegen“, erläutert Hotte den aktuellen Stand seiner Recherche. Dort verliefen sich jedoch die Spuren.

Im Rahmen einer Wohltätigkeitsaktion ist der Hohenzollern-Brunnen 1909 für 20 000 Reichsmark nach dem Entwurf eines Münchener Bildhauers erbaut worden. Im Zweiten Weltkrieg fiel die Statue der „Metallspendenaktion“ zum Opfer. „1960 wurde auch der Sockel abgetragen, weil der gesamte Marktplatz abgesenkt wurde“, erzählt Hotte Schröder die Geschichte des altehrwürdigen Brunnens zu Ende.

Frauenstatue sorgte für Aufsehen

Vorher hatte die „Jungfrau“ auf der Spitze jedoch für genügend Aufsehen gesorgt: Nach Enthüllung der leicht bekleideten Frau kursierte das Gerücht, ein Kaufmann habe die Amtsverwaltung wegen Beleidigung verklagt, weil er nur das Hinterteil der Statue zu Gesicht bekäme und forderte dazu auf, sie auf einen drehbaren Sockel zu setzen. „Es gibt viele Geschichten wegen der Freizügigkeit der Statue“, bestätigt Hotte, „über Nacht wurde der fast nackten Statue aus Protest häufig Kleidung angezogen.“

Vereinzelte Wanne-Eickeler versammelten sich am Mittwoch im „Gleiscafé“ im Stadtteil Unser Fritz, um bei Kaffee, Kuchen und Brühwurst auf den Geburtstag ihrer Heimat anzustoßen. „Wenn Wanne Geburtstag hat, bin ich natürlich dabei“, erzählt eine Besucherin. „Ich bin in Wanne aufgewachsen und interessiere mich für die Geschichte der Stadt“, sagte Sebastian Schmidt, denn „wenn man die Historie kennt, sieht man die Stadt mit ganz anderen Augen“.

„Zum 90. Geburtstag lassen sich die Mondritter wieder etwas ganz besonderes einfallen“, kündigt Hotte an. Ein Auftritt im Mondpalast habe es vor vier Jahren schon gegeben. Einmal habe er sogar die Queen eingeladen, „die hat aber leider abgesagt“. Auch ein Mondgrundstück in der Größe von Wanne-Eickel habe er schon erworben. Die Ideen gehen den Mondrittern anscheinend so schnell nicht aus.