Nicht angeschnallt zur Schule

Foto: Cornelia Fischer
Was wir bereits wissen
Gurte sind in Schulbussen nicht vorgeschrieben. In Herne werden jedeWoche 3500 Kinder zur Schule oder zum Schwimmen gefahren.

Herne..  Warum sind Kinder im Auto angeschnallt, in der Regel aber nicht, wenn sie mit dem Schulbus zum Sport-Unterricht gefahren werden? In Herne werden in jeder Woche 3500 Schüler mit dem Bus von ihrer Schule zum Schwimmen, auf einen Sportplatz oder zu einer Turnhalle gefahren, sagt Stadtsprecher Christoph Hüsken auf Anfrage der WAZ. Dabei, betont er, halte sich die Verwaltung streng an die gesetzlichen Auflagen.

Demnach sei die Gurtpflicht zwar Bestandteil der europaweiten Ausschreibung. Allein: Die Anschnallpflicht in den Schulbussen sei abhängig vom verwendeten Fahrzeug. Konkret: „Im Linienverkehr und im freigestellten Schülerverkehr besteht in Kraftomnibussen mit mehr als acht Plätzen keine Anschnallpflicht.“ Ausnahme: Gebe es Gurte, müsse der Fahrer sicherstellen, dass sie auch genutzt würden. Ähnlich sehe es mit Kindersitzen aus. Für Kinder unter zwölf Jahren oder bis 150 Zentimeter seien sie im Omnibus mit mehr als acht Fahrgastplätzen nicht vorgeschrieben.

Schulbusfahrten nach diesem Prozedere, sagt Hüsken, seien in Herne „geübte Praxis“. Dass nicht alle Kinder immer in Bussen angeschnallt seien, habe bei Eltern bislang für keine Kritik gesorgt. Das wundert ihn nicht: „Es werden ja keine Überlandfahrten durchgeführt.“

Ähnlich äußert sich Heinrich Hendricks, Vorsitzender der Verkehrswacht in Herne. Optimal wäre es sicherlich, wenn alle Kinder immer angeschnallt wären. Das aber würde viel Geld kosten, dadurch nämlich, dass die Stadt dann nur noch Unternehmen beauftragen könnte, die kostenintensive Gurte besäßen. Nicht zuletzt: Nennenswerte Unfälle habe es vor Ort bislang nicht gegeben, und sein Vertrauen in die Busfahrer sei hoch. „Man muss einen Mittelweg haben, der auch finanzierbar ist“, sagt Hendricks. Und diesen gebe es — durch die aktuelle Regelung.

Drei Bus-Unternehmen kutschieren in Herne Kinder zu den Sportstätten, darunter auch Graf. Das Unternehmen aus Wanne-Eickel ist täglich mit bis zu 25 Bussen unterwegs, um Schüler in fünf Städten von der Schule zum Sport und zurück zu bringen. Das Unternehmen, sagt Anja Graf, biete Schulen auf dem Betriebsgelände regelmäßig Schulungen an, damit die Schüler lernten, wie man sich unangeschnallt in Linienbussen, aber auch im Schulbusverkehr verhält. Den toten Winkel etwa lernten sie dabei kennen oder wie man sitzen müsse, aber auch den Bremsweg bei einer Vollbremsung. Diese „Präventiv-Maßnahme“, sagt die Graf-Prokuristin, „ist sehr sinnvoll.“