Neuer Flüchtlingsrat Herne will politisch Druck machen

Im Gleichschritt: Die Sprecher des Flüchtlingsrats Herne Martin Domke (l.), Anja Stahl und Manfred Schwirske (r.) mit Günter Nierstenhöfer (2.v.l.), einem der bislang knapp zwei Dutzend Mitstreiter.
Im Gleichschritt: Die Sprecher des Flüchtlingsrats Herne Martin Domke (l.), Anja Stahl und Manfred Schwirske (r.) mit Günter Nierstenhöfer (2.v.l.), einem der bislang knapp zwei Dutzend Mitstreiter.
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Was wir bereits wissen
Der neue Flüchtlingsrat Herne versteht sich als Bürgerinitiative für Flüchtlings- und Menschenrechte. Und er hat zwei Forderungen.

Herne..  „Wir wollen auf lokaler Ebene politisch Druck machen“: Das sagt Anja Stahl, eine von drei Sprechern des Flüchtlingsrats Herne, der sich jetzt gegründet hat. Politisch Druck machen wollen die bislang knapp zwei Dutzend Mitstreiter für die rund 500 Asylbewerber, die in Herne leben, Tendenz: steigend. Gerade auch wegen der kräftigen Zuwächse bei den Flüchtlingszahlen, klagt die neue Gruppe, würden viele Asylbewerber nicht oder nicht mehr optimal betreut. Das will sie ändern: „Wir wollen praktische Vorschläge machen zur Verbesserung der Lebenssituation der Flüchtlinge“, erklärt die Baukauerin Stahl (28), die in der Vergangenheit auch beim Flüchtlingsrat NRW beschäftigt war. Und so nicht zuletzt zu einer toleranten und weltoffenen Stadt Herne beitragen.

Gemeinsam mit Pfarrer Martin Domke (59), Leiter des Eine Welt Zentrums Herne, und Manfred Schwirske (61), flüchtlingspolitischer Sprecher des Herner Sozialforums, hat Stahl den Flüchtlingsrat aus der Taufe gehoben. Er versteht sich nach den Worten der drei Sprecher als „Bürgerinitiative für Flüchtlings- und Menschenrechte“. Warum nun eine weitere Initiative, die sich neben Etablierten wie Kirchen, Caritas oder Arbeitskreis Flüchtlinge beziehungsweise dem ebenfalls noch jungen Willkommensbündnis für Asylbewerber einsetzt? „Wir wollen unabhängig sein von Vereinen, Verbänden, der Stadt oder Kirchen“, begründet Stahl.

Dass es Mitstreiter in dem neuen „zivilgesellschaftlichen Bündnis“ gebe, die sich auch dort engagieren, schließe sich nicht aus. Mit zwei konkreten Forderungen nimmt der Flüchtlingsrat Herne seine Arbeit auf. Zuallererst will er für alle Asylbewerber eine Verfahrensberatung durchsetzen.

Ob der stark steigenden Flüchtlingszahlen erhielten viele Einreisende kaum noch oder gar keine Informationen mehr über das deutsche Asylbewerberverfahren, geschweige denn Hilfe in der Bewältigung ihrer persönlichen Flüchtlingsgeschichte, sagt Manfred Schwirske. Folge: „Wer unvorbereitet ist, dem droht die sofortige Ablehnung.“

In der Pflicht für eine Verfahrensberatung sieht der Flüchtlingsrat die Stadt: Sie soll das Geld aus den seit Januar erhöhten Landeszuweisungen bereitstellen, die Beratung selbst sollen dann die Experten aus den Verbänden, etwa Ev. Kirche oder Caritas, übernehmen.

Stärkung der ehrenamtlichen Arbeit ist zweites Ziel

Die zweite Forderung ist eine Stärkung der ehrenamtlichen Arbeit vor Ort. Die Flüchtlingshelfer müssten dringend geschult werden, sie bräuchten Räume, Unterstützung. Angesichts der besagten steigenden Zahlen dürfe es bei der aktuellen „08/15-Lösung“ etwa in den städtischen Notunterkünften nicht bleiben, stellt Schwirske klar. Helfen sollen auch hier die Mittel des Landes, bereitgestellt von der Stadt.