Nesteldecken helfen demenzkranken Senioren beim Entspannen

Therese Littmann, Magdalene Sonnenschein, Livia Leichner und Irene Zawieja (v.l.n.r.) sind von den positiven Wirkungen der Nesteldecken bei demenzkranken Senioren überzeugt.FUNKE Foto Services
Therese Littmann, Magdalene Sonnenschein, Livia Leichner und Irene Zawieja (v.l.n.r.) sind von den positiven Wirkungen der Nesteldecken bei demenzkranken Senioren überzeugt.FUNKE Foto Services
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Was wir bereits wissen
Für DRK-Senioreneinrichtungen nähen Ehrenamtliche Nesteldecken, die demenzkranken Senioren helfen, zur Ruhe zu kommen.

Wanne-Eickel/Herne..  Auf den ersten Blick sehen sie aus wie besonders schöne Patchworkdecken. Doch sie haben mehr zu bieten, als ihre Benutzer nur zu wärmen: Die Stoffe weisen unterschiedliche Oberflächen auf, hier ist ein Reißverschluss eingearbeitet, dort sind Knöpfe an Bändern befestigt, es gibt Schlaufen aus Bordüren, kleine Teddys, die mit Karabinern befestigt sind und Troddel, wie sie früher an Gardinen beliebt waren. Sie fordern geradezu dazu auf, sie zu betasten und herumzuspielen. Und genau das sollen diese „Nesteldecken“ auch.

Die Altenhilfeeinrichtungen des DRK Herne und Wanne-Eickel nutzen diese Decken für Senioren, die durch eine demenzielle Erkrankung motorisch unruhig und fahrig sind, die ständig an Gegenständen oder Kleidungsstücken herumzupfen. „Es ist erstaunlich, wie viel Ruhe und Wohlbehagen diese Decken den Bewohnern geben“, sagt Irene Zawieja, Pflegedienstleiterin im DRK-Altenhilfezentrum an der Bergmannstraße. „Häufig können sich die erkrankten Menschen sprachlich nicht mehr äußern, aber ihrer Mimik ist anzusehen, wie sehr sie die Beschäftigung mit der Decke freut und entspannt.“ Und sie auch dazu anregt, sich an scheinbar Vergessenes zu erinnern - Schleifen zu binden zum Beispiel oder Reißverschlüsse auf und zu ziehen.

Auf die Idee mit den Decken kam Livia Leichner, hauptamtlich Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte an der Holstherhauser Straße in Herne-Mitte und ehrenamtlich vielseitig engagiert, als sie vor einigen Monaten im Internet darauf stieß. Ihr erstes selbst genähtes Exemplar stellte sie dem DRK zur Verfügung - und es kam so gut an, dass schnell klar war: „Wir brauchen mehr solcher Decken“, sagt Magdalene Sonnenschein, Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes. Sie konnte Therese Littmann, Ehrenamtliche beim DRK und ausgebildete Schneiderin, dafür gewinnen, ebenfalls Nesteldecken zu nähen, was sie nun mit großem Einsatz und viel Fantasie tut.

Elf Decken sind fertig

Elf Decken haben Livia Leichner und Therese Littmann inzwischen genäht, jede von ihnen ein Unikat. Und die beiden haben noch jede Menge Ideen für weitere Exemplare. „Man könnte zum Beispiel kleine Kochutensilien mit anbringen“, überlegt Therese Littmann. Speziell für Männer haben sie auch schon eine Nesteldecke genäht: In den Farben Blau-weiß und mit einer gestreiften Krawatte.

Ziel ist es, für jeden Bewohner der DRK-Altenhilfeeinrichtungen in Wanne-Eickel und Herne, der diese dementiell bedingte Unruhe zeigt, eine eigene Decke zu nähen. Da passt es gut, dass mit Monika Penzel eine dritte DRK-Ehrenamtliche gefunden wurde, die sich an der Deckenherstellung beteiligt. Weitere Interessierte, die mitnähen wollen, können sich noch gerne bei Magdalene Sonnenschein, WAN 969-0, melden.

Nesteldecken werden auch von Ergotherpeuten bei der Arbeit mit Demenzkranken eingesetzt. Die Decken sollen beruhigen, aber auch aktivieren.


Um weitere Decken anfertigen zu können, bitten Livia Leichner und Therese Littmann um gut erhaltene Stoffe. Sie können in der evangelischen Tageseinrichtung für Kinder an der Holsterhauser Straße 320, Herne-Mitte, abgegeben werden.