Nasser Start in den Tag hält Frühschwimmer fit

Frühaufsteher schwimmen  im Freibad des Südpool in Herne.
Frühaufsteher schwimmen im Freibad des Südpool in Herne.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Jeden Tag gehen Dutzende Herner in aller Herrgottsfrühe im Südpool schwimmen. Warum so früh? Eine Mitarbeiterin mischte sich unter die Frühschwimmer.

Herne..  Als der Wecker klingelt, bin ich noch müde. Warum habe ich mich freiwillig gemeldet, um die Frühschwimmer im Südpool zu besuchen? Jetzt gibt es kein zurück. Bikini anziehen, ab ins Auto und rein in die Schlange. Bereits um 6.25 Uhr warten die Stammgäste auf den Einlass. „Jeden Morgen kommen rund 60 Leute schwimmen“, erklärt mir Kassendame Petra Stakowiak, die meisten von ihnen hätten eine Jahreskarte.

Was treibt all die Menschen in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett und rein ins Schwimmbecken? „Morgens ist es noch relativ leer“, sagt Wilfried Kohs. Außerhalb der Ferien belegen von 8 bis 15 Uhr Schulklassen die Bahnen im Hallenbad. Und: „Sobald die Sonne scheint, ist es draußen morgens auch schon früh voll.“ Da stehe er lieber früh auf und schwimme seine 1000 Meter in Ruhe.

1000 Meter in 30 Minuten

Diese Strecke legt ein Großteil der Frühschwimmer im Wasser zurück, im Schnitt in 30 Minuten. „Das schaffe ich auch“, denke ich und hüpfe ins kühle Nass. Am liebsten schwimme ich mit Schwimmbrille und Ohrstöpseln. Einige meiner Badekollegen tun es mir gleich. Andere, vor allem die weiblichen, haben ihre Schwimmtechnik so perfektioniert, dass auch ohne Badekappe kein Haar einen Tropfen abbekommt. Zwei tragen gar Sonnen- statt Schwimmbrillen. Hinter den Bäumen an der Liegewiese lacht uns die Sonne entgegen. Allein für diesen Anblick hat sich das frühe Aufstehen schon gelohnt.

Ich mische mich unters Frühschwimmervolk im Freibad. Gut ein Drittel der Schwimmbadbesucher bleibt derweil lieber im Hallenbad. Viele ziehen – drinnen und draußen – diszipliniert ihre Bahnen, andere treten lieber Wasser und tauschen den neuesten Tratsch aus. „Wir starten hier zusammen als Clique in unseren Tag“, erzählt Lilo Konobbe. Sobald die Freibadsaison startet, trifft sich die 73-Jährige hier täglich mit ihren Freunden. „Besser kann ein Tag nicht starten“, schwärmt sie von der belebenden Wirkung und lädt mich zur Wassergymnastik ein. „Immer um sieben“, erklärt sie, „treffen wir uns im Rondel und machen 15 Minuten lang Gymnastik. Zum Abschluss singen wir ein Lied und ziehen ein paar Bahnen.“ Ich nehme die Einladung an und übe fleißig mit: Hampelmänner, auf der Stelle schwimmen, Sit-Ups im Wasser. Die Wassergymnastik macht mir Spaß. Das Strecke-Schwimmen im Anschluss auch. Meine 40 Bahnen schaffe ich in 32 Minuten.

Als ich um acht Uhr das Freibad verlasse, scheint mir die Sonne ins Gesicht. Ich fühle mich frisch und fit. Wie sagte Lilo so schön? „Besser kann ein Tag nicht starten.“