Narren in Herne regieren nun bis Mittwoch im Rathaus
04.03.2011 | 13:09 Uhr 2011-03-04T13:09:00+0100
Herne.Nicht jeder, der mitfeiert, ist auch jeck. Jürgen Fiege etwa. Der Bierbrauer aus Bochum stand etwas abseits, als Oberbürgermeister Horst Schiereck mit dem Prinzenpaar um die Regentschaft im Rathaus focht.
Er, ein Narr? „Karneval ist in unseren Breitengraden ja nicht so intensiv“, sagte er diplomatisch, „aber ich feiere gerne.“ Insofern war Fiege Donnerstagnachmittag in Herne gut aufgehoben. Seine Brauerei pflegt gute Kontakte zur HeKaGe, schon ein paar Mal hat er sich den Karneval hier angeguckt. Überrascht wurde der IHK-Präsident nicht – Schiereck verlor den Kampf mit der Konkurrenz ziemlich deutlich.
Wenn Rosenmontag der Zug durch Herne rollt, hoffen die organisierten Karnevalisten auf viele Zuschauer. Bekanntlich verläuft die Strecke erstmals von West nach Ost, von der Innenstadt nach Sodingen, wo in der Akademie eine große Fete steigt. Klaus Tittel von der HeKaGe: „Obwohl die Wegführung eine andere ist als in den letzten Jahren, soll die Strecke voll werden.“
Um 16.11 Uhr hatte sich Schiereck noch selbstbewusst gezeigt. „Der Schlüssel zur Macht befindet sich in meiner Hand“, rief er den paar Dutzend Männern und Frauen zu, die dem Schauspiel beiwohnten. Und reimte drauf los: „Ich feier’ mit, ganz ungeniert, doch bin ich schon verwirrt“, dichtete er, und „Nun steh’ ich hier allein, könnte toben, könnte schrei’n“. Nur, all das Gezeter half nichts. Auch nicht, dass er für das karnevalistische „Tättää“ gleich selbst sorgte.
Als er dann den Kampf mit Michael III. und Regina I. aufnahm, kriegten die Zuschauer nicht allzu viel davon mit – zu viele Fotoapparate knipsten und versperrten die Sicht. Als die Fotografen den Blick schließlich wieder freigaben, hielt Regina I. den symbolbeladenen Schlüssel in der Hand und sprach: „Wir regieren nun die Stadt!“ Schiereck hat bis Mittwoch also erstmal „Urlaub“. Was er bis dahin so macht? Vielleicht feiert er ja mal ganz in Ruhe und ganz privat Karneval. Wie ihm das närrische Treiben in und vor seinem Amtssitz gefiel, ließ sich anhand von Mimik und Gestik schwer einschätzen. Fest steht: Seine Ansprache war durchaus launig, als geschunkelt wurde, schunkelte er mit, und beim Singen der HeKaGe-Hymne bewegte er zumindest die Lippen und schaute ironisch-amüsiert auf die Menschen, die trotz der Kälte guckten.
Und sonst? Gab’s die in diesen Tagen unvermeidlichen Anspielungen auf Guttenberg („Wir haben die Reden wirklich selber geschrieben“) und engagierte musikalische Auftritte. Hilmar Born stimmte das Vereinslied an: „Die HeKaGe, die HeKaGe von Herne ist ok“. Und die Prinzengarde überspielte auch kleine Technikpannen.
Der Rathaussturm fand erstmals nicht an einem Samstag, sondern an Weiberfastnacht statt. Wie in Köln, wie in Düsseldorf. Unser oberster Büttenredner rief deshalb schon die „Karnevalshochburg Herne“ aus. Eine gute Stunde vorher war Schiereck noch guter Dinge. „Samstags sind meine Beamten ja vom Freitagabend erschöpft“, da hätten sie auch schon eine ganze Arbeitswoche hinter sich und seien daher mental angeschlagen. Nun, an einem Donnerstag, hoffte Schiereck auf tatkräftige Unterstützung – doch die blieb mal wieder aus. Ein paar Mitarbeiter sah man, wie sie das Ringen um die Macht von ihren Büros aus beobachteten, doch allein gegen alle hatte Schiereck keine Chance. Auch wenn HeKaGe-Präses Klaus Mahne von den „vielen Neuheiten“ im Karneval sprach – manche Tradition hält ewig.
14:34
Wer regiert den außerhalb der närrischen Zeit?
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Also bei diesem Photo kann ich keine Vorher/Nachher-Veränderung erkennen.