Nackt-Fußball lockt 110 Besucher ins Herner Stadion

Begrüßung vor dem Nackt-Kick in Herne: Den Spielern wurden die Rückennummern aufgepinselt.
Begrüßung vor dem Nackt-Kick in Herne: Den Spielern wurden die Rückennummern aufgepinselt.
Foto: Naked Fußball
Was wir bereits wissen
Fotograf Gerrit Starczewski lud ins Stadion in Herne ein. Wer kam, durfte Fußball spielen oder zuschauen – nackt. Eine Aktion gegen Kommerz.

Herne.. „Happy Birthday, lieber Gerrit“, so schallte es zu Beginn seiner Aktion „Naked Fußball“ durchs Stadion am Schloß Strünkede. Der Fotograf Gerrit Starczewski, Initiator des Nackt-Fußballspiels in Baukau, feierte Samstag auch gleich seinen 29. Geburtstag. „Es gibt Wasser und nachher Freibier“, kündigte er per Megafon an – zur Freude der rund 110 Besucher.

Und die, noch angezogen, platzierte der Künstler eingangs auf der Tribüne. Um schnell anzufügen: „Hier könnt ihr euch jetzt bitte ausziehen.“ Die Männer und (nur wenigen) Frauen, die der öffentlichen Einladung Starczewskis zum Nackt-Fußballspiel mit Foto- und Video-Begleitung gefolgt waren, zauderten nicht lange. Aus ihnen wurden später auch die Spieler der beiden Mannschaften rekrutiert. Team Rot und Team Weiß, zu unterscheiden allein an den weißen und roten Schienbeinschonern, traten gegeneinander an.

Mit blauen Papierrollen auf „Sepp Blatter“ werfen

Eine der wenigen Frauen war Tanja. Sie unterstützte Team Rot – allerdings als Trainerin, mitspielen mochte sie dann doch nicht. „Wir mussten sie schon sehr überreden, damit sie überhaupt mitmacht“, gab eine der (angezogenen) Frauen aus dem Organisationsteam zu. Freizügiger war da etwa Zuschauer Walther Schneider aus Dortmund. Nackt stand er auf der Tribüne und fieberte dem Spiel entgegen. „Ich finde die Aktion gut. Außerdem ist auch noch schönes Wetter, dann unterstütze ich so etwas gerne.“ Zur Erinnerung: Mit der Aktion „Naked Fußball“ will Starczewski gegen die Kommerzialisierung des Fußballs und die Machenschaften der Fifa rund um ihren (Noch-) Chef Sepp Blatter protestieren.

Vor dem Anpfiff sorgte Starczewski dafür, dass seine Botschaft auch richtig auf Bildern festgehalten wurde. Ein Mitarbeiter seines Teams, Jan aus Leipzig, musste ran. In schwarzem Anzug, mit Blatter-Pappmaske, durfte er sich vom Publikum mit blauen Papierrollen bewerfen lassen. Starczewski heizte an: „Ihr wollt die nackte Wahrheit, ihr kriegt die nackte Wahrheit!“ Und schon flogen die Rollen auf das mittlerweile nackte Blatter-Double. Für ein weiteres Foto drapierte das Team die Papierschlangen ordentlich um den falschen Fußballfunktionär. Die Stimmung im Publikum stieg an. Mittlerweile wurde das Freibier ausgeschenkt, die Mannschaften wurden zusammengestellt, die Rückennummern aufgepinselt.

Ganz nackt waren die Kicker dann doch nicht: Spieler erhielten Pappmasken von Prominenten verpasst, darunter Fußballspieler. Um gegen den Kommerz zu protestieren? Oder damit man sie später auf den Fotos nicht erkennt Kurz vor dem Anstoß lief noch schnell jemand aufs Klo – nackt bis auf seine Johnny-Depp-Pappmaske. Er fasste die Aktion „Naked Fußball“ in einem Satz zusammen: „Ohne Buxe ist alles unkomplizierter.“

Am Ende ging die weiße Mannschaft als Sieger vom Platz. „Das war aber eindeutig Schiebung“, kommentierte Starczewski grinsend. Folge: „Der Schiri war geschmiert, wir müssen das Spiel wohl wiederholen.“